Wenn Eichhörnchen Menschen ganz nahe kommen, suchen sie Hilfe. (Symbolbild) Foto: dpa/Carsten Rehder

Wenn ein Eichhörnchen plötzlich die Nähe von Menschen sucht, befindet es sich zumeist in einer verzweifelten Lage. Was man in einem solchen Fall tun kann und wen man rufen sollte, erfahren Sie hier.

Möglingen/Stuttgart - Diese Geschichte war an Kuriosität kaum zu überbieten: Am Wochenende meldete sich eine Frau aus Möglingen bei der Ludwigsburger Polizei, weil die Nachbarschaft von einem äußerst aggressiven Eichhörnchen regelrecht terrorisiert werde (wir berichteten). Doch was sich zunächst wie eine skurril-witzige Meldung anhört, hat einen traurigen Hintergrund.

Wie Stefanie Belka, Medienbeauftragte des Vereins „Eichhörnchen Schutz e.V.“ erklärt, handelt der Nager offensichtlich in purer Verzweiflung. „Ich kenne den vorliegenden Fall zwar nicht“, gibt die Expertin zu verstehen, „doch wenn ein Eichhörnchen, das ja als sehr scheues Tier bekannt ist, plötzlich den Menschen so nahekommt, hat es einen guten Grund“.

In dem Möglinger Fall handele es sich wahrscheinlich um ein Jungtier, das womöglich seine Mutter verloren hat und im Begriff ist, ohne Hilfe zu verhungern. „Denn eine Sache haben die Eichhörnchen als Alleinstellungsmerkmal in der hiesigen Tierwelt: Sie suchen in einer verzweifelten Lage – beispielsweise bei extremem Hunger – aktiv die Hilfe der Menschen“ erklärt Stefanie Belka, „also können wir davon ausgehen, dass besagtes Eichhörnchen keineswegs in aggressiver Weise Menschen angreift und gar terrorisiert – nein, es sucht nur nach Hilfe“.

Keine Angst haben, sondern Geborgenheit vermitteln

Was kann man also tun, wenn einem ein Eichhörnchen in einer solchen Weise entgegenkommt?

Angst sei in jedem Fall der falsche Ratgeber, denn prinzipiell seien diese Tiere ungefährlich für Menschen. So sei beispielsweise noch kein Fall dokumentiert, in dem Eichhörnchen Tollwut auf den Menschen übertragen. „Sie sollten Ruhe bewahren und versuchen, das Tier zu sich hoch zu nehmen, es beispielsweise in eine Decke einwickeln, ihm Geborgenheit geben, wie Sie es auch mit einem Kätzchen tun würden“, rät die Eichhörnchen-Expertin.

Dabei rät sie davon ab, es zu füttern. „Handelt es sich tatsächlich um ein Jungtier, hat es nur vier Zähne, kann also schlecht kauen. Eine falsche Fütterung würde zu gesundheitlichen Problemen im Magen-Darm-Trakt des Nagers führen“, warnt Stefanie Belka. Vielmehr sei es ratsam, sich mit dem Experten in Verbindung zu setzen.

Der Verein „Eichhörnchen Schutz e.V.“ ist beispielsweise in ganz Deutschland vernetzt und kann in einem solchen Fall weiterhelfen. Im Raum Stuttgart kümmert sich die Eichhörnchenhilfe Stuttgart um die Nager in Not und sorgt dafür, dass sie wieder aufgepäppelt werden.

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