Als erster Schritt beim autonomen Fahren könnten automatische Bremssysteme zum Einsatz kommen. Foto: dpa

Daimler, BMW und Audi könnten das Nachsehen haben, wenn die EU nächstes Jahr den Weg zum autonomen Fahren frei macht. Denn die Premiumhersteller setzen allem Anschein nach auf die falsche Technologie – im Gegensatz zu Volkswagen.

Brüssel - Wer sich 2019 einen Neuwagen kauft, wird sich fragen, ob die Neuerwerbung auch die richtige Technologie für das autonome Fahren mitbringt. Wie unsere Zeitung berichtete, wird die EU-Kommission vermutlich noch in dieser Woche bekannt geben, dass bei den ersten Schritten zum autonomen Fahren als technischer Standard Wlan-Kommunikation festgelegt wird.

Diese Entscheidung wird VW gefreut haben. VW hat sich nämlich beim autonomen Fahren auf die Wlan-Kommunikation festgelegt. Ein VW-Sprecher teilt mit: „Im Laufe des nächsten Jahres werden wir die erste VW-Modellreihe durchgängig mit der so genannten PWlan-Technik ausstatten.“ Welche Modellreihe das sein wird, verrät VW noch nicht. Vermutlich wird es der Golf oder der Passat. Beide Modelle kommen 2019 neu heraus. Die Technik erlaube es dann, dass Fahrzeuge untereinander sowie mit Ampeln und anderen Teilen der Straßeninfrastruktur kommunizieren können. Das „Wissen“ über Staus, Unfälle und andere wichtige Verkehrslagen könne so ausgetauscht werden. PWlan habe eine Reichweite von 500 Metern, „somit kann quasi der Blick um die Ecke ermöglicht werden“, sagt der Sprecher. Weitere Modelle sollen folgen.

Wie zu hören ist, haben sich auch GM und Toyota auf eine Wlan-Technologie bei ihren Bemühungen festgelegt, das autonome Fahren voran zu treiben.

Daimler setzt auf Mobilfunk

Anders sieht die Lage bei Daimler aus. Eine Sprecherin sagte gegenüber unserer Zeitung: „Wir setzen bei der künftigen Entwicklung weiterhin auf Technologieoffenheit.“ Hintergrund ist: Daimler arbeitet nicht mit Wlan-Standards, sondern setzt auf die Mobilfunktechnologie. „Seit 2016 verfügen Mercedes-Benz-Fahrzeuge über eine integrierte, mobilfunkbasierte Kommunikation zur Warnung vor Verkehrsgefahren.“ Hier liege für den Konzern auch die Zukunft: „Wir sehen eine flächendeckende, unterbrechungsfreie Netzabdeckung entlang aller Verkehrswege als zwingend notwendig an“, fordert Daimler.

Daimler sitzt mit BMW und Audi in einem Boot. Die Hersteller haben Ende 2015 zusammen „Here“ gekauft. Das Unternehmen bietet digitale Straßenkarten an, die sich selbst permanent aktualisieren. Das System arbeitet dabei mit Mobilfunktechnik. Anhand der Daten, die die Sensoren der Fahrzeuge zu Fahrbahnbeschaffenheit und Hindernissen sammeln, werden Lagebilder der Straßen erstellt. So können damit ausgerüstete Fahrzeuge aktiv auf wechselnde Verkehrssituationen reagieren. Sie können etwa frühzeitig auf die andere Fahrspur wechseln und abbremsen, wenn das Auto einem Hindernis näher kommt. Damit deutet sich aber an, dass sich Daimler, BMW und Audi auf eine Technologie festgelegt haben, die sich als Sackgasse herausstellen könnte. Die Fahrzeuge der drei Hersteller können zwar weiterhin untereinander Daten austauschen – eine Interaktion mit der Infrastruktur oder mit Verkehrsleitzentralen erscheint aber auf lange Sicht eher unwahrscheinlich.

Die Kommission betont, technologieoffen zu sein. Doch im ersten Schritt will sie die Kommunikation der Autos mit der Infrastruktur nur über Wlan-Technik genehmigen. Wie aus Kommissionskreisen zu hören ist, ist sie offen für Mobilfunktechnik, etwa 5G.

Voraussetzung sei allerdings, dass die verschiedenen Technologien zum einen miteinander kommunizieren können und zum anderen, dass sie in der EU flächendeckend vorhanden sind, heißt es.

Warten auf 5G

Daran mangelt es aber bereits bei derzeitigen Mobilfunktechniken wie 4G und LTE. Selbst in Deutschland sind Regionen mit großen Funklöchern bekannt. Nächstes Jahr erst findet die Auktion der Mobilfunklizenzen für 5G statt. Es wird damit gerechnet, dass es Jahre dauert, bis 5G flächendeckend verfügbar ist. In ländlichen Regionen von anderen EU-Mitgliedstaaten dürfte die Versorgung noch schwieriger werden.

Hersteller hatten im Vorfeld der Entscheidung die Kommission vor einer Festlegung auf Wlan-Technologie gewarnt. Die Technologiefestlegung könne dazu führen, dass der Ausbau des 5G-Netzwerks verzögert werde.

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