Zahlreiche Musiker beleben Vaihingen am 24. Juli. Foto: imago/Westend61

Am 24. Juli findet in Vaihingen das erste Straßenmusikfestival statt. Zahlreiche Bühnen der Stadt werden bespielt. Das wird ein Stadtfest für den gesamten Stadtteil.

Stuttgart - Wer kann, verlässt in diesen heißen Tagen seine eigenen vier Wände und geht nach draußen. Vor allem, nachdem in den vergangenen Monaten ein weitgehend zurückgezogenes Leben ja Vorschrift war. Da ist es doch eine tolle Botschaft, dass nun am 24. Juli in Vaihingen das erste Straßenmusikfestival stattfindet. Das Ortszentrum wird bespielt an insgesamt sieben verschiedenen Orten im Freien, mehrere Künstler treten den ganzen Tag über auf.

Grünes Licht für ein großes Fest

Diese Idee wurde in Coronazeiten geboren: Möglichst im Freien aufhalten, möglichst flexibel sein, was Orte, Zeit und die Zahl der Musiker und der Zuschauer betrifft. Aber die Pandemie ist ja auch noch nicht rum, Vorsicht ist nach wie vor geboten, auch noch gegen Ende Juli. Die Entwicklung von Schutzkonzepten für solch eine Veranstaltung ist nach wie vor geboten. Aber immerhin gibt es jetzt schon mal grundsätzliches grünes Licht vom Vaihinger Bezirksvorsteher für dieses Vorhaben.

Längere Öffnungszeiten

Das soll ein Festival für den gesamten Stadtteil werden: Die Gastronomie und der Handel vor Ort sind eingebunden, die Geschäfte können an diesem Samstag länger geöffnet sein. Wie es sich für ein klassisches Stadtteilfest gehört, können die Bürger ohne generelle Einlasskontrollen aus allen Richtungen nach Vaihingen kommen. Wie die Regelungen im Detail aussehen, wird sich in der zweiten Juli-Hälfte zeigen.

Die musikalische Planung dieses „Straßenmusikfestival Vaihingen to go“ sieht derzeit so aus: Am Stadtpark gibt es eine Bühne, auf der sich die Tanzschulen vorstellen werden. Nicht allzu weit weg davon in der Unterführung lautet das Thema „New York Subway“: Da soll es reichlich jazzig zugehen. Auf dem Marktplatz gehört die Bühne dem Nachwuchs aus den Musikschulen, beim Häussler-Forum zeigen die Vereine ihr Können. Beim Fanny-Leicht-Gymnasium treten Artisten vom Zirkus Circuli auf. Und am Schillerplatz geben Partybands den Ton an sowie jene Formationen, die es gut verstehen, bekannte Hits nachzuspielen. Das ist also eine Art künstlerischer Rundwanderweg durch Vaihingen. Damit da unterwegs niemand verloren geht, säumen Straßenmusiker mit der Gitarre und Straßenkünstler mit ihrem Können den Weg. Voraussichtlich wird auch Ordnungspersonal auf diesem Weg durch Vaihingen unterwegs sein, um darauf zu achten, dass der Strom der Neugierigen im Fluss bleibt, dass es nicht zu Ansammlungen kommt.

Ein Musiker mit vielen Verbindungen

Auf die Beine gestellt hat dieses Festival to go der Musiker Patrick Müller-Weyrich. Er lebt in Musberg, hat auch dort sein Studio. Er kennt sich bestens aus mit den Örtlichkeiten. Und als viel beschäftigter Musiker und Produzent kennt er natürlich viele Künstler, die es insbesondere jetzt nach den vielen Monaten des Rückzugs sehr auf die Bühne drängt. Und Müller-Weyrich hat auf den Fildern auch schon bewiesen, dass er hochkarätige Programme zusammenstellen kann: Am 3. und am 4. Oktober vergangenen Jahres hat er die Benefiz-Veranstaltung „Coming home“ in der Festhalle Rohr organisiert zugunsten der Kinderkrebs-Stiftung. Fast 50 Musiker und Tänzer haben da teilgenommen, etwa das Atlantic Sound Orchestra, in dem Müller-Weyrich selbst mitspielt. „Da haben wir die Halle zum Beben gebracht“, schwärmt er heute noch. Und er hat die Band Anyone’s Daughter komplett nach Rohr gebracht.

Erinnerungen an alte Stuttgarter Bands

Mittlerweile älter gewordene Stuttgarter erinnern sich: Das war jene Stuttgarter Band, die in den 1970er und frühen 1980er Jahren auf keinem guten Festival fehlen durfte. Lange Songs von mehr als 30 Minuten mit komplizierten Akkord- und Rhythmuswechseln gehörten in jener Zeit zum guten Ton, Bands wie Genesis oder Yes haben das international vorgemacht. Und Anyone’s Daughter hatten damals ein eigenes opus magnum im Tourneekoffer: Ihre Vertonung des Märchens „Piktors Verwandlungen“ von Hermann Hesse.

Nach Vaihingen werden die nach aktuellem Planungsstand zwar nicht im Juli kommen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Denn Anyone’s Daughter ist nach wie vor musikalisch aktiv, der Keyboarder und Sänger Matthias Ulmer ist das einzige verbliebene Gründungsmitglied, das mit einer neuen und jüngeren Mannschaft am Ball bleibt. Die jüngste CD kam 2018 heraus mit dem Titel „Living the future“. Und Müller-Weyrich spielt da bei einigen Titeln mit auf dem Bass. „Das war jetzt erst mal ein reiner Job“, so der Musberger. Aber er ist zuversichtlich, dass er bei künftigen Vorhaben stärker eingebunden wird. Und auch bei einer anderen Stuttgart-Uralt-Combo spielt er mit am Bass: Zam Helga. Das ist nun nicht ganz so weit aus den Tiefen der Stuttgarter Rock-Geschichte hergeholt, aber eine Frischzellenkur vertragen die auch ganz gut.

Aber für diesen Juli steht das Programm für Vaihingen schon fest. Die nächste Chance ist Anfang September: Da plant Müller-Weyrich wieder ein mehrtägiges Festival, dann im Theater unter den Kuppeln. Was aber für Vaihingen noch dringend benötigt wird, sind Sponsoren, Spender und Helfer jeder Art.

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