Ein Experte vermutet, dass die Hühner verbotenerweise bei Kämpfen eingesetzt werden sollten. Foto: Oliver Bürkle

Hundehalter stoßen beim Gemeindewald auf acht Vögel einer seltenen Art, ein Hahn war bereits tot, die restlichen sieben Hühner wurden ins Tierheim gebracht.

Erdmannhausen - Als Waldbewohner gilt das Huhn nicht – deshalb überraschte es Birgit Thiede-Kranz, als sie an zwei Wochenenden insgesamt acht Hühner in der Nähe des Erdmannhäuser Gemeindewaldes antraf. Die Hundehalterin aus Ludwigsburg geht dort regelmäßig mit ihren beiden Lieblingen Gassi.

So war es auch an einem Sonntag im August, als sie am Abend mit anderen Teilnehmern eines Hundetrainings unterwegs war. „Wir dachten erst, die Hühner wären abgehauen“, erzählt Birgit Thiede-Kranz. Doch als die Suche nach den Besitzern erfolglos verlief, reagierte sie. Mit einer Hundebox und ausgelegtem Köderfutter fing sie einen der beiden Hähne ein, die ihr über den Weg gelaufen waren.

Den Hahn brachte Birgit Thiede-Kranz ins Tierheim Franz von Assisi nach Ludwigsburg. Damit war die befremdliche Geschichte aber noch längst nicht zu Ende. Zwei Tage später erwischte die Hundehalterin mit Hilfe ihrer Freunde aus der Trainingsgruppe den zweiten Hahn. „Wir haben uns aus dem Tierheim Kescher und Mehlwürmer geholt – damit klappte es.“

Die Jagd nach ausgesetzten Hühnern erreichte ihren Höhepunkt aber erst wenige Wochen später. „Wir sahen Anfang September morgens zwei Hähne und drei Hennen“, berichtet Birgit Thiede-Kranz. Ein Hahn war offenbar erschlagen worden. „Und wir bemerkten einen etwa zehnjährigen Jungen mit einem Holzscheit in der Hand, der sich uns gegenüber eigenartig verhielt und behauptete, er hätte ein Tier gefangen.“ Den anderen Hahn und drei Hennen konnte die Gruppe der Hundehalter selbst einfangen und ebenfalls ins Tierheim nach Hoheneck bringen.

Jemand habe seinen Bestand abbauen wollen, vermutet Ursula Gericke, die Leiterin des Tierheims. „Anders ist das Aussetzen an ein und derselben Stelle nicht zu erklären.“ Das Aussetzen von Haustieren sei eine Straftat. Vermutlich habe derjenige gehofft, dass Raubtiere aus dem Wald die Hühner auffressen: „Füchse, Marder, Raubvögel – wir haben da alles.“

Hühner leben nun im Hundezwinger

Oder aber jemand habe die Hühner gestohlen, um den Halter zu ärgern, vermutet Ursula Gericke – dies sei etwa bei Hunden schon vorgekommen, die dann im Tierheim abgegeben wurden. Bei den Hühnern handele es sich um eine sehr spezielle Art, fand die Tierheimleiterin auf Nachfrage bei einer Kursteilnehmerin heraus. „Es sind Shamo-Hühner: Sie sind relativ selten und werden sehr groß.“ Zurzeit seien sie in einem ganz normalen Hundezwinger untergebracht. Dies sei aber auf Dauer kein tragbarer Zustand.

Laut Wikipedia sind Shamo-Hühner japanische Kampfhühner. Shamo würden in der Kleintierzucht auch gerne als die Königsklasse unter den Hühnern bezeichnet. Die Tiere seien schwer zu halten, sehr aggressiv, und ihr großes Gewicht mache eine Brut ohne zerquetschte Eier nahezu unmöglich, obwohl der Bruttrieb bei den meisten Hennen vorhanden sei.

Das urtümliche Wesen behalten

Die Shamo-Kampfhuhnrasse habe ihr urtümliches Wesen behalten. Die Tiere seien gegenüber fremden Artgenossen sehr aggressiv, und es sei somit nahezu unmöglich, in einen bestehenden Stamm fremde Tiere ohne Kämpfe zu integrieren. Die Hähne kämpften „ohne Nachlass und bis zum bitteren Ende“. Auch die Hennen haben eine aggressive Art.

Shamos blicken finster. „Er ist wahrscheinlich der am meisten gezüchtete und auf Schauen vertretene Kämpfer, den wir in Deutschland haben“, teilt der Club deutscher Ur- und Kampfhuhnzüchter mit etwa 200 Mitgliedern auf seiner Internetseite mit. „Es geht bei uns Züchtern nur um die Schönheit der Tiere“, sagt der Erste Vorsitzende Bernd Kirchenschläger aus Lampertheim. Die Tiere bei Kämpfen einzusetzen sei verboten. „Schwarze Schafe gibt es aber überall.“ Beim Blick auf das Foto der Tiere äußert Kirchenschläger jedoch Zweifel. „Shamo haben eher eckige Schultern – die hier haben runde.“

Ausschließlich zum Kampf gezüchtet

Ein züchterischer Misserfolg? „Es könnte sein, dass man deshalb die Tiere dem Fuchs überlassen wollte.“ Oder es handele sich um den türkischen Hint. Diese Kampfhuhnrasse werde nicht für Ausstellungen, sondern fast ausschließlich zum Kampf gezüchtet.

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