Das Krankenhaus Herrenberg verzichtet auf juristische Schritte. Foto: factum/Weise

Der Klinikverbund leitet keine juristischen Schritte gegen einen Qualitätsbericht ein, der dem Herrenberger Krankenhaus den Stempel „unzureichend“ aufgedrückt hatte.

Herrenberg - Vor zwei Monaten sprach Jörg Noetzel noch von Rufschädigung. Mittlerweile hat sich die Aufregung um eine schlechte Bewertung der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Herrenberger Krankenhausesgelegt. Der Klinikverbund Südwest wird keine rechtlichen Schritte gegen das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen einleiten. Es hatte im Herbst seinen ersten bundesweit erhobenen Qualitätsbericht veröffentlicht. Das Herrenberger Krankenhaus hatte darin das Urteil „unzureichend“ erhalten. Dabei hatten die Ärzte gar keine schlechte Leistung erbracht, sondern ganz im Gegenteil einer Mutter und ihrem Baby das Leben gerettet. Weil alles schnell gehen musste, war direkt bei der Geburt jedoch kein Kinderarzt anwesend, was zur negativen Note führte.

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„Eine juristische Schlacht wäre das falsche Signal“, sagt der medizinische Geschäftsführer. „Das erweckt den Eindruck, wir wollten etwas verbergen.“ Zumal der Bericht offensichtlich keine Wirkung gezeigt habe. Werdende Mütter sind jedenfalls nicht in Scharen in andere Krankenhäuser abgewandert: Die Zahl der Geburten war im vergangenen Jahr mit 1391 nur um sieben geringer als im Jahr 2017. Außerdem seien viele positive Zuschriften nach der Veröffentlichung der Untersuchung an das Krankenhaus geschickt worden, berichtet er. „Alles richtig gemacht“, lauteten sie oder: „Mut in kritischen Situationen wird bestraft.“

Ärzte hatten versäumt, eine Erklärung abzugeben

Hinzukommt, dass die Klinik ihren Teil zu der negativen Bewertung beigetragen hat. Die Ärzte hätten eine Erklärung zu dem Fall abgeben können, hatten aber aufgrund technischer Probleme die Frist dafür verpasst. „Es ist von beiden Seiten nicht optimal gelaufen“, räumt Jörg Noetzel ein. Der Klinikverbund halte es grundsätzlich auch für sinnvoll, dass es ein solches Institut gebe, und unterstütze das Bemühen um Qualität in den deutschen Krankenhäusern. „Herrenberg hat kein Problem mit der Qualität“, fügt er an. Und der Klinikverbund habe ein ausgezeichnetes Konzept für Frühgeburten. Normalerweise werden Risikogeburten an die Kinderklinik in Böblingen weitergeleitet. Wenn dafür keine Zeit mehr ist, kommt der Kinderarzt entweder mit Blaulicht in die anderen Krankenhäuser gefahren oder mit dem Hubschrauber angeflogen. In dem Fall aus dem Jahr 2017 war er 13 Minuten nach dem Notkaiserschnitt, der nur zehn Minuten gedauert hatte, in Herrenberg.

„Es ergibt keinen Sinn nach hinten zu schauen“, findet Jörg Noetzel. „Wir schauen nach vorne.“ Der Klinikverbund wird Konsequenzen aus der Geschichte ziehen: Eine halbe Stelle wird im Bereich Klinikcontrolling allein dafür geschaffen, um die Daten für die Qualitätskontrolle zentral zu sammeln und fristgerecht einzuspeisen. Vorher waren die betroffenen Abteilungen dafür zuständig. Der Aufwand dafür nehme ständig zu, sagt Jörg Noetzel: Der Klinikverbund muss für 26 weitere Qualitätssicherungsverfahren zu Themen wie Gallenblasen-Operationen oder Brustchirurgie im Jahr rund 10 000 Meldebogen abgeben. „Wir müssen damit umgehen, das sind wir den Patienten schuldig“, sagt er.

Wie es mit dem Bericht des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen weitergeht, ist noch offen. Für dieses Jahr sei geplant gewesen, nicht mehr nur Parameter aus der Frauenheilkunde und der Geburtshilfe abzufragen, sondern auch die Allgemeinchirurgie zu beleuchten. Das gesamte Verfahren sowie die Darstellung der Ergebnisse sollten nun aber zunächst überprüft und überarbeitet werden, berichtet Jörg Noetzel. Einen entsprechenden Antrag hat der Gemeinsame Bundesausschuss auf Betreiben der Deutschen Krankenhausgesellschaft Ende Dezember beschlossen.

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