An der Unfallstelle erinnert der Nikolas an seine Kollegen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Wolfgang Kimmig-Liebe ist Nikolaus – und von Januar bis Oktober Sicherheitsmann im Ufa-Palast. Dort hat er mit den Opfern des Raserunfalls an der Rosensteinstraße zusammengearbeitet.

Stuttgart - Der Nikolaus ist nicht nur heute hier, morgen dort. Sondern scheinbar auch überall gleichzeitig. Das gilt sowohl für die zahlreichen Kopien, die in Supermärkten für super Laune bei den Kindern sorgen sollen, als auch für den einzig echten Nikolaus. Der heißt Wolfgang Kimmig-Liebe, kommt aus Böblingen, und ist in der Tat aktuell viel unterwegs. Da fragt man sich, wie rasend schnell er sich wohl fortbewegt.

Doch gegen das Rasen hat der Mann unter der Kutte und hinter dem Bart etwas. Nicht nur, weil er es schon immer für eine falsche Art der Fortbewegung im Kraftfahrzeug hält. Sondern auch, weil er zwei liebe Kollegen verloren hat, die bei einem Raserunfall ums Leben kamen. Wolfgang Kimmig-Liebe kannte von seinem Job im Ufa-Palast am Nordbahnhof die 22-jährige Jaqueline und den 25 Jahre alten Riccardo, die am 6. März beim Raserunfall mit einem gemieteten Jaguar vor dem Kino ums Leben kamen.

Die Kinomitarbeiter trauern um ihre Kollegen

Wenn er nicht im Nikolaus-Outfit steckt, arbeitet Wolfgang Kimmig-Liebe als Sicherheitsmann. Unter anderem im Personenschutz, aber eben auch im Ufa-Palast. Einen Tag vor dem Unfall war er noch dort. Die Sicherheitsleute sind die letzten, die nach dem Ende der Vorstellung das Haus verlassen. Dann schalten sie die Alarmanlage scharf, zusammen mit dem Theaterleiter – das war der getötete Riccardo, der zur Bedingung für den Wechsel nach Stuttgart gemacht hat, dass seine geliebte Jaqui auch einen Job im Kino bekommt. „Sie waren immer offen, fröhlich und nett“, erinnert sich Kimmig-Liebe. Die Trauer der Kinomitarbeiter sei groß, über Monate habe man viel über den Unfall gesprochen.

Deswegen hat Wolfgang Kimmig-Liebe sich nun mahnend an die Rosensteinstraße gestellt. „Hier rasen so viele, das weiß ich, weil ich es ja nachts sehe, wenn ich aus dem Kino komm“, sagt er. Da wollte er zum Nikolaustag etwas Gutes tun. Statt Schokolade und Lebkuchen schenkt er den Menschen eine Anregung: „Fuß vom Gas“ heißt diese. „Und es wirkt schon, sehen Sie?“, sagt er, als ein Autofahrer langsam wird angesichts der Gestalt mit Mitra und Bischofsstab. Eine Stunde lang steht er an der Unfallstelle. Dort, wo die Eltern einen Gedenkstein für ihre Kinder niedergelegt haben.

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