Die Fahrten in den Linienbussen im Fellbacher Stadtgebiet werden voraussichtlich ab April deutlich günstiger. Foto: Patricia Sigerist

Zur Finanzierung des zum 1. April vorgesehenen Angebots müssen jedoch 200 000 Euro an den VVS Stuttgart bezahlt werden. Das kostenlose Samstagticket wird vom Verkehrsverbund abgelehnt – hat allerdings für die Adventszeit gewisse Chancen.

Fellbach - Immer wieder war von einem „Quantensprung“ die Rede, den der öffentliche Nahverkehr macht – und zwar durch das in der jüngsten Gemeinderatssitzung beschlossene neue Stadtticket Fellbach. Dieses Modell wurde zunächst in Ludwigsburg, anschließend in Esslingen und Herrenberg (der sogenannten „Modellstadt Saubere Luft“) in der Pilotphase erfolgreich abgeschlossen. Weitere 14 Städte der Region ziehen zum Jahreswechsel nach, den Finger gehoben haben zudem nochmals 20 Kommunen.

Der Verkauf etwa an Erwachsene hatte einen Spitzenwert im Jahr 2010 mit 25 800 Karten

Und nun soll dieses Angebot zum wegen des organisatorischen Vorlaufs frühestmöglichen Termin, nämlich zum 1. April 2020, auch in Fellbach verwirklicht werden. Das wesentliche Element der Konstruktion: Das Tagesticket mit beliebig vielen Fahrten innerhalb Fellbachs kostet pro Person drei Euro, als Gruppenticket (maximal fünf Leute) sind gar nur sechs Euro fällig.

Dieses Stadtticket gilt als eine Verbesserung des bereits vor zehn Jahren auf Anregung der SPD-Fraktion eingeführten Fellbach-Tickets. Dabei werden die Viererkarten für Busse und Stadtbahn bezuschusst – die Kosten für die Stadt lagen zuletzt, so die Information in der Sitzung, bei knapp 40 000 Euro. Allerdings ist das Interesse deutlich gesunken, erläuterte Martin Schugt, Teamleiter Tarif beim Verkehrsverbund Stuttgart, den Räten. Der Verkauf etwa an Erwachsene hatte einen Spitzenwert im Jahr 2010 mit 25 800 Karten, sank zuletzt aber von 15 000 Karten im Jahr 2016 weiter auf 12 770 im Jahr 2018. Als eine „Zugangshürde“ gilt nach seiner Einschätzung, dass es für das Fellbach-Ticket lediglich drei Vorverkaufsstellen im ganzen Stadtgebiet gibt.

Martin Schugt nannte zur besseren Orientierung einige Vergleichspreise

Dieses Manko wäre mit dem neuen Stadtticket behoben, das in Bussen, an Automaten, Verkaufsstellen oder per Handy gekauft werden kann. Die Experten vom Verkehrsverbund Stuttgart und auf dem Rathaus setzen jedenfalls darauf, dass das neue Stadtticket in Fellbach ähnliche Attraktivität wie in Ludwigsburg entfaltet. Dort steigerten sich die Verkaufszahlen seit der Einführung im August 2018 von anfänglich 16 000 pro Monat auf zuletzt 35 000 Tickets.

Martin Schugt nannte zur besseren Orientierung einige Vergleichspreise: Das Einzelticket pro Person in einer Zone (wie in Fellbach) kostet etwa bei Hin- und Rückfahrt aktuell jeweils 2,50 Euro, in der Summe also fünf Euro. Für ein Ein-Zonen-Tagesticket sind 5,20 Euro zu bezahlen, das Gruppen-Tagesticket kostet 10,40 Euro. Mit dem neuen Stadtticket wäre man also deutlich günstiger unterwegs. Ein weitere sehr interessante Zahl: Für Fellbach listet der VVS pro Jahr 1,2 Millionen sogenannte Binnenfahrten, also Fahrten im Stadtgebiet, auf.

In der Diskussion signalisierten die Fraktionen einhellig Zustimmung

Die schöne neue Welt des verbesserten Klimaschutzes und hoffentlich geringeren Verkehrsaufkommens ist freilich nicht umsonst zu bekommen. Denn die Mindereinnahmen, die der VVS durchs Stadtticket Fellbach verbuchen muss, betragen nach aktuellen Berechnungen 196 000 Euro im Jahr. Eine Summe, die nun von der Stadt zu finanzieren wäre.

In der Diskussion signalisierten die Fraktionen einhellig Zustimmung, und vor allem die SPD, die sich als Initiatorin sieht, war zufrieden. „Wir freuen uns, dass die Stadt unsere Vorschläge aufgegriffen hat und nun das Modell des Stadttickets für Fellbach umsetzen will“, erklärte Fraktionsvize Andreas Möhlmann.

Ebenfalls Zustimmung gab’s von CDU-Fraktionschefin Simone Lebherz. Und das, obgleich eine erst kürzlich gestartete ÖPNV-Initiative der Christdemokraten keine Chance hatte – nämlich das von ihnen beantragte kostenlose Samstagsticket im Stadtgebiet Fellbach. Denn der VVS sperrt sich vehement dagegen. Zwar könne man mit diesem kostenfreien Samstagsangebot zusätzliche Fahrgäste gewinnen, so die Verkehrsverbund-Vertreter, und womöglich wären dann mehr Einkäufer in Fellbach unterwegs und gäben hier ihr Geld aus – Stichwort Kaufkraftbindung.

Damit wurde die Vision kostenfreier Samstage allerdings nicht komplett abgeschmettert

Aber: Derartige kostenlose Angebote seien den Inhabern von Zeittickets – sozusagen den „Premium-Kunden des VVS – nicht vermittelbar. Laut Schugt wäre dies ein bedenkliches Signal: „Den ÖPNV gibt es zum Nulltarif“ und werde somit als „billiger Jakob“ eingestuft.

Damit wurde die Vision kostenfreier Samstage allerdings nicht komplett abgeschmettert. Denn der VVS kann sich durchaus Ausnahmeregelungen vorstellen – beispielsweise an den Adventssamstagen. Allerdings wäre auch hierfür ein Ausgleich durch die Stadt an den Verbund fällig – nämlich 2630 Euro pro Samstag. Etlichen Stadträten schwebt offenbar auch vor, dies etwa auf den Fellbacher-Herbst-Samstag oder auch auf verkaufsoffene Sonntage (Maikäferfest) auszuweiten. Dies wird aber wohl erst in etlichen Monaten diskutiert und entschieden.

Oberbürgermeisterin Gabriele Zulls trockener Kommentar: „Für diesen Fellbacher Herbst wird es jedenfalls etwas knapp.“

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