Die Kampfsportschule in Neugereut steht im Zeichen des weißen Leoparden „Bars“ – ein Tier, dem in Russland viele gute Eigenschaften zugeschrieben werden. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Die Ludwigsburger Polizei hat zwei Tage nach dem Mord an einem Kampfsportler noch keine Spur. Bei den Russlanddeutschen in Stuttgart hatte der 35-Jährige einen guten Ruf.

Stuttgart - Die Polizei hat im Fall des am Dienstag in Bietigheim-Bissingen (Landkreis Ludwigsburg) erschossenen Kampfsportlers Sergej N. noch keine neuen Erkenntnisse. Die Soko Bruchwald kam am Donnerstag zu einer ersten großen Lagebesprechung zusammen. Nun gelte es, Verwandte, Bekannte und Kollegen des Betreibers einer Kampfsportschule zu befragen – auf der Suche nach einem möglichen Motiv.

Kurz nach 22 Uhr war der 35-Jährige am Dienstag gestorben. Er war vor seiner Wohnung im Bissinger Ortsteil Bruchwald aus dem Wagen gestiegen. Dort hatte ihm sein Mörder offenbar bereits aufgelauert. Der Täter streckte ihn mit mehreren Schüssen gezielt nieder. Zeugen sahen einen Mann in dunkler Kleidung, Jogginghose und Kapuzenpulli wegrennen. Seine Spur verlor sich bereits ein paar Straßen weiter im Wohngebiet. Weitere Informationen gab es am Donnerstag nicht. „Sehr dubios“ sei der Fall, heißt es bei der Ludwigsburger Polizei.

Bei Russlanddeutschen hatte der Tote einen guten Ruf

Die Geschichten, die man über den Ermordeten hört, könnten unterschiedlicher fast nicht sein. Auf der einen Seite haben sich Vertreter des Boxverbands Baden-Württemberg geäußert, der Getötete habe Kontakt zu Kreisen gehabt, die viele eher meiden würden. Sein ehemaliger Trainer im hessischen Bensheim geht sogar weiter. Er spricht von Kontakten zur Russenmafia, und diese seien auch der Grund gewesen, warum man sich 2007 getrennt habe.

Die Polizei kann diese Gerüchte noch nicht einordnen. „Wir haben dazu noch keine Erkenntnisse“, so eine Polizeisprecherin. Auch könne man noch keine Angaben zu der verwendeten Waffe machen. Der Ermordete soll voraussichtlich am Freitag obduziert werden.

Im Gegensatz zu Kontakten aus früheren Zeiten lässt aus Sergej N.s aktuellem Umfeld niemand ein schlechtes Wort auf den ehemaligen Kickbox-Weltmeister kommen. In Stuttgart hatte der Mann mit den kasachischen Wurzeln einen hervorragenden Ruf in der Gruppe der Russlanddeutschen: „Viele Väter haben ihre Töchter und Söhne dort trainieren lassen. Er war sehr positiv angesehen“, sagt ein Russlanddeutscher über Sergej N. , der am Mittwoch seinen 36. Geburtstag gefeiert hätte. „Er war eine charismatische Person mit einer großen Anziehungskraft“, fügt er hinzu. Dazu habe schon allein das Tier beigetragen, das der Kampfsportler für das Emblem seiner Schule ausgesucht habe: ein weißer Leopard, das russische Wort dafür ist Bars, so heißt die Schule. „Das Tier ist in Russland sehr positiv besetzt“, sagt der Kenner der Szene. Stark soll es sein, aber im Gegensatz zu den Wölfen stehe der Leopard nicht für eine nationalistische Haltung.

Die Initiatoren einer Art Bürgerwehr, die im Januar in Stuttgart in Erscheinung getreten war, kannten Sergej N. ebenfalls. „Er hat für unsere Mädels Selbstverteidigungskurse gemacht, sie waren sehr gerne dort“, sagt einer der Gründer der Gruppe „Stuttgart passt auf“. „Sie wollten ihm einen Kuchen machen – stattdessen haben sie den ganzen Tag geweint.“ Gerüchte über Mafiakontakte hält der Bürgerwehr-Chef für absurd. „Die Russen sind hier eine kleine Gruppe, man kennt sich. Eine kriminelle Struktur gibt es nicht“, davon ist er überzeugt. Dennoch spreche man im Umfeld des Sportlers von einem Auftragsmord. „Das können wir erst kommentieren, wenn wir das Motiv kennen“, sagt dazu eine Sprecherin der Ludwigsburger Polizei.

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