Der Gedenkstein für den ermordeten Heinrich Schwarz an seinem neuen Standort auf dem Alten Friedhof Welzheim Foto: Gottfried Stoppel

Heinrich Schwarz aus Kaisersbach wurde vor 73 Jahren wohl von SS-Soldaten ermordet. Sie wurden nie gefasst. Sein verschwundener Gedenkstein ist nun entdeckt, restauriert und auf den Alten Friedhof Welzheim versetzt worden.

Welzheim - An seinen Vater Heinrich kann sich Karl Schwarz kaum noch erinnern. Der heute 76-jährige Kaisersbacher war ein kleiner Bub, als dieser ermordet wurde. Die Täter, die den Landwirt am 19. April 1945 auf seinem Heimweg von Welzheim mit Messerstichen töteten, sind niemals gefasst worden. Vermutlich seien es SS-Soldaten gewesen, die auf dem Rückzug vor den nahenden amerikanischen Armee waren und das Fahrrad seines Vaters an sich nehmen wollten, sagt Karl Schwarz.

Viele Jahrzehnte hat ein Gedenkstein am Tatort an den Mord in den letzten Kriegstagen erinnert. Dann war das Mahnmal an der Straße plötzlich verschwunden. Seit wenigen Tagen aber steht der Stein auf dem Alten Friedhof in Welzheim, in direkter Nachbarschaft zu der Gedenkstätte für Opfer der Nazi-Herrschaft. Ein passender Standort, wie Dieter Frey, der Vorsitzende des Historischen Vereins Welzheimer Wald, findet. Letzterer hat neben dem Stein eine Tafel mit Erklärungen aufgestellt, damit die Geschichte von Heinrich Schwarz nicht in Vergessenheit gerät.

Verwitterte Inschrift ist restauriert

Über den Verein kam auch der Kontakt zu dem Steinmetzmeister Jörg Mürdter zustande. „Er hat die teils nicht mehr lesbare Schrift und die Frauenfigur, die verwittert war, ehrenamtlich restauriert“, sagt Dieter Frey, dessen Verein vor einigen Jahren sämtliche rund 250 Kleindenkmale in der Umgebung erfasst hat. Insofern sei der Verbleib des verschwundenen Kleindenkmals den Mitgliedern ein großes Anliegen gewesen. Des Rätsels Lösung: Karl Schwarz hatte den Gedenkstein zu sich nach Hause, in den Strohhof, geholt, weil er immer wieder beschädigt worden war.

„Wir haben uns mit der Familie in Verbindung gesetzt und vorgeschlagen, den Stein wieder aufzustellen und uns um die Pflege zu kümmern“, erzählt Dieter Frey, der den Gedenkstein aus Gründen der Authentizität gerne an seinem ursprünglichen Standort platziert hätte. Doch das, sagt Karl Schwarz aus leidvoller Erfahrung, hätte wenig Sinn gemacht: „Wir haben den Stein in den letzten Jahren drei Mal richten lassen. Und wenn meine Frau dort Blumen gepflanzt hat, waren sie oft am nächsten Tag wieder herausgerissen.“ Der Alte Friedhof, den die Stadt Welzheim Zug um Zug in einen Park umwandeln will, sei da ein besserer Ort, findet Karl Schwarz, der am Donnerstagabend mit seiner Schwester Ella an einer kleinen Feier anlässlich der Aufstellung des Denkmals teilgenommen hat.

Ein Fahrrad mit nur einem Pedal

Sein Vater sei damals schon morgens um 6 Uhr in aller Eile auf dem Friedhof von Hellershof begraben worden, berichtet Karl Schwarz, was seine Mutter Anna ihren Kindern in späteren Jahren erzählt hat. Wer Heinrich Schwarz auf dem Gewissen hat, ist nie geklärt worden. Sein Sohn vermutet, dass in den chaotischen Tagen des Einmarschs der amerikanischen Truppen wohl gar nicht groß ermittelt wurde und die Täter höchstwahrscheinlich fremde Soldaten und bald über alle Berge waren. Möglicherweise dank des Fahrrads, mit dem Heinrich Schwarz unterwegs war und das nie mehr gefunden wurde. „Mein Vater hat sich wahrscheinlich geweigert, das Rad herzugeben“, sagt Karl Schwarz. Es sei ein besonderes Modell gewesen, da sein Vater aufgrund einer Kriegsverletzung ein steifes Knie gehabt habe: „Es war ein Rad, das nur ein Pedal hatte.“

Anna Schwarz, Heinrichs Witwe, musste sich in der schweren Nachkriegszeit mit ihren drei Kindern, der sechsjährigen Ella, dem vierjährigen Karl und dem gerade einmal vier Monate alten Helmut, irgendwie durchschlagen. „Das war eine schwere Zeit für sie mit uns drei Pimpfen. Und wir Kinder haben immer fest helfen müssen“, erzählt Karl Schwarz. In welchem Jahr der Stein an der Landesstraße aufgestellt wurde, auf dem neben einer trauernden Frauengestalt ein Gedicht über den Mord zu lesen ist, weiß der 76-Jährige nicht genau. „Es war aber wohl in den 1950er-Jahren, davor hatte man ja kein Geld für so etwas.“

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