Die Mundelsheimer Neckarschleife zieht den Betrachter immer wieder aufs Neue in den Bann und ist eines der Highlights der Tour. Foto: Julia Spors

Die Region hat viel zu bieten – vor allem auch für den Fahrradtourismus, der in diesem Sommer ungeahnte Ausmaße annimmt.

Mundelsheim - Das Geschäft mit Fahrrädern und E-Bikes boomt. Nicht nur wegen Corona und der aktuellen Situation, die in diesem Jahr dazu animiert, den Urlaub zu Hause zu verbringen und die eigene Region oder eine andere in Deutschland zu erkunden. Sondern auch aufgrund der Tatsache, dass immer mehr Arbeitgeber Leasing-Modelle anbieten. So auch in meinem Fall. Seit ein paar Wochen bin ich im Besitz eines schmucken weißen E-Bikes. Und sie werden nicht glauben, wie oft ich mich in den vergangenen Tagen und Wochen wie im Urlaub gefühlt habe. Einfach so. Mal nach Feierabend, mal vor dem Spätdienst oder auch am Wochenende. Klar: Das Wetter hatte daran einen großen Anteil, aber auch die Region. Denn sie hat viel zu bieten. Neben zahlreichen Burgen, Weinbergen und Denkmälern auch zwei wahre Natur-Schätze: die Mundelsheimer Neckarschleife und die Hessigheimer Felsengärten.

Beide Ziele durften am Dienstag nicht fehlen, als ich eine Tour plante. Und ganz ehrlich: Natürlich war ich schon an beiden Orten, doch sie schaffen es einfach immer wieder, mich in ihren Bann zu ziehen. Auch diesmal verwandelten sie einen stinknormalen Montag in einen besonderen. Einen, der bei strahlendem Sonnenschein an Urlaub erinnerte und den ich immer wieder wiederholen könnte.

Doch jetzt zur Tour: Los geht sie an diesem Tag am Wanderparkplatz bei Mundelsheim, direkt neben der Landesstraße 1115 gelegen. Hier verweist ein Schild auf den Käsberg Höhenweg, den wir – eine Freundin hat mich begleitet – gleich mal als Schlenker einbauen. Aus gutem Grund. Am Ende des geteerten Weges wartet nämlich ein atemberaubender Blick auf die Mundelsheimer Neckarschleife auf einen. Mit dem Rad kommt man dann zwar nicht weiter zum Aussichtspunkt „Käsbergkanzel“ (möchte man dorthin sollte man aus dem Ort kommen), die Fahrt bis zum Ende des Weges lohnt sich aber dennoch. Zumal eine große Liege mitten in den Weinbergen eigentlich schon direkt zur ersten Pause einlädt. Wir machen keine, haben ja schließlich noch ein paar Kilometer vor uns. Deshalb radeln wir den Abhang hinunter in den Ort. Rund um die Käsberghalle gibt es genügend Abzweigungen, um auf den Radweg am Neckar zu kommen – und von dort aus fahren wir weiter in Richtung Hessigheim. Schwäne, die neben uns schwimmen sowie das glitzernde Wasser würden einen am liebsten schon wieder anhalten lassen, doch die Hessigheimer Felsengärten rufen. Also treten wir weiter in die Pedale, fahren vorbei an der Schleuse und durch Hessigheim hindurch in Richtung Besigheim bis am Ortsausgang die Felsengartenkellerei auftaucht.

Anstatt wie ein Pulk Radfahrer nach links auf den Radweg abzubiegen, fahren wir ab zur Kellerei und halten uns bei der ersten Abzweigung wieder rechts. Am Ende des Weges geht es links hoch in die Weinberge. Strampeln ist angesagt, Höhenmeter sammeln. An der vierten Möglichkeit geht es wieder nach links – bis zu einer Bank. Mein Kopf ist knallrot, ich glühe. Aber die Vorfreude steigt. Die Fahrräder können in der Nähe eines kleinen Schildes angeschlossen werden, denn: Die Gärten erkundet man besser zu Fuß. Ein kleiner schmaler Eingang aus Gestrüpp, fast unscheinbar, eröffnet die Welt in das Naturgut. Ich habe gerade einmal ein paar Meter zurückgelegt, als der erste Felsvorsprung vor mir auftaucht. Von ihm habe ich einen fantastischen Blick auf den Neckar. Ein grandioser Aussichtspunkt jagt nun den nächsten. Ich kann mich gar nicht sattsehen – und kann nur zustimmen, als ich das Schild „Schönste Weinsicht Württemberg – 2016“ sehe. Wo bitte soll es schöner sein? Ich glaub ich muss mal nach den anderen Jahren googeln. In diesem Moment aber muss ich genießen. Den Blick in die Weite schweifen lassen. Und direkt unter mich. Denn dort versuchen Kletterer die schroffen Muschelkalkfelsen zu erklimmen. Ich wage mich auf den Spazierweg nach unten, genieße die ersehnte Kühle an diesem Sommertag und kann verstehen, warum die Felsengärten auch „Eldorado für Sportkletterer“ genannt werden. Nach einer gefühlten Ewigkeit machen wir uns wieder auf den Weg zu unseren Rädern. Weiter geht die Tour.

Gegenüber der Felsengartenkellerei biegen wir nun auch in den Radweg ein. Nachdem wir die Brücke überquert haben, die wir zuvor von den Felsen aus von oben gesehen haben, geht es an zahlreichen Kirschbäumen und über Felder entlang in Richtung Lauffen am Neckar.

Mein Highlight auf diesem Radweg an diesem Tag: Die Kunst in den Weinbergen. Bei Kirchheim hängen farbenfrohe Bilder in den Steilhängen – ein Hingucker, der ganz besonderen Art. Warum ist eigentlich zuvor keiner auf diese Idee gekommen und warum gibt es so etwas nicht öfter? Nicht nur wir sind begeistert, auch andere Radler halten an und erfreuen sich der Besonderheit. Das einladende Wasser neben uns, auf dem nun auch immer wieder kleine Boote schippern, erfreuen zusätzlich. Sie werden auf dem Weg nach Lauffen immer mehr. Am Biergarten beim Yachthafen legen wir eine Pause ein. Neben uns wird Minigolf gespielt, doch wir schauen dem Treiben auf dem Neckar zu. So lange, bis es weitergeht.

In der Lauffener Altstadt wechseln wir auf die andere Uferseite und fahren hier die Weinberge entlang in Richtung Neckarwestheim. Spektakuläre Aussichten auf den Fluss und die Weinberge drumherum begleiten einen fast durchgängig. Ein kurzer Stopp am Krappenfelsen mit seiner tollen Aussicht muss noch sein. Am Ende machen wir noch einen Abstecher zur Burg Liebenstein, ehe es zurück zum Ausgangspunkt geht. Dort angekommen sind wir zwar fix und alle, aber auch beseelt von einem wundervollen Tag gespickt mit zahlreichen Highlights, spektakulären Aussichten und toller Natur. Meinem neuen E-Bike sei Dank. Denn ehrlich: Mit einem normalen Drahtesel hätte ich diese Tour nicht gemacht. Ich hätte wahrlich was verpasst! Denn die Tour ist ein Muss für alle, die in der Region wohnen.

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