Sylvia Löhrmann und Katrin Göring-Eckardt ziehen Schlüsse aus dem Wahlergebnis vom Sonntag. Foto: dpa

Kretschmann und Habeck sollen den Grünen beim Trommeln helfen, Klimaschutz soll als ökonomische Existenzfrage intoniert werden. Beim Blick auf den Wahlkampf findet die grüne Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt Trost in der Bibel.

Berlin - Abhaken, weitermachen – das sagt zwar niemand genau so. Aber es ist die Devise, nach der die Grünen die verlorene Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen einzuordnen versuchen. Binnen vier Jahren haben sie ihr Stimmenergebnis bei den Wählern an Rhein und Ruhr nahezu halbiert. Aber am Tag danach, als die gescheiterte Spitzenkandidaten und Noch-Kultusministerin Sylvia Löhrmann neben der Bundestagsfraktionschefin und Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt in der Bundespressekonferenz in Berlin sitzt, geht es genau darum: Zwischen der „kleinen Bundestagswahl“ in Nordrhein-Westfalen und der echten im Herbst soll eine Brandmauer errichtet werden.

„Wir haben nicht unsere Überzeugungen verloren“

„Wir haben eine Landtagswahl verloren, aber nicht unsere Überzeugungen“, sagt denn auch Katrin Göring Eckardt, so wie es ihr Spitzenkandidaten-Kollege Cem Özdemir schon am Wahlsonntag intoniert hat. Darüber hinaus findet sie in der Bibel, genauer gesagt bei Hebräer 4, nicht nur Trost, sondern auch eine Richtschnur für den entscheidenden Wahlkampf in diesem Jahr: „Lebendig, kräftig und schärfer“, so wie im Buch der Bücher das wirkmächtige Wort Gottes beschrieben ist, will Göring-Eckardt sich und ihre Partei präsentieren.

Dabei denkt die Spitzenkandidatin nicht an Kurskorrekturen. „Wir treten als Grüne an. Es hat keinen Sinn, sich am Mainstream zu orientieren“, betont die 51-Jährige. Zwar gebe es auch viele Wünsche in der Partei nach einem kantigeren, konfrontativeren Wahlkampfstil. „Aber die eigentliche Aufgabe ist, deutlich zu machen, was unsere Positionen mit dem Alltag der Leute zu tun haben.“ Damit reagiert die grüne Frontfrau auf zwei Kritikpunkte: Vor allem im linken Flügel gibt es Stimmen, wonach das Spitzenduo bisher zu ängstlich agiere und klare Angriffe auf die politischen Gegner vermissen lasse. Aus der Regierungsbeteiligung in Düsseldorf wird das Fazit gezogen, dass die Grünen während der Wahlperiode zu selten Konflikte mit dem Koalitionspartner SPD riskiert haben. Göring-Eckardt stellt nun in Aussicht „stärker mit Leidenschaft“ für grüne Überzeugungen zu kämpfen und „schärfere Angriffe“ bei auf dem Tisch liegenden Konfliktthemen zu suchen.

Die Grünen wollen mehr über Sicherheitspolitik reden, weil es den Wählern wichtig ist

Die Schwerpunkte ihres Wahlkampfs wollen die Grünen dabei nicht antasten, sondern allenfalls ergänzen. „Wir haben gelernt, dass die Sicherheitsfrage eine große Rolle gespielt hat“, räumt Katrin Göring-Eckardt ein. „Wir müssen uns für die Bundestagswahl bewusst sein, dass das Thema nach wie vor für viele, auch für unsere Wähler eine wichtige Rolle spielt.“ Das Thema werde zwar nicht Kernthema der Grünen, dürfe aber nicht ignoriert werden.

Beim unbestrittenen Kernthema Ökologie wollen die Grünen dagegen das Image als wirtschaftsfeindliche Ökopartei abstreifen. Dass die Verbindung von Ökologie und Ökonomie eine Zukunftsperspektive sei, hätten sie den Wählern an Rhein und Ruhr nicht klarmachen können. „Da wollen und müssen wir ab jetzt deutlich machen, dass es um die Jobs in der der Automobilindustrie geht“, kündigt sie an. Die Partei wolle herausstellen, dass Klimaschutz nicht nur eine Frage der Umwelt- und Lebensqualität sei, sondern eine wirtschaftliche Existenzfrage.

„Natürlich werden Schwergewichte wie Kretschmann und Habeck für uns trommeln“

Sandra Detzer, die Chefin der Südwest-Grünen, unterstützt diesen Kurs und will angesichts der Wahl nicht in Schwarzmalerei verfallen. „Inhaltlich konzentrieren wir uns auf das, was wir am besten können“, sagt Detzer: „Für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen streiten, die offene Bürgergesellschaft verteidigen und soziale Gerechtigkeit durch Investitionen in Bildung einfordern.“ „Und personell marschieren wir geschlossen hinter dem Spitzenduo“, betont die Südwest-Grüne. Dass die Partei dabei „Schwergewichte wie Winfried Kretschmann und Robert Habeck nutzt, damit sie für uns trommeln“, ist für die 37-Jährige eine pure Selbstverständlichkeit. „In Nordrhein-Westfalen sind wir klar abgewählt worden, aber eine Woche vorher haben wir in Schleswig-Holstein gefeiert.“ Die Grünen hätten ein klares Signal, meint sie: „Im Bund ist die Trendwende in den Umfragen da. Jetzt geht es darum, Schub nach vorne zu gewinnen.“

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