Ein Ausschnitt des Werbebanners auf der Website der Deutschen Bahn mit Sternekoch Nelson Müller (l.) und Moderatorin Nazan Eckes (r.) Foto: Bahn

Die Deutsche Bahn hat die Kritik des Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer an einer einseitigen Auswahl ihrer Werbeträger zurückgewiesen – und erklärt, warum sie auf Ex-Rennfahrer Nico Rosberg, Sternekoch Nelson Müller und Moderatorin Nazan Eckes setzt.

Stuttgart - Es war wohl eine Provokation mit Ansage, die Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer am Dienstag auf Facebook verschickte und die mit „Der Shitstorm wird nicht vermeidbar sein“ begann. „Und dennoch: Ich finde es nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien die ,Deutsche Bahn’ die Personen auf dieser Eingangsseite ausgewählt hat. Welche Gesellschaft soll das abbilden?“, fragte Palmer weiter.

Gemeint waren fünf so genannte Testimonials, also Personen, die für möglichst glaubwürdige Werbebotschaften stehen: Ex-Rennfahrer Nico Rosberg, Sternekoch Nelson Müller, Moderatorin Nazan Eckes sowie zwei nicht-prominente Werbereisende. Vier von ihnen mit nicht weißer Hautfarbe. Die Kriterien beschreibt die Bahn in ihrem Internetforum so: „Als deutsche Fernsehmoderatorin und Mutter zweier Kinder steht Nazan Eckes sowohl für Entertainment, als auch für Familie. Beides Eigenschaften, die auch für die Deutsche Bahn von hoher Wichtigkeit sind.“ Über Müller heißt es: „Nelson Müller ist ein kompetenter und erfolgreicher deutscher Gastronom. Er steht für gutes, qualitatives Essen und kann damit die neue Bordgastronomie sowie den neuen Service in den Zügen der Deutschen Bahn glaubwürdig präsentieren.“

„Wir schauen nicht nach der Hautfarbe“

Die Deutsche Bahn reagierte befremdet auf die Aussagen Palmers. Eine Sprecherin betonte am Mittwoch, dass man bei den Testimonials „nicht nach der Hautfarbe“ schaue, sondern nach „positiven und repräsentativen Botschaftern unserer Produktthemen“. Die Kunden und Mitarbeiter der Deutschen Bahn kämen aus mehr als 100 Nationen und seien ein „Querschnitt“ der Gesellschaft. „Wir stehen für Vielfalt. Dass wir jetzt diese fünf Personen oben auf unserer Startseite haben, darüber wollen wir nicht einmal nachdenken.“

In einem späteren Facebook-Eintrag entschuldigte sich Palmer bei Nelson Müller dafür, dass er ihn auf dem Werbebanner der Bahn zunächst nicht erkannt hatte. Zudem entschuldigte er sich dafür, „dass Sie den Eindruck gewonnen haben, ich würde mich daran stören, dass Sie für die Deutsche Bahn Werbung machen oder Ihnen gar absprechen, dass Sie zu unserem Land gehören so wie ich“. Das Gegenteil sei der Fall, so Palmer. „Ich fühle mich als Schwabe wie Sie und mache da keinen Unterschied bei Herkunft oder Hautfarbe.“ Müller ist in der Region Stuttgart aufgewachsen und ließ sich in Stuttgart zum Koch ausbilden.

Der Gastronom hatte sich zuvor bestürzt darüber gezeigt, „dass ein Mensch in so einer verantwortlichen Position diese Diskussion erneut auf so eine negative Art und Weise anfeuert“. Auf Instagram schrieb Müller, er sehe sich persönlich diskriminiert. Er habe nie das Gefühl gehabt, dass er etwas anderes sei als seine Mitmenschen in seiner Heimat Deutschland. Er fühle sich als Schwabe. „Die Frage ist doch, wie die Menschen in den Augen von Herr Boris Palmer aussehen sollten“, so Müller.

Auf der Startseite der Deutschen Bahn finden sich etwas weiter unten zahlreiche weitere Werbe-Abbildungen, bei denen es sich nicht um Prominente handelt. Sie entsprechen eher denen, die man meist aus der klassischen Werbung kennt: weiße Haut, blonde und brünette Haare.

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