Sarah Müller arbeitet mit Schneiderinnen in Kenia Foto: Malte Klein

Die Bosch-Initiative Cents for Help fördert das Mode-Label Nyuzi von Sarah Müller. Denn die Gründerin sorgt dafür, dass die Schneiderinnen in Kenia auch ausgebildet werden. Damit ist den Frauen vor Ort geholfen, und die Taschen sind sauber genäht.

Musberg - Die Schneiderin Sarah Müller steht in ihrem Atelier in Musberg und zeigt Taschen, die eine weite Reise hinter sich haben. Auf einer ist ein Löwe zu sehen. Eine andere ziert ein Elefant. Das Design lässt es vermuten: Die Taschen stammen aus Afrika, nämlich aus Lusigetti nahe der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Und es waren nicht schon immer Taschen, sondern Zement- und Viehfuttersäcke, die Arbeiter weggeworfen hatten. Auf den gereinigten und zu Taschen verarbeiteten Säcken kleben Namensschildchen. „Es näht immer eine Frau eine Tasche komplett“, sagt die 26-jährige Sarah Müller.

Fäden zwischen Kontinenten

Eine der Schneiderinnen heißt Carolin Nyambura und hat eine besondere Rolle. Wegen ihr hat Müller ihr Label Nyuzi überhaupt gegründet. Müller war von September 2016 bis März 2017 als freiwillige Helferin im Kinderheim und Ausbildungszentrum Karai Children’s Vocational Centre in Lusigetti. Als sie nach Musberg zurückkehren wollte, hatte Nyambura nach ihrer Ausbildung zur Schneiderin keine Arbeit gefunden.

Müller hatte die Idee, dass sie Taschen aus Säcken herstellen könnte. Seitdem importiert sie diese und verkauft sie unter dem Namen Nyuzi. Das bedeutet auf Suaheli, der in Kenia gesprochenen Sprache, Fäden. Für Müller verbinden diese den weißen und den sogenannten schwarzen Kontinent. Die Taschen stammen aus Kenia und Müller verkauft sie in Deutschland über Etsy, einen Marktplatz von Kreativen im Internet. Außerdem ist sie mit ihren Waren auf Weihnachtsmärkten in der Region zu Gast.

Tausende Kilometer entfernt nähen mittlerweile sechs Mitarbeiter die Taschen. Dazu gehören auch zwei Auszubildende, deren Training durch Geld des Bosch-Projekts Cents for help gefördert wird. Müller hat sich dort beworben und 7660 Euro für ihr Projekt „Quality and Trainees for Nyuzi“ bekommen. Für den Verein Cents for help spenden Boschbeschäftigte aller deutschen Standorte die Cents hinterm Komma ihrer Gehaltsabrechnung. Bosch verdoppelt das Volumen dann, sagt Öner Durmaz. Er arbeitet bei Bosch und hatte die Idee, dass Müller sich um die Förderung bewirbt. Die beiden kennen sich über den Arbeitskreis Asyl LE.

Qualitätsmanagement gefragt

„Das Geld nehmen wir, um die Kosten für die Berufsschule der Azubis zu zahlen und für Qualitätsschulungen“, sagt Müller. Ihr liegt es am Herzen, dass sie die Schneiderinnen weiterhin für Qualität sensibilisiert. „In Kenia tragen Frauen mitunter Kleider, die krumm und schief genäht sind.“ So sollen die Taschen nicht aussehen. In den Monaten, in denen sie in Kenia arbeitet, hat sie ein Auge darauf. Zusätzlich sucht sie einen Qualitätsmanager.

Müller hat das Sortiment von Nyuzi erweitert und bietet etwa auch Turnbeutel an. „Neulich war ich auf dem Markt und habe dort eine Frau mit einer Nyuzi-Tasche gesehen. Das hat mich gefreut!“

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