Cem Özdemir hat sich ein Bild von der Lage in Stuttgart gemacht. (Archivbild) Foto: dpa/Christoph Schmidt

Angespannte Stimmung nach den Krawallen in Stuttgart: Grünen-Politiker Cem Özdemir wird während eines Interviews von einem Passanten unterbrochen – er hält seinen Zorn daraufhin nicht zurück.

Stuttgart - Nach einem verbalen Ausrutscher gegenüber einem Passanten in Stuttgart hat sich der frühere Grünen-Chef Cem Özdemir für seine Wortwahl entschuldigt. Der Grünen-Politiker hatte nach der Randale in der Stuttgarter Innenstadt am Sonntag ein Interview für ein Fernsehteam der Welt gegeben. Dabei kam es zu einem kurzen, aber hitzigen Wortwechsel mit einem Passanten, über den die Welt berichtet.

In dem Video steht Özdemir mit Schutzmaske in der Innenstadt und sagt, es sei kein Anlass zur Entwarnung, dass die Krawalle offenbar keinen politischen Hintergrund hätten. „Im Gegenteil“, sagt er, „das macht’s eher schwieriger. Denn bei einem politischen Hintergrund ist klar, wohin man ermittelt.“

Plötzlich wird der Grünen-Politiker von einem Fußgänger unterbrochen: „Die Polizeidiktatur ist schuld!“ Daraufhin platzt Özdemir die Hutschnur: „Halten Sie bitte die Fresse, danke, ich rede gerade.“ Der Mann ruft zurück: „Ja, Fresse!“ Özdemir wiederholt: „Ich rede gerade. Wir sind hier in Deutschland, ich rede gerade, bitte Maul halten.“

Özdemir entschuldigt sich für Wortwahl

Später entschuldigt sich Özdemir im Kurznachrichtendienst Twitter für seine Wortwahl: „Immerhin habe ich „bitte“ gesagt... Aber im Ernst, ‚Fresse’ hätte mir nicht rausrutschen dürfen“, schrieb Özdemir am Montag. Der Politiker fügte hinzu; „Auch wenn ich der Überzeugung bin, dass wir nicht in einer Polizeidikatur leben, hätte ich andere Worte wählen müssen.“

Özdemir sorgt sich um den Ruf der Stadt. Man müsse aufpassen, dass Stuttgart keine Anziehungskraft für Randalierer dieser Art entwickele, sagte der aus dem schwäbischen Bad Urach stammende Özdemir am Montag in einem SWR-Interview.

Bei politischen Extremisten gebe es Strukturen und Netzwerke, die zerschlagen werden könnten. «Was machen Sie bei Leuten, die alkoholisiert sind, möglicherweise Drogen zu sich genommen haben, und möglichst viel Schaden anrichten wollen?», fragte Özdemir. «Da ist das mit Netzwerk zerschlagen nicht so einfach getan.»

Club- und Ladenbesitzer hätten ihm zudem berichtet, es habe bereits am Wochenende vereinzelt Proteste und Unruhen gegeben: „Da hat sich offensichtlich etwas zusammengebraut“, sagte der Grünen-Politiker. Er brachte stärkere verdeckte Ermittlungen ins Spiel: „Wenn die Polizei mit dem Martinshorn kommt, ist es oft schon zu spät. Dann sind die Rädelsführer weg und verstecken sich im Schutz der Passanten“, sagte Özdemir. Nach seiner Einschätzung ist das Argument, die Jugendlichen seien durch die coronabedingten Clubschließungen gelangweilt, zu „unterkomplex“. Auch Clubgänger fühlten sich „von diesen Leuten bedroht“.

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