Bei Kontrollen zieht die Polizei etliche illegal umgebaute Autos aus dem Verkehr. Foto: dpa

Die Experten der Verkehrspolizei in Stuttgart haben einen Blick für Autos, die extrem umgebaut wurden. Eine ganze Reihe dieser Fahrzeuge wurde vergangenes Jahr aus dem Verkehr gezogen. Die Zahlen sind beeindruckend.

Stuttgart - Nach zwei schweren Unfällen wird ein konsequenteres Vorgehen gegen Raser und sogenannte Poser in der Stadt gefordert. Neben den zu schnell fahrenden Verkehrsteilnehmern sind damit jene gemeint, die mit aufgemotzten und PS-starken Kisten vor allem um den Szenegängern in der Innenstadt zu imponieren umherfahren. Die Stuttgarter Polizei hat die Szene im Blick. Eine Bilanz der Arbeit im Jahr 2018, die unserer Zeitung vorliegt, zeigt, dass schon viel geschehen ist.

„Die Polizei Stuttgart hat einen Rahmenbefehl erlassen zur Bekämpfung der motorisierten Vergnügungsszene in der Stadt“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums auf Nachfrage. Dieser Rahmenbefehl ist die Grundlage für Einsätze, bei denen im vergangenen Jahr 482 Fahrzeuge vor allem an den Wochenenden kontrolliert wurden. Dabei haben die Beamtinnen und Beamten der Verkehrspolizei einen guten Blick für Autos bewiesen, die unerlaubterweise umgebaut wurden: Von den überprüften Wagen waren 298 unzulässig verändert, was einer Quote von etwa 62 Prozent entspricht. Unter diesen knapp 300 Autos waren wiederum 217, welche die Polizei beschlagnahmen musste: „Sie wiesen Veränderungen auf, mit denen eine Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet war“, sagt der Sprecher des Innenministeriums. Das waren 45 Prozent der Autos, die im Rahmen der Einsätze rund um die motorisierte Vergnügungsszene beschlagnahmt wurden.

Zwei schwere Unfälle binnen weniger Tage in der Stadt

Die Diskussion über die Fans aufgemotzter Autos mit Vorlieben für zum Teil illegale Umbauten und über Raserei in der Innenstadt war aufgekommen, nachdem vergangene Woche ein 20-jähriger an der Rosensteinstraße die Kontrolle über einen gemieteten Jaguar mit 550 PS verloren hatte. Er geriet ins Schleudern und das tonnenschwere Luxusauto prallte gegen den Kleinwagen eines jungen Paares. Die 22-jährige Frau und der 25-jährige Mann waren sofort tot. Gegen den Fahrer erging ein Haftbefehl wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Seine Anwältin Yasmin Domé hat inzwischen eine Haftprüfung beantragt, da ihr Mandant keine Vorstrafen und keine Punkte in Flensburg habe. Außerdem sei er gut in seine Familie eingebunden, sodass sie im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft und dem Haftrichter keine Fluchtgefahr sehe, welche als Grund für den Haftbefehl angegeben worden war.

Ob der Unfallfahrer zu den jungen Leuten zählt, die sich gerne mit hochmotorisierten Karossen in der Innenstadt zeigen und unter anderem an der Theodor-Heuss-Straße herumfahren, wenn dort die Straßenlokale im Sommer voll sind, ist laut der Polizei noch nicht geklärt. Der Wagen, den er von einem spezialisierten Verleih bekommen hatte, wurde unter anderem mit dem Ausstattungsmerkmal „extrem laute Klappenauspuffanlage“ beworben, war also durchaus geeignet, Aufsehen zu erregen. Es ist nach einem ersten Gutachten wohl davon auszugehen, dass er mit Tempo 80 bis 100 durch die Rosensteinstraße fuhr.

Nicht nur die sogenannte motorisierte Vergnügungsszene steht aktuell im Fokus. Denn noch ein Unfall ist dieser Tage aufgrund überhöhter Geschwindigkeit geschehen. An der Pischekstraße verunglückte am Wochenende ein 21-Jähriger. Er saß ohne Führerschein alkoholisiert am Steuer und verlor die Kontrolle über das Auto, das sich mehrfach überschlug. Der 21-Jährige erlitt schwere Verletzungen.

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