Wer in der Gastronomie arbeiten möchte, braucht Leidenschaft“, betont der Wettbewerbsgewinner Dario Geiger. Foto: Horst Rudel

Die Jungköche und die angehenden Restaurant- und Hotelfachkräfte aus dem Stauferkreis haben beim Prisecco-Pokal Konkurrenz durch Kolleginnen und Kollegen aus der Nachbarschaft bekommen.

Bad Überkingen - Selbst als die Siegerehrung vorbei ist, steht Dario Geiger noch unter Strom. „Es ist nicht alles perfekt gelaufen. Ich dachte nicht, dass das reicht“, sprudelt es aus ihm heraus. Der 25-Jährige, der im Salacher Burgrestaurant Staufeneck sein drittes Lehrjahr als Koch absolviert, hat soeben den Prisecco-Pokal des Göppinger Kochvereins gewonnen. Der Nachwuchswettbewerb, den es seit mehr als 20 Jahren gibt, fand wieder einmal an der Landesberufsschule für das Hotel- und Gaststättengewerbe in Bad Überkingen statt, kombiniert mit dem Service-Pokal, den der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) an angehende Restaurant- und Hotelfachleute vergibt.

In dieser Konkurrenz wusste Salvatore Torchia die gestrenge Jury am meisten zu überzeugen. Der 20-Jährige, der im Stausee-Hotel Reutlingen im dritten Jahr zum Restaurantfachmann ausgebildet wird, entführte den Sieg damit erstmals aus dem Landkreis Göppingen. Einig sind sich die beiden Sieger, „dass es zwar sehr anstrengend, aber eben auch sehr erfüllend ist, in der Gastronomie tätig zu sein“. Wer in diesem Bereich arbeiten wolle, brauche daher ein ordentliche Leidenschaft, erklären Geiger und Torchia nahezu wortgleich.

Organisatoren sehen Vorteile durch die Ausweitung

Dieser Umstand ist nicht zuletzt ein Grund dafür, dass der Kochverein und der Dehoga die Wettbewerbe immer weiter öffnen. Aus dem Raum Esslingen waren bereits in der Vergangenheit immer wieder einmal Teilnehmer mit von der Partie. Heuer gingen die Ausschreibungen aber auch nach Stuttgart, nach Ulm, Reutlingen und in den Ostalbkreis. Außerdem lagen die Anmeldungen an der Bad Überkinger Fachschule aus. Dass die Ausbildungszahlen in der Branche sinken, ist kein neues Phänomen. „Wir hatten vor zehn Jahren rund 10 000 Azubis in der Branche, aktuell sind es nur noch gut 6000“, betont Martin Bosch, der Vorsitzende der Fachgruppe Berufsbildung im Dehoga-Landesverband.

Umso wichtiger seien deshalb solche Wettbewerbe, von denen es im Übrigen nicht mehr allzu viele gebe, fügt er hinzu. „Das sorgt zum einen für eine zusätzliche Motivation bei denen, die mitmachen, und ist obendrein eine perfekte Vorbereitung auf die anstehenden Prüfungen“, ergänzt Bosch. Bernd Walter, der Vorsitzende des Kochvereins, sieht in der Ausweitung des Prisecco-Pokal ebenfalls einen Vorteil: „Das bereichert die Angelegenheit ungemein und sorgt dafür, dass sich wirklich die Besten miteinander messen können.“ Die Rückmeldungen auswärtiger Betriebe seien jedenfalls positiv, sagt er.

Burg Staufeneck dreimal auf dem Treppchen

Für den praktischen Teil des Wettbewerbs konnten sich mit Patrick Jüngert von der Traube Tonbach in Baiersbronn und Simion Videcius vom Hotel-Restaurant Rößle in Dettingen/Erms gleich zwei Gäste in Bad Überkingen qualifizieren. Das Titelrennen machten gleich drei Kollegen vom Staufeneck unter sich aus. Auf Dario Geiger folgten Fabian Wolff und Jonathan Gangnus. Im Servicebereich landete Nelly Grüninger vom Hirsch in Sonnenbühl auf Rang zwei, gefolgt von Natascha Eckert vom Seminaris-Hotel in Bad Boll.

Dass es zunehmend schwieriger wird, genügend gastronomischen Nachwuchs zu finden, spüren auch die Betriebe im Stauferkreis. Isabell Wehinger, die bei der Göppinger IHK Bezirkskammer für den Bereich Fachkräftegewinnung und -sicherung zuständig ist, stellt bei einem Blick auf die aktuellen Zahlen allerdings fest, dass dieses Problem anderswo deutlich größer ist. Während in der Region Stuttgart die Lehrlingszahlen in der Gastronomie seit drei Jahren um insgesamt 15 Prozent gesunken sind, zeigt sich der Kreis Göppingen mit jeweils rund 50 Auszubildenden im Koch-, Restaurant- und Hotelgewerbe weitgehend konstant. „Dass wir eine toll funktionierende Fachschule in Bad Überkingen haben und womöglich auch das Bestehen des Prisecco-Pokals helfen uns dabei offensichtlich“, vermutet Wehinger.

Lecker gegessen, gut bedient

Die Gäste beim Prisecco-Pokal wurden in Bad Überkingen wieder verwöhnt. Die Vorspeise unter dem Stichwort „The Taste“ bestand aus drei „kreativen Löffeln“, für die unter anderem die Zutaten Perlhuhn und Jakobsmuschel verwendet werden mussten. Ein anderer Löffel war rein vegetarisch anzurichten. Zum Hauptgang war eine Keule vom Alblamm, Süßkartoffeln und Auberginen vorgegeben. Das Dessert musste Mango, Tonkabohnen und weiße Kuvertüre enthalten. Der Sonderpreis für den besten Nachtisch ging an Katharina Rauscher vom Salacher Burgrestaurant Staufeneck. Ihr Azubi-Kollege Dario Geiger darf als Gesamtsieger beim Landeswettbewerb antreten. Für die Köche galt es, zeitgerecht fertig zu werden sowie geschmacklich natürlich, optisch ansprechend und sauber zu arbeiten. Bewertet wurde auch der Umgang mit den Lebensmitteln.

Bei den Kellnerinnen und Kellnern wurden nicht nur deren Freundlichkeit und Aufmerksamkeit den Gästen gegenüber begutachtet. Die Servicekräfte hatten zuvor auch ihren jeweiligen Tisch passend einzudecken und mussten ein klassischen Cocktail mixen. Für den Pokalgewinner Salvatore Torchia steht als nächste Herausforderung die Abschlussprüfung an.

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