Bühnenprobe in der Kirche: Die Kinder freuen sich auf ihren großen Auftritt. Foto: Maira Schmidt

120 Schüler mit und ohne Behinderung führen in der Stadtkirche das Krippenspiel auf. Dazu spielt der Bachchor Stuttgart das Weihnachtsoratorium.

Bad Cannstatt - Dass man Musik nicht nur hören, sondern auch fühlen, sehen und anfassen kann, beweisen Ulrike Hahn und ihr Mann Jörg-Hannes nun schon seit vielen Jahren. Zum sechsten Mal organisieren die Sonderschulpädagogin und der Leiter der Konzertreihe Musik am 13. das Weihnachtsoratorium für Kinder in der Stadtkirche. Am kommenden Freitag, 20. Dezember, ist es wieder soweit.

Bei diesem Werk von Johann Sebastian Bach handelt es sich klassischerweise um ein sechsteiliges Musikstück. Bei der Aufführung in der Stadtkirche stehen aber neben den Musikern des Bachchors Stuttgart auch noch rund 120 Kinder auf der Bühne, und zwar Kinder mit und ohne Behinderung. Sie führen gemeinsam das Krippenspiel auf, allerdings jedes Jahr ein wenig abgewandelt und auf die Gruppe zugeschnitten, wie Ulrike Hahn erklärt. In diesem Jahr steht die Maria im Vordergrund. Damit auch jedes Kind seine eigene Rolle hat, erfand die Sonderschulpädagogin neben den Hirten, den Heiligen Drei Königen und den zahlreichen Engelchen einfach noch die Marienkinder.

Erstmals ist auch eine Tanzpädagogin mit im Boot

Schüler aus vier Cannstatter Schulen sind dabei, die Schüler der Helene-Schoettle-Schule für Kinder mit Behinderung, die Grundschüler der Schillerschule sowie die Inklusionsklassen der Eichendorf- und der Sommerrainschule. Erstmals ist in diesem Jahr auch eine Tanzpädagogin mit im Boot.

Das Besondere sei aber nach wie vor das Zusammenspiel von Kinder mit und ohne Behinderung, sagt Ulrike Hahn. Während der Aufführung „sind alle gleich“, betont sie. Für die Eltern sei das ein ganz besonderer Moment, wenn sie ihr Kind dort oben gemeinsam mit den professionellen Musikern stehen sehen.

Die Aufführung ist am Freitag, 20. Dezember

Und doch bleibt das Weihnachtsoratorium immer auch ein kleines Abenteuer. Bei der Aufführung stehen inklusive dem Bachchor Stuttgart 200 Menschen auf der Bühne. „Es gibt nur eine komplette Probe“, sagt Ulrike Hahn. Alles andere sei gar nicht finanzierbar. Die Musiker würden ohnehin auf einen Teil ihres Honorars verzichten. Hinzu kommt, dass man natürlich nie so richtig weiß, wie welches Kind reagiert. Hier sei sie auf die Unterstützung der Lehrer angewiesen, sagt die Sonderschulpädagogin und ergänzt: „Ohne die Kollegen könnte ich das gar nicht machen.“ Planbar sei das Ganze aber natürlich trotzdem nicht, es gebe ein grobes Gerüst, ansonsten müsse man spontan je nach Situation reagieren. Letztlich gehe es aber auch nicht um die perfekte Vorstellung. Für Ulrike Hahn ist die Aufführung ein Erfolg, „wenn die Kinder da oben stehen und lächeln.“

Termin: Das Weihnachtsoratorium für Kinder gibt es am Freitag, 20. Dezember, in der Stadtkirche zu hören und zu sehen. Die Aufführung beginnt um 17 Uhr.

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