Frank Allgöwer stellt den selbstfahrenden E-Scooter vor. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Wie können Studierende und Beschäftigte ihren Hochschulcampus emissionsfrei erreichen? Innovative Antworten darauf haben elf Hochschulen entwickelt, darunter auch vier aus Stuttgart. Den drei Siegern winkt ein Preisgeld von einer Dreiviertelmillion.

Stuttgart - Wie können Studierende und Beschäftigte ihren Hochschulcampus emissionsfrei erreichen? Innovative Antworten darauf haben elf Hochschulen entwickelt, darunter auch vier aus Stuttgart. Den drei Siegern winkt ein Preisgeld von einer Dreiviertelmillion. Die Entscheidung steht noch aus. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) zeigte sich von den Präsentationen in der Hochschule für Technik höchst beeindruckt.

Frank Allgöwer, Leiter des Instituts für Systemtheorie und Regelungstechnik, hat eine selbst entwickelte Neuheit gleich mitgebracht: einen selbstfahrenden E-Scooter mit einer Schwungscheibe, die die Balance hält, wenn das Fahrzeug autonom zur Ladestation oder zur nächsten Anforderung fährt, vier Kilometer pro Stunde schnell, Bremsweg zehn Zentimeter, mit Staubsaugersensor. Vorteile: Man braucht keinen Einsammler, die Auslastung ist höher, „ein Zehntel der Scooter reichen“. Der Vaihinger Campus solle autofrei und „ein Testfeld für Mobilitätsangebote werden“, kündigte Rektor Wolfram Ressel an. Zu den zentralen Bestandteilen der Vision namens Mobility Living Lab gehört ein zentrales Forschungsparkhaus über der B 14 mit 3000 Stellplätzen, wo neue Formen des induktiven Ladens erprobt werden, zudem ein Verleihsystem für Elektrofahrzeuge. Außerdem zwei Sorten von Campusshuttles: eines als Linie, eines selbstfahrend und auf Anforderung.

In Hohenheim hat man die Planungs- und Konzeptphase für den Masterplan 2030 samt Mobilitätskonzept schon hinter sich gelassen, nun fragt sich Rektor Stephan Dabbert: „Wir kriegt man die Umsetzung hin?“ Es gehe schließlich um 11 500 Menschen, die nach Hohenheim kommen, der Campus sei aufgrund seiner Randlage und fehlenden Direktanbindung an die Innenstadt teils schwer erreichbar. Aber, so Dabbert: „Wir haben fühl- und sichtbare Fortschritte gemacht.“ Ab Dezember gebe es eine direkte Buslinie zum Flughafen und somit zur S-Bahn und künftig zu Schnellbahnzügen. „Wir haben 400 neue Fahrradabstellplätze gebaut und sind als fahrradfreundlicher Arbeitgeber zertifiziert worden.“ Längst gehörten auch E-Fahrzeuge und Lastenräder zum Fuhrpark, die Probieraktion mit Pedelecs habe viele Nutzer überzeugt. Doch die Einrichtung eines Campusshuttles gestalte sich schwierig. Und man plane auch einen Shared Space – „aber die Begeisterung bei der Stadt ist noch nicht ganz groß“, berichtet Dabbert.

„Wir wollen bis 2030 klimaneutraler Campus werden“, sagt Lutz Gaspers, Prorektor Lehre und Professor für Raum- und Entwicklungsplanung, Verkehrssysteme und -entwicklung und Mobilitätskonzepte. Zunächst gehe es darum, den „Campus Stadtmitte“ überhaupt erkennbar zu machen, den man sich mit den Nachbarn Technikhochschule und Duale Hochschule rund um den Stadtgarten teile – also insgesamt 10 000 Studierenden. An die HFT kommen mehr als 90 Prozent mit dem ÖPNV. Eine Befragung von 1300 Hochschulmitgliedern habe ergeben, dass viele ein Fahrrad haben, es aber nicht nutzen. Es gehe zum einen um eine Bewusstseinsveränderung. Zum anderen müssten Fuß- und Radwege, aber auch Straßen umgestaltet werden – etwa in Form eines Shared Space in der Schellingstraße. Im November soll eine Akkutausch-, Fahrrad- und Pedelec-Leihstation eröffnet werden, geladen werde über ein Fotovoltaikdach. Den Kleinsttransporter Waldi gibt es schon: für schwere Einkäufe mit Rollen, als Rucksack zusammenklappbar.

An der DHBW könne man mit Blick auf 800 externe Dozenten nicht auf Parkplätze verzichten, argumentieren Rektor Joachim Weber und Harald Mandel, Prodekan der Technikfakultät. Mit deren Neubau wachsen auch neue Perspektiven, und zwar gleich nebenan, auf dem Zwickel zur Seidenstraße. Bis dort 2030 die Wirtschaftsfakultät ihren Neubau erhält, könnte die Fläche flexibel genutzt werden: außer für Parkplätze auch für Carsharing samt Ladesäulen und Erforschung smarter Energiespeicher sowie von automatisiertem Einparken. Zudem dort geplant: zwei Radparkhäuser samt Leihstation und Duschen sowie 22 Mini-Wohnmodule für 44 Studierende, sogenannte Tiny Houses. Das komme ihren Blockzeiten entgegen und, so Mandel: „Das würde auch das Campusareal beleben.“

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