Fort Worth steht nach dem Vorfall unter Schock. Foto: AP/David Kent

Die junge Frau kümmert sich zu Hause um ihren kleinen Neffen, als sie eine Polizeikugel aus dem Leben reißt. Der verantwortliche Beamte muss sich nun wegen Mordes verantworten.

Fort Worth - In den USA sorgt ein Fall um eine schwarze Frau für Aufsehen, die in ihrem eigenen Haus durch eine Polizeikugel starb. Der weiße Beamte Aaron D. quittierte nach dem Vorfall den Dienst und muss sich nun wegen Mordes verantworten, wie die Behörden mitteilten. Am Montagabend (Ortszeit) kam der 34-Jährige in Haft, die Kaution wurde auf 200 000 Dollar festgesetzt. Der Interimspolizeichef von Fort Worth, Ed Kraus, konnte sich das Vorgehen seines Ex-Beamten nicht erklären. Dieser hatte der Polizei der Stadt anderthalb Jahre angehört.

Am frühen Samstagmorgen waren D. und ein Kollege einem Notruf eines Nachbarn der Frau gefolgt, den eine halb offene Haustür beunruhigt hatte. Bilder der Polizeikörperkamera zeigten, wie D. sich dem Haus näherte, in dem die 28-jährige Atatiana Jefferson auf ihren acht Jahre alten Neffen aufpasste. Dann ist zu sehen, wie er um das Grundstück herumgeht, das Tor zum Hinterhof aufstößt, die Frau lautstark aufruft, ihre Hände zu erheben und dann unmittelbar durch die Glastür feuert.

„Keine Rechtfertigung für dieses Verhalten“

Zu keinem Zeitpunkt ist zu hören, dass sich der Schütze als Polizist zu erkennen gibt, wie Interimspolizeichef Kraus sagte. Es gebe auch keine Anzeichen, dass der Beschuldigte und sein Kollege vorher an die Vordertür geklopft hätten. „Ich kann mir keine Reim darauf machen, warum sie ihr Leben verlieren musste“, sagte Kraus über die Frau. Es gebe keine Rechtfertigung für das Verhalten des bisherigen Beamten. Hätte er nicht von sich aus gekündigt, wäre er gefeuert worden, führte Kraus aus, und: „Niemand hat sich dieses Video angeschaut und gesagt, dass es irgendeinen Zweifel daran gibt, dass dieser Beamter sich unangemessen verhalten hat.“

Zunächst hatte die Polizei mitgeteilt, dass die zwei Beamten jemanden im Haus neben einem Fenster hatten stehen sehen. Einer von ihnen habe dann seine Waffe gezogen und gefeuert, nachdem er „eine Bedrohung wahrgenommen“ habe. Lee Merritt, ein Anwalt der Familie der getöteten Jefferson, erklärte indes, Jefferson sei nachts wachgeblieben, um mit ihrem Neffen Videospiele zu spielen, als sie erschossen worden sei. Ihre Angehörigen hatten im Vorfeld die Entlassung und Festnahme von D. gefordert.

Bilder von der Waffe wurden veröffentlicht

Im Video der Polizeikörperkamera ist in Jeffersons Schlafzimmer eine Waffe zu sehen. Ob die Frau sie gehalten habe, sei unklar, sagte Kraus. Doch selbst wenn dies der Fall gewesen wäre, würde dies in dem US-Staat nicht als ungewöhnlich betrachtet. „Wir sind Hausbesitzer in Texas“, erklärte der Interimspolizeichef. „Die meisten von uns hätten sich sehr ähnlich wie sie verhalten, wenn wir gedacht hätten, dass da jemand vor unserem Haus wäre, der da nicht sein sollte und wir Zugang zu einer Schusswaffe gehabt hätten.“ Die Bilder von der Waffe publik zu machen, sei daher im Rückblick ein Fehler gewesen.

Auch Bürgermeisterin Betsy Price bezeichnete die Sache mit der Waffe als „irrelevant“. „Atatiana war in ihrem eigenen Haus, kümmerte sich um ihren achtjährigen Neffen. Sie war das Opfer.“

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