Die Mitarbeiter von Bosch sollen von Februar an freiwillig einen Teil ihres Gehalts spenden. Foto: dpa

In der Belegschaft des Technologiekonzern regt sich Unmut wegen einer neuen Initiative. Die Centbeträge hinter dem Komma der Gehaltsabrechnungen sollen von den Mitarbeitern gespendet werden.

Stuttgart - Robert Bosch, der berühmte Gründer des gleichnamigen Stuttgarter Technologiekonzerns, hat einmal gesagt: „Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.“ Das Unternehmen und seine Betriebsräte erfahren derzeit am eigenen Leib, was der Gründervater mit diesem Satz gemeint hat. In einer Konzernbetriebsvereinbarung haben Unternehmen und Arbeitnehmervertreter beschlossen, dass die Firma und ihre Mitarbeiter von Februar an Spenden für gemeinnützige Zwecke sammelt. Doch nun regt sich Unmut in der Belegschaft.

Pro Mitarbeiter höchstens 11,88 Euro im Jahr

Denn das Konzept sieht vor, dass die Bosch-Beschäftigten an allen deutschen Standorten die Restcents hinterm Komma ihrer monatlichen Gehaltsabrechnung spenden. Pro Mitarbeiter wären das höchstens 11,88 Euro im Jahr. Wenn 100 000 Mitarbeiter im Schnitt 50 Cent pro Abrechnung beisteuern, rechnet die Mitarbeiterzeitschrift „Bosch Zünder“ vor, kommen pro Jahr 600 000 Euro zusammen. Verdoppelt das Unternehmen die Summe ist es also ein Millionenbetrag.

Mitarbeiter, die sich nicht an der Aktion beteiligen wollen, könnten der Teilnahme in „elektronischer Form oder – in Ausnahmefällen – in schriftlicher Form widersprechen“, heißt es in der Mitarbeiterzeitschrift. Genau an diesem Vorgehen stören sich viele Beschäftigte. „Warum müssen wir einer Sache widersprechen, der wir nie zugestimmt haben?“, fragt ein Mitarbeiter im Intranet, zu dem nur Bosch-Beschäftigte Zugang haben.

Mitarbeiter ärgern sich teils über das Vorgehen

Freiwilligkeit setze nun mal eine bewusste und aktive Einwilligung voraus, heißt es da. Und: es gehe nicht um die Cents hinterm Komma, sondern um das Vorgehen, heißt es in den Papieren, die unserer Zeitung vorliegen. Es ist von einem Tabubruch die Rede und davon, dass es mit dem Vertrauen in den Arbeitgeber nun vorbei sei. Ein Mitarbeiter fragt sich, ob das Vorgehen rechtlich in Ordnung sei, in dem Zusammenhang nimmt er gar das Wort Klage „gegen diese Sache“ in den Mund.

„Ja, es gibt kritische Stimmen und die nehmen wir auch ernst“, sagt Alfred Löckle, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Bosch unserer Zeitung. „Wir haben für die Initiative beispielsweise in unseren sozialen Medien aber auch über 1000 Likes bekommen.“ Viele Mitarbeiter seien für die Aktion: „Wir haben eine sehr offene Diskussionskultur im Unternehmen“, so der Arbeitnehmervertreter. „Natürlich gibt es immer Menschen, die kritische Meinungen haben. Aber wenn von rund 130 000 Beschäftigten in Deutschland 150 einen kritischen Kommentar posten, muss man schon auch die Relationen sehen.“

Auch Mitteilung an Personalreferent oder Betriebsrat möglich

Einige Mitarbeiter monieren, dass man einen Zugang zu einem Computer brauche, um von der Aktion ausgenommen zu werden. Die Mitarbeiter in der Produktion haben aber keinen PC-Arbeitsplatz. Jeder Mitarbeiter werde auch persönlich mit seinem Gehaltsbrief rechtzeitig informiert, so Löckle. Wer nicht mitmachen will, könne dies nicht nur im Intranet ankreuzen, sondern es auch seinem Personalreferenten oder seinem Betriebsrat mitteilen.

Auch Christoph Kübel, Personalchef bei Bosch, verteidigt das Vorgehen: „Es gibt bei Bosch eine lange Tradition des ehrenamtlichen Engagements von Mitarbeitern“, sagt Kübel. Als Beispiel nennt er eine Initiative zur Flüchtlingshilfe, die Bosch im vergangenen Jahr gestartet hat. Dort hätten die Beschäftigten über 400 000 Euro gespendet. „Die Firma hat die Summe verdoppelt, so dass wir mit 820 000 Euro über 100 Projekte in Deutschland unterstützen konnten, die Flüchtlingen dabei helfen, sich zu integrieren.“ Das Geld sei an Projekte gegangen, die von den Mitarbeitern vorgeschlagen wurden und bei denen sich viele von ihnen ehrenamtlich engagieren.

Unternehmen will an der Initiative festhalten

„Dieses Konzept haben wir aufgegriffen und uns entschieden, es zu institutionalisieren“, so Kübel. „Wir geben den Mitarbeitern also die Möglichkeit, sich freiwillig zu engagieren und künftig die Restcents ihres Gehalts zu spenden. „Im Durchschnitt werden das rein rechnerisch sechs Euro sein.“

Das Unternehmen will an der Initiative festhalten. Seit Kurzem steht auch der Namen fest: „Die Mitarbeiter haben über den Namen der Initiative abgestimmt und sich für ,Cents for help’ entschieden“, so Kübel.

Alfred Löckle sieht darin eine gute Möglichkeit, die Aktion nicht nur an den deutschen Standorten umzusetzen: „Es standen auch deutsche Begriffe zur Auswahl“, sagt Löckle. „Dass sich die Mitarbeiter dennoch für eine englische Bezeichnung entschieden haben, zeigt für mich, dass sie im Blick haben, dass dieses Konzept vielleicht auch andere Länder interessant finden.“ Zunächst wolle Bosch aber an den deutschen Standorten Erfahrungen sammeln, so der Gesamtbetriebsratschef.

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