Franziska Volk, Simone Blumenstock und Barbara Schorr (von links) wollen misshandelten Kindern und Frauen in Viralimalei in Indien helfen. Foto: Alexandra Kratz

Die Roverinnen in St. Hedwig wollen in den Sommerferien in einem indischen Kinder- und Frauenhaus mit anpacken. Die Planung der Reise war mit vielen Schwierigkeiten verbunden.

Stuttgart-Möhringen - Für die Roverinnen in St. Hedwig ist es das erste Projekt und die erste große Reise. Vom 16. August bis 7. September fliegen vier der Pfadfinderinnen zusammen mit ihrer Betreuerin Barbara Schorr in den Südosten Indiens. Nicht um Urlaub zu machen, sondern um das Kinder- und Frauenhaus in dem kleinen Städtchen Viralimalai zu unterstützen. Dort leben Mütter mit ihrem Nachwuchs, die von ihren Ehemännern misshandelt, vor ihren Familien geflohen oder von ihnen verstoßen wurden.

In dem Haus in Viralimalai können die Frauen eine Ausbildung zur Näherin machen. Die Kinder erhalten eine Schulausbildung. „Das Ziel ist es, dass sie später selbst ihren Lebensunterhalt verdienen können“, sagt Schorr. Zudem soll den Frauen und Mädchen zu mehr Selbstbewusstsein und damit Selbstständigkeit verholfen werden. „Viele müssen erst einmal wieder lernen, stolz zu sein“, sagt die 17-jährige Franziska Volk, die seit einem Jahr bei den Pfadfindern ist.

„Die Vorschriften sind strenger als bei einer USA-Reise“

Gisela Häring hat das Projekt mit dem Namen „Deepam“ vor elf Jahren ins Leben gerufen. Das Wort bedeutet übersetzt so viel wie „Ein Licht für Indien“. Die Roverinnen haben schon seit langem Kontakt zu der einstigen Ordensschwester. „Wir verkaufen schon seit vielen Jahren handgenähte Taschen aus Indien auf dem Christkindlesmarkt“, sagt Barbara Schorr. Der Erlös fließe dann wieder in das Projekt Deepam. Im Februar war Gisela Häring zu Gast in Deutschland. Nun freue sie sich darauf, das die Pfadfinderinnen auch mal nach Indien kommen.

Die Planung der Reise war mit vielen Schwierigkeiten verbunden. Die größte Herausforderung sei gewesen, ein Visum zu bekommen. „Da sind die Vorschriften strenger als bei einer USA-Reise“, sagt Barbara Schorr und lacht. Auch sei es gar nicht so einfach gewesen, die erforderlichen Impfungen zu erhalten. „Dazu mussten wir extra ins Tropeninstitut nach Tübingen fahren“, sagt Schorr und ergänzt: Wer nach Indien wolle, sollte sich vor allem gegen Tollwut impfen lassen. Denn es gebe dort zum Beispiel jede Menge freche Affen.

Wohnen im Kinder- und Frauenhaus

Die Flüge sind in der Zwischenzeit gebucht. Wohnen werden die Pfadfinderinnen in dem Kinder- und Frauenhaus. Wo genau sie vor Ort gebraucht werden, wissen sie noch nicht. Doch sie sind sich sicher, dass Gisela Häring sinnvolle Aufgaben für sie finden wird. „Wir sollen zum Beispiel die Kinder betreuen und viel Englisch mit ihnen reden“, sagt Schorr. Und auch am Haus selbst gebe es einiges zu tun. „Wir lassen die Dinge einfach auf uns zukommen“, sagt die Betreuerin.

Simone Blumenstock freut sich auf die Reise. Bammel vor den vielen Ungewissheiten habe sie nicht. „Wir werden vor Ort gut versorgt und haben mit Frau Häring eine gute Ansprechpartnerin“, sagt die 23-Jährige. Sie sieht die Reise als „Chance, um mal rauszukommen, was Neues von der Welt zu sehen, anzupacken und zu helfen“. Nachdem die Roverinnen seit vielen Jahren Geld für das Projekt sammelten, sei sie nun „richtig neugierig, wie es in Viralimalai aussieht“.

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