Einschussloch im Fenster Foto: /Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg

Offenbar handelt es sich bei den Schüssen auf eine Shisha-Bar in Stuttgart-Hedelfingen nicht um einen Anschlag von Rechtsextremen. Möglicherweise liegt der Hintergrund für die Tat vom Wochenende im Milieu rivalisierender Gruppen.

Stuttgart - Die Polizei hat neue Hinweise im Fall der in der Nacht zum Samstag auf einen Gebäudekomplex an der Otto-Hirsch-Brücken-Straße abgegebenen Schüsse. Zunächst war befürchtet worden, dass der Anschlag ein fremdenfeindliches Motiv haben könnte wie bei dem Anschlag von Hanau, wo ein Mann in zwei Shisha-Bars neun Gäste erschossen hat. Die Polizei vermutet im Fall von Hedelfingen aber eher einen anderen Hintergrund, der in Richtung rivalisierender Banden weisen könnte: „Wir gehen bisher nicht von einem rechtsextremistischen Hintergrund aus“, sagt Stephan Widmann von der Stuttgarter Polizei.

Nach dem bisherigen Stand der kriminalpolizeilichen Ermittlungen fielen die Schüsse von Hedelfingen bereits gegen Mitternacht, als die Shisha-Bar noch geöffnet war. Zwei Zeugen verließen zu diesem Zeitpunkt das Lokal. Sie erklärten der Polizei, dass sie Schüsse wahrgenommen hätten. Sie hätten dann weitere Anwesende gebeten, die Polizei zu alarmieren. Die angesprochenen Personen hätten dies zugesagt, erklärten sie. Die Polizei untersucht nun, warum die Alarmierung aber erst am Nachmittag erfolgte.

Neue Zeugenaussagen

Die Zeugen beschrieben auch die mutmaßlichen Täter: Sie sollen von einer gegenüberliegenden Bushaltestelle mehrfach in Richtung des Gebäudes geschossen haben. Das bestätigt die Polizei: Es seien mehrere Einschüsse in dem Gebäudekomplex entdeckt worden. Einer der beiden Täter soll etwas in einer ausländischen Sprache gerufen haben. Laut den Zeugen habe es sich bei den Tatverdächtigen um zwei dunkel gekleidete Männer gehandelt. Sie hatten sich Kapuzen über den Kopf gezogen, sind 1,70 bis 1,80 Meter groß und nicht älter als 30. Die beiden sollen mit einem dunklen Fahrzeug geflüchtet sein. Ein weiteres dunkles Fahrzeug mit dem Teilkennzeichen EU fiel laut Polizei auf. Ob es mit der Tat in Zusammenhang steht, ist Gegenstand der Untersuchungen der sechsköpfigen Ermittlungsgruppe, so die Polizei. Eine Sonderkommission wurde gebildet, an der neben dem Staatsschutz auch Spezialisten für Tötungsdelikte und organisierte Kriminalität mitwirken. Die Kriminalpolizei bittet weitere Zeugen, sich unter 0711/ 89 90-57 78 zu melden.

Wie aus Ermittlerkreisen verlautet, kann in dem Hedelfinger Fall ein Zusammenhang mit jüngsten Fällen in Plochingen und Nürtingen im Kreis Esslingen nicht ausgeschlossen werden. Noch schreckt die Polizei davor zurück, von einem Bandenkrieg zu sprechen. Allerdings weisen die jüngsten Auseinandersetzungen in Nürtingen und Plochingen, bei denen vier junge Männer verletzt worden waren, Parallelen zu den brutalen Auseinandersetzungen auf, die sich vor rund acht Jahren die verfeindeten rockerähnlichen Banden Black Jackets und Red Legion geliefert haben. Als Konsequenz daraus war Red Legion im Jahr 2013 verboten worden.

Handelt es sich um einen Racheakt?

Die Sorge, dass sich eine solche Auseinandersetzung wiederholen könnte, ist groß: Die Ermittlungsgruppe der Polizeidirektion Reutlingen, die sich um die Vorfälle in Nürtingen und Plochingen kümmert, ist in der vorigen Woche von 16 auf 20 Beamte aufgestockt worden. Ein Polizeisprecher bestätigte unserer Zeitung, dass es sich „um Gruppen handelt, zwischen denen ein Konflikt schwebt“. Nicht auszuschließen sei, dass es zwischen den Beteiligten offene Rechnungen zu begleichen gebe. Geprüft wird auch, ob der Überfall am 13. Februar in Plochingen ein Racheakt für den Streit in Nürtingen am 8. Februar gewesen sein könnte.

Gerüchte besagen nun, dass es sich bei einer der beteiligten Gruppen um eine Red-Legion-Nachfolgegruppe mit dem Namen Team Red handele. Das will weder die Polizei, noch die Staatsanwaltschaft kommentieren. Erschwerend kommt hinzu, dass keiner der Verletzten bereit ist, sich zu den Vorfällen zu äußern.

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