Warteschlange vor dem SSB-Kundenzentrum in der Innenstadt Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Pendler im Raum Stuttgart können sich seit dem 1. April über günstigere Tickets und übersichtlichere Zoneneinteilung freuen. Lob für die Preissenkung gibt es bei einer spontanen Umfrage in der Warteschlange vor dem SSB-Kundenzentrum – es wird aber auch Kritik laut.

Stuttgart - Vorm SSB-Kundenzentrum am Hauptbahnhof fühlt sich der Montag nicht wirklich wie ein historischer Tag an. Die Schlange ist so lang wie jeden ersten Tag im Monat – die Stimmung einem Montagmorgen entsprechend wenig ausgelassen. Viele der Wartenden wissen zwar von der Tarifreform im Verkehrsverbund Stuttgart (VVS), haben jedoch nicht auf dem Schirm, was sich für sie konkret ändert. Am 1. April tritt die größte Tarifreform des VVS seit 40 Jahren in Kraft. Aus den unübersichtlichen 52 Zonen werden acht. Fünf davon sind ringförmig um den Stuttgarter Hauptbahnhof angeordnet.

Deborah Mellili (24), studentische Aushilfe beim VVS, läuft mit Abbildungen des neuen Streckenplans umher und erklärt den Wartenden am Kundenzentrum, was die Umstellung im individuellen Fall für Folgen hat. „Die meisten Leute sind gut informiert. Manche Kunden wissen aber nicht, dass sich die Jahresabos automatisch aktualisieren und der Differenzbetrag ausgezahlt wird“, sagt sie. „Durch unseren Einsatz werden die Kunden schnell über alle Änderungen aufgeklärt.“

Preissenkung um bis zu 30 Prozent

Für Pendler, die vorher mehrere Zonen durchfahren haben, kann sich laut dem VVS eine Preissenkung von bis zu 30 Prozent ergeben. Das betrifft auch Tobias Hoppe (30), Einzelhandelskaufmann: „Mein Monatsticket hat bisher immer 90 Euro gekostet. Jetzt ist es eine Zone weniger und somit günstiger.“ Wie groß der Unterschied genau sei, wisse er nicht, da er so oder so auf das Ticket angewiesen sei. Ganz im Gegensatz zu André Schneider (41), Lehrer, der sich mit den Neuerungen auskennt und am Fahrkartenautomaten verwirrten Ticketkäufern zur Seite steht. „Bei mir fällt durch die VVS-Reform eine Zone weg. Dadurch spare ich 40 Cent pro Fahrt“, sagt er. Beide freuen sich über die Preissenkung. Tobias Hoppe sieht es allerdings auch kritisch und ergänzt: „Für mich ist das gut, aber es ändert sich nicht für alle etwas. Mein Kollege aus Filderstadt profitiert nicht von der Reform und zahlt beim Pendeln ohnehin mehr als ich.“

Technische Probleme mit der Android-App

Selina Dieter (26), Studentin, ist ähnlich hin- und hergerissen. In wenigen Monaten wird sie aus Stuttgart weggehen. „Deswegen hole ich mir jetzt ein Monatsticket. Das ist für mich günstiger als noch ein Studiticket fürs ganze Semester, durch die Tarifreform jetzt erst recht“, sagt sie. Das Studententicket des VVS sei „unverschämt teuer“ in Anbetracht der Tatsache, dass es zusätzlich zum Semesterbeitrag gezahlt werden müsste, findet sie. Daran ändere sich leider nichts.

Die VVS-Sprecherin Pia Scholz äußert sich zufrieden über die Umstellung. Bis auf ein paar technische Feinheiten habe alles reibungslos funktioniert. Zum Beispiel gebe es in der VVS-App beim Betriebssystem Android noch Probleme, in der Fahrplanauskunft den richtigen Preis für das Einzeltagesticket anzuzeigen. „Das wird im Laufe des Tages behoben“, sagt Scholz. „Außerdem werden noch alle Automaten und Busdrucker überprüft.“ Aktuelle Zahlen zum Ticketverkauf gibt es erst Ende Mai. Ob sich viele ehemalige Dieselfahrer vom öffentlichen Nachverkehr haben überzeugen lassen, bleibt also abzuwarten.

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