Guatemala trauert um die Opfer einer Brandkatastrophe in einem Kinderheim. Foto: AFP

Die Zahl der toten Mädchen steigt auf 35, da spricht Morales von einem „starren System, das gefühllos geworden ist“. Das Kinderheim war überfüllt. Ein Vater sagt, die Mädchen hätten nach Vergewaltigungen zu fliehen versucht und Matratzen angezündet.

Guatemala-Stadt - Nach der Brandkatastrophe in einem guatemaltekischen Kinderheim mit 35 Toten hat der Präsident des mittelamerikanischen Landes Reformen versprochen. „Das ist ein starres System, das gefühllos geworden ist“, sagte Jimmy Morales. 1500 Kinder in Guatemala seien in staatlichen Einrichtungen untergebracht, die große Mehrheit von ihnen habe Familien.

In dem Heim in der Nähe von Guatemala-Stadt waren 800 Mädchen untergebracht, sowohl Missbrauchsopfer als auch jugendliche Straftäterinnen. Sowohl Behördensprecher als auch Verwandte sagten, die Brandkatastrophe habe am Mittwochabend damit begonnen, dass Jugendliche aus Protest gegen Übergriffe Matratzen anzündeten. Die Flammen hätten einen Trakt erfasst, in dem Mädchen als Strafe nach einem Fluchtversuch eingesperrt gewesen seien.

Morales sprach sich dafür aus, das System zu dezentralisieren. Vor seinem Amtssitz versammelten sich am Donnerstagabend Hunderte Demonstranten und forderten seinen Rücktritt.

Mehrere Verletzte in Lebensgefahr

Die ersten Leichen von umgekommenen Mädchen wurden den Angehörigen zur Bestattung übergeben. 19 Tote wurden direkt nach dem Feuer geborgen, 16 Mädchen erlagen bis Donnerstag in Krankenhäusern ihren Verbrennungen, sagte der stellvertretende Gesundheitsminister Adrián Chávez. Weitere Verletzte würden behandelt, mehreren von ihnen gehe es lebensbedrohlich schlecht.

Die Unterkunft ist wegen Überfüllung und mutmaßlichen Missbrauchs bereits häufiger in die Kritik geraten. Die Einrichtung war für Kinder geschaffen worden, die missbraucht wurden oder obdachlos geworden sind. Auch Jugendliche, die Strafen in Jugendanstalten abgeleistet und dann keinen anderen Ort zum Wohnen hatten, waren dort untergebracht. Obwohl die Unterkunft nur für die Unterbringung von 500 Kindern und Jugendlichen ausgelegt war, wohnten dort zum Zeitpunkt des Brands Schätzungen zufolge rund 800.

Direktor des Heims wurde entlassen

Nach Regierungsangaben wurde der Direktor des Heims nach dem Vorfall entlassen. Es sei mehrmals darauf hingewiesen worden, dass straffällig gewordene Jugendliche anderswo untergebracht werden müssten – das sei aber nicht passiert.

Der Vater eines der verletzten Mädchen sagte, seine 15-jährige Tochter sei in dem abgesperrten Bereich gewesen und habe überlebt, weil sie ein nasses Laken über sich gezogen habe. „Sie sagte die Mädchen hätten ihr erzählt, sie seien vergewaltigt worden und aus Protest hätten sie den Fluchtversuch unternommen“, sagte Geovany Castillo. „Später, aus Protest, haben sie die Matratzen angezündet, um auf sich aufmerksam zu machen.

Der guatemaltekische Menschenrechtsanwalt Jorge de Leon sagte, viele jüngere Kinder seien aus dem Heim geflohen, weil sie von Älteren drangsaliert und missbraucht worden seien. Auch gebe es wenig und nur schlechtes Essen. 2013 war eine 14-Jährige in dem Gebäude von einem anderen Bewohner erdrosselt worden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: