Priesterweihe in Freiburg – der katholischen Kirche fehlt theologischer Nachwuchs Foto: dpa

Sechs neue Priester werden in Stuttgart geweiht. Ein Ende des Priestermangels? Keineswegs. Doch die Verantwortlichen suchen nach neuen Modellen, den Beruf attraktiver zu machen.

Stuttgart - Der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst weiht an diesem Samstag im Stuttgarter Dom sechs Diakone zu Priestern. Das sind doppelt so viele wie im Vorjahr. Ein Ende des Priestermangels, nachdem 2016 nur ein einziger Diakon das Priesteramt angetreten hatte? Von einer Trendwende in der Diözese kann trotzdem nicht gesprochen werden. Nächstes Jahr wird es voraussichtlich nur zwei Neupriester in Württemberg geben. In den 1960er Jahren wurden jährlich noch zwischen 19 und 33 Priester geweiht. Seit Jahrzehnten werden mehr Priester pensioniert, als Neupriester nachkommen.

Um dem Mangel entgegenzuwirken, muss die katholische Kirche den Pfarrberuf attraktiver machen. „Das jetzige Priesterbild des zölibateren Mannes ist nicht mehr zeitgemäß und zerstört die Gemeinden“, sagt Christian Weisner, der Sprecher der Laienorganisation Wir sind Kirche. Weisner fordert zudem eine Aufteilung der Gemeindeleitung. Der Priester solle verstärkt für die Seelsorgearbeit eingesetzt werden und wieder mehr Zeit mit den Menschen in der Pfarrei verbringen können.

Mancherorts gibt es schon „XXL-Pfarreien“

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart gehört zu einer der wenigen in Deutschland, in denen eine Gemeindeleitung durch Laien möglich ist – durch Theologen, die nicht geweiht sind, sondern als Pastoralreferenten oder Gemeindereferenten arbeiten. Dies wird in den Dekanaten Heilbronn, Esslingen-Nürtingen und Freudenstadt praktiziert. Einen anderen Weg geht das Bistum Trier. Es plant bis 2020 die knapp 900 Pfarreien zu 35 sogenannten Großpfarreien zusammenzufassen. Derartige „XXL-Pfarreien“ sind in Württemberg nicht in Sicht. Doch in der Diözese Rottenburg wurden in den vergangenen Jahren bereits 1025 Kirchengemeinden zu 273 Seelsorgeeinheiten zusammengelegt. Im Unterschied zum Bistum Trier bleiben die Gemeinden hierbei jedoch selbstständig.

Obwohl die evangelische Kirche den Zölibat nicht kennt und Frauen zum Pfarramt zulässt, gibt es auch dort weniger theologischen Nachwuchs. Die jährlichen Zielzahlen von 40 bis 45 neuen Pfarrern pro Jahr würden derzeit noch erreicht, sagt Dan Peter, der Sprecher der evangelischen Kirche Württemberg. Dass demnächst die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen, wird aber auch die evangelische Kirche vor eine Herausforderung stellen.

Pfarrberuf muss attraktiver werden

Dan Peter ist überzeugt, dass auch der evangelische Pfarrberuf attraktiver werden muss. Die hohen Anforderungen des Theologiestudiums schreckten viele ab. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Pfarrer und Pfarrerinnen solle verbessert werden. Die evangelische Kirche will darüber hinaus mehr Spätberufene und Quereinsteiger für den Pfarrberuf gewinnen.

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