Bürkis Bauchlandung leitet die Niederlage ein. Foto: Baumann

Die Mannschaft hadert mit ihren Abwehrpatzern, die Fans murren und die Clubführung geht in der Trainerfrage auf Tauchstation. Borussia Dortmund steht vor schweren Zeiten.

Stuttgart/Dortmund - Die Spieler in ihren gelben Trikots umschifften das böse K-Wort wie ein guter Kapitän die Klippen auf rauer See. So blieb es dem Gegner vorbehalten, das auszusprechen, was ohnehin jedem klar war. „Borussia Dortmund befindet sich in der Krise“, sagte der Stuttgarter Torhüter Ron-Robert Zieler, nachdem er mit dem VfB Stuttgart beim 2:1 dem großen BVB die nächste empfindliche Niederlage zugeführt hatte.

Der Champions-League-Teilnehmer ist vor den Duellen mit Tottenham Hotspur (Dienstag, 20.45 Uhr) und am Samstag mit dem FC Schalke 04 mächtig in Schieflage geraten. Der tolle Saisonstart wurde binnen fünf Wochen mit nur einem Punkt aus der Bundesliga und zwei peinlichen Champions-League-Auftritten gegen Nikosia zunichte gemacht. Die Mannschaft hadert, die Fans murren, die Clubführung schweigt. Was ist nur los in Dortmund?

„Sah einfach Scheiße aus“

Die zweifelsohne vorhandene Selbstkritik der Spieler zielte auf die sich ständig wiederholenden Aussetzer in der Defensive. Gegen den VfB ging dem 0:1 eine Co-Produktion von Abwehrspieler Marc Bartra und Torhüter Roman Bürki voraus. Julian Weigl brachte es auf den Punkt: „Das sah einfach Scheiße aus.“ Beim 1:2 genügte ein langer Ball, um die Hintermannschaft ins Verderben zu stürzen. „Wenn man so einfache Tore bekommt, wird es schwer zu gewinnen“, murrte Trainer Peter Bosz. Da half es auch wenig, dass die Schwarz-Gelben in der ersten Halbzeit ein gutes Spiel ablieferten und der VfB sich nicht hätte beschweren dürfen, mit einem (deutlichen) Rückstand in die Pause zu gehen. Umso unverständlicher, dass beim BVB nach dem Wechsel auch nach vorne nicht mehr viel zusammenlief.

Kapitän Marcel Schmelzerbemühte sich hinterher um Besonnenheit. „Es bringt jetzt nichts, wenn wir uns die Köpfe einschlagen.“ Dabei rumort es im und um den BVB gewaltig. Die Fans sehen in Trainer Bosz einen der Hauptschuldigen der Misere. Sein starres Festhalten an nur einem (offensiven) Spielsystem möge in der holländischen Liga ausreichen, nicht aber in der Bundesliga. Eine These, der zumindest die Mannschaft noch widerspricht. „Die Trainerfrage stellt sich nicht“, betonte Kapitän Schmelzer. „Nicht er macht die Fehler, sondern wir.“

Wie geht es weiter mit Aubameyang?

Dass das Verhalten von Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang indes ein Fehler war, darauf konnten sich alle einigen. Weil er zum wiederholten Male zu spät zum Training erschienen war und die Club-Bosse obendrein mit einem privaten Werbe-Dreh auf dem Trainingsgelände provozierte, flog er für das VfB-Spiel aus dem Kader. „Du musst auch mal was sanktionieren. Das ist wie in einer Familie, irgendwann musst du Stopp sagen. Aber er ist unser Spieler und bleibt unser Spieler,“ teilte Hans-Joachim Watzke am Sonntag mit.

Der Club-Chef gerät selbst mehr und mehr in die Schusslinie. Chefscout Sven Mislintat zieht es nach internen Differenzen nach England zum FC Arsenal. Und nach der krachenden Trennung von Thomas Tuchel steht Watzke mit der Verpflichtung von Bosz höchstselbst in der Verantwortung. Scheitert der Niederländer, geht das auch mit dem 58-Jährigen einher.

Am Freitag nannte Watzke Peter Bosz noch einen „überragenden Trainer“. Das war vor dem Spiel. Hinterher verabschiedete sich der Vorsitzende wortlos.

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