Polizisten hatten das Löwenjunge nach einem Auffahrunfall auf der Autobahn 5 bei Kronau in einem der beteiligten Fahrzeuge gefunden. Foto: dpa/Reptilium Landau

Das weiße Löwenbaby, das nach einem Auffahrunfall auf der Autobahn 5 gefunden wurde, soll von Landau nach Spanien kommen. Löwin „Lea“ muss somit quer durch Europa gefahren werden – Tierschützer kritisieren die Entscheidung und den Wildtierhandel scharf.

Stuttgart - Polizisten finden nach einem Unfall auf der Autobahn 5 in einem Wagen ein weißes Löwenjunge. Das erst wenige Woche alte Raubtier kommt im Reptilienzoo in Landau unter, Pfleger nennen es „Lea“ – nun soll das Tier nach Spanien. Das Tier soll in Barcelona in einer zooähnlichen Einrichtung untergebracht werden, teilte die Kreisverwaltung in Landau mit. Doch es gibt große Kritik an der Entscheidung. Die Tierschützer der Stiftung „Vier Pfoten“ haben nach eigenen Angaben mehrfach der Polizei und dem Veterinäramt angeboten, Lea in eines ihrer artgemäßen Tierschutzzentren zu bringen.

Wildtierexperten und Tierärzte hätten dort das seltene Tier mit dem weißen Fell betreut. „Die Entscheidung der deutschen Behörden ist für uns mehr als enttäuschend. Es ist unverständlich, dass eine seltene Großkatze, noch dazu viel zu jung, ohne Konsequenzen in völlig ungeeigneten Bedingungen quer durch die EU transportiert wird“, so Ioana Dungler, Leiterin des Wildtierbereichs, in einer Mitteilung.

Kritik am Wildtierhandel in Europa

Die Tierschützer weisen darauf hin, dass das weiß rezessive Gen bei Löwen in Gefangenschaft selektiv gezüchtet werde, Gesundheitsprobleme seien nicht auszuschließen. Später werde das Tier dann zu einem höheren Preis in Zirkusse oder an private Kunden verkauft. Ioana Dungler: „Wir machen uns auch Sorgen darüber, was mit der Löwin passiert, wenn sie nicht mehr so klein und niedlich ist. Lea wird nämlich bald zu einem mehrere hundert Kilo schweren, gefährlichen Raubtier heranwachsen.“ Die Tierschützer fordern, dass die Löwin in einer Einrichtung mit hohen Tierschutzstandards unterkommen müsse.

Gleichzeitig wollen sie auf ein weiteres Problem aufmerksam machen, für den der Fall des Löwenbabys exemplarisch ist. Der Wildtierhandel in Europa ist laut den Tierschützern außer und ohne Kontrolle.

Tierschützerin Dungler: „Die meisten EU-Mitgliedsstaaten haben keine zentralen Register. Offizielle Papiere können problemlos gefälscht werden oder Jungtiere werden erst gar nicht aufgezeichnet. Großkatzen werden als Ware angesehen und für Zucht, Handel und Ausbeutung herumgereicht.“ Sie möchten ein EU-weites Verbot des Handels mit in Gefangenschaft gehaltenen Großkatzen.

Ob das Löwenbaby tatsächlich nach Spanien kommt, ist noch nicht ganz sicher. Es stehe noch die Zustimmung der spanischen Behörden vor Ort aus. Polizisten hatten das Löwenbaby nach einem Auffahrunfall Anfang September auf der A5 zwischen Mannheim und Karlsruhe in einem der beteiligten Fahrzeuge gefunden. Bei dem Unfall entkam zudem ein Nashornvogel, der zwei Tage später eingefangen wurde. Die Löwin und der Vogel kamen in einem Reptilienzoo in Landau unter. Die Pfleger gaben dem Raubtier den Namen Lea.

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