Die weißen Spuren zeigen den Weg des Unfallfahrzeugs und den Lastwagen, der entgegengekommen ist. Foto: 7aktuell.de/ MG

Drei tödliche Unfälle in sechs Jahren, viele Zusammenstöße: Ist die B 10 bei Vaihingen/Enz ein Unfallschwerpunkt? Nein, sagen Polizei und Stadt. Das war in der Vergangenheit jedoch anders.

Vaihingen/Enz - Ein Fahrfehler, ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit oder der Ablenkung – das hatte auf der Bundesstraße 10 am Montagabend katastrophale Folgen. Es war kurz vor 21 Uhr, als eine 27-jährige Frau am Steuer mit ihrem 19-jährigen Beifahrer auf offener Strecke in den Gegenverkehr geriet. Dort rollte bergab ein Volvo-Lastwagen, mit dem der Toyota der beiden jungen Menschen aus dem Kreis Esslingen zusammenstieß.

Ihr Wagen wurde durch die Wucht des schweren Lasters zusammengedrückt. Die Insassen hatten keine Chance. „Der Rettungsdienst konnte nichts mehr machen“, berichtet Rafael Prellezo, der Vizekommandant der Vaihinger Feuerwehr. Die war schnell mit fünf Fahrzeugen und 44 Kräften vor Ort – und hatte die schreckliche Aufgabe, spät in der Nacht die Leichen aus dem völlig zerstörten Toyota zu bergen.

Verkehrsexperten gehen von Fahrfehler aus

„Nur die Kollegen, die direkt damit befasst sind, waren an der Unfallstelle“, sagt Prellezo, „die anderen blieben auf Abstand.“ Der Lastwagenfahrer erlitt einen Schock und musste ebenfalls medizinisch betreut werden. Sein Sattelzug wurde durch den Aufprall ebenfalls aus der Spur geschoben und touchierte einen VW seitlich, deren Fahrerin wurde dadurch leicht verletzt. Zur Unfallursache gibt es noch keine genauen Angaben. „Wir haben einen Gutachter beauftragt“, sagt Tatjana Wimmer, die Sprecherin der Polizei.

Die Verkehrsexperten der Stadt Vaihingen gehen nach einer ersten Begehung am Dienstagmorgen von einem Fahrfehler aus. „Vielleicht sind sie versehentlich an den rechten Fahrbahnrand gekommen“, sagt Martina Fischer, die Sprecherin der Stadt. Ein Unfallschwerpunkt sei die Stelle nicht, betonen Polizei wie Stadtverwaltung.

Drei tödliche Unfälle in sechs Jahren

Allerdings hat es auf der B 10 bei Vaihingen immer wieder schwere und tödliche Unfälle gegeben. Vor zwei Jahren etwa geriet ein Rentner mit seinem VW Polo ebenfalls in die Gegenspur und krachte mit einem Mercedes zusammen, drei Verletzte in fünf Autos waren die Folge.

Im Jahr 2012 starben ein Vater und sein vierjähriger Sohn bei einem schweren Unfall, als er auf die Bundesstraße einbiegen wollten. Und im Jahr 2008 kam wenige Kilometer weiter westlich in Richtung Pforzheim ein 41-jähriger Motorradfahrer ums Leben, weil ihm am Pfingstmontag ein Autofahrer die Vorfahrt genommen hat. Im Juli dieses Jahres gab es an einer roten Ampel einen Auffahrunfall mit zwei Verletzten. Im September 2016 stießen zwei Fahrzeuge beim Abbiegen zusammen, drei Menschen wurden ärztlich behandelt.

Unfallschwerpunkt auf der B 10 durch Ampel entschärft

Die B-10-Einbiegung Richtung Oberriexingen am Fuße des Berges war früher aber tatsächlich ein Unfallschwerpunkt, wie Martina Fischer bestätigt. „Darauf haben wir auch reagiert und schon vor einigen Jahren eine Ampel installiert, seither hat sich die Lage entschärft“, erklärt sie.

Bis die genaue Ursache des Unfalls vom Montagabend feststeht, können laut Polizeisprecherin Tatjana Wimmer noch Wochen vergehen. An der Stelle ist Tempo 80 erlaubt, die vier Fahrspuren sind nicht durch eine Leitplanke getrennt. Allerdings ist die Lage auch nicht besonders unübersichtlich, die Strecke bietet eigentlich freie Sicht. Durch den Unfall wurde die B 10 bis 4.40 Uhr gesperrt – erst dann waren alle Spuren beseitigt.

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