Der Überlieferung nach geht auf der Burg Waldenstein der Geist einer jungen Frau um. Wir haben ein Team von Gespensterjägern beauftragt, nach paranormalen Phänomenen zu suchen. Was sie dabei herausgefunden haben:

Rudersberg - Ein kalter Nachtwind weht über Waldenstein. Vier dunkel gekleidete Gestalten stehen im Burghof dicht beisammen. „Wir möchten erfahren, ob noch andere Entitäten bei uns sind“, murmelt der Geisterjäger Christopher Malorny in die Dunkelheit. Die Kamera und die Diktiergeräte laufen – bereit, jede Regung eines Gespensts festzuhalten. Plötzlich huscht ein Schatten zwischen die Ghosthunter. Keine geistige Entität, sondern der Burgkater Waldi. Er fordert Streicheleinheiten. Die Paranormal-Untersuchung wird kurz unterbrochen.

Lesen Sie hier: Drama in der Renaissance – der Hintergrund zur Spukgeschichte

In dem Gemäuer oberhalb von Rudersberg hat sich im 16. Jahrhundert ein Drama zugetragen. Und seitdem, das erzählen die Burgherren augenzwinkernd, könnte es ja zumindest sein, dass der Geist einer jungen Frau in der Burg umgehe. Um herauszufinden, ob daran etwas Wahres ist, haben wir uns die Hilfe von Experten geholt: Das Team Ghosthunter aus der Gegend um Frankfurt sucht nach Übernatürlichem. Hobbymäßig, aber auf professionellem Niveau.

Die Teamchefin Angelika Köllner arbeitet eigentlich als Büroassistentin. „Ich war schon immer fasziniert von Märchen, Zauberei und dem Paranormalen“, erzählt die 44-Jährige. Sie bezeichnet ihr Ghosthunter-Team als „das vielleicht skeptischste in ganz Deutschland. Wir sind nicht esoterisch angehaucht.“

Bislang konnten die Ghosthunter immer natürliche Ursachen finden

Das Quartett hat sich vor rund sechs Jahren zusammengetan und setzt auf Technik statt auf Eingebungen eines selbst ernannten Mediums. Dafür ist es ausgerüstet mit Fotofallen, Nachtsichtkamera, Thermometern, Audiorecordern, Magnetsensor und Lasergerät. Akribisch notieren die Geisterjäger alles – selbst ein Magenknurren bei der Tonaufnahme wird kommentiert, damit niemand das Geräusch bei der Auswertung für einen geisterhaften Kontaktversuch hält.

Die Mystery-Fans arbeiten nur unentgeltlich. Sie sehen sich nicht vom Wunsch getrieben, ein übernatürliches Wesen zu entdecken. Statt dessen versuchen sie, rationale Erklärungen für die Phänomene zu finden, von denen ihre Auftraggeber ihnen berichten. Oft spürt Köllner bei ihren Klienten den Wunsch nach etwas Übersinnlichem, nach einem Leben nach dem Tod. „Aber bislang haben wir immer natürliche Ursachen finden können.“

Angeblicher Spuk auf einem Reiterhof – defektes Kabel ist die Lösung

Etwa in dem Fall, als die Geisterjäger zu einem Reiterhof gerufen wurden. Die Besitzerin fühlte sich vom Pech verfolgt und hatte beobachtet, wie ihre Pferde immer in derselben Ecke der Reithalle scheuten – genau an einer Stelle, wo im Mittelalter Hexenverbrennungen stattgefunden hatten. Sie glaubte an einen Fluch. Doch die Messinstrumente der Ghosthunter lieferten eine mögliche Erklärung: „Die Stromleitung für den Zaun war an der besagten Stelle beschädigt, unser Sensor für Elektromagnetismus schlug aus.“ Gut möglich, dass auch die Pferde diesen Impuls gespürt hatten.

In einem anderen Fall bat ein Radfahrer die Ghosthunter um Rat: Immer, wenn er im Dunkeln durch ein bestimmtes Waldstück fuhr, fühlte er sich beobachtet und glaubte, Schritte hinter sich zu hören. Die Geisterjäger sahen sich um und fanden heraus, dass eine Gruppe Rehe das Waldstück bewohnte – und in der Dunkelheit für den Radfahrer vermutlich nicht zu erkennen gewesen war.

Auf Waldenstein entdecken die Geisterjäger kein Gespenst

Auch beim Besuch in Waldenstein entdecken die Spezialisten keine Anzeichen eines echten Gespensts: Die Musik, die aus der Ferne herüberdringt, kommt von einem Whisky-Tasting, das zeitgleich drinnen in der Burg stattfindet. Ein plötzlicher Temperaturabfall am Waldrand ist wohl auf ein kaputtes Thermometer zurückzuführen. Auch die anderen Messgeräte bleiben ruhig.

Bleibt also nur die Auswertung der diversen Kameras – aber auch da Fehlanzeige: „Unser Ergebnis ist eindeutig: Wir haben absolut keine Anzeichen für Spuk oder paranormale Phänomene aufgenommen“, schreibt Köllner in ihrem Abschlussbericht. Fast schon schade, eigentlich.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: