Ermittler gehen derzeit von mindestens 35 Opfern aus. Foto: dpa

Ein Missbrauchsfall mit vielen Fragen: 155 Datenträger mit Beweismitteln im Fall von massenhaften Missbrauch auf einem Campingplatz in Lüdge sind spurlos verschwunden. Dennoch hält der zuständige Sonderermittler die Beweismittel für „ausreichend“.

Lüdge - Im Skandal um den massenhaften Missbrauch in Lügde hält der zuständige Sonderermittler Ingo Wünsch die Beweismittel trotz verschwundener Asservate für „ausreichend“. Wünsch sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Es gibt sehr belastendes Bildmaterial, auf dem der Haupttatverdächtige eindeutig zu erkennen ist.“

Kriminaldirektor Wünsch war vom nordrhein-westfälischen Innenministerium zur Kreispolizeibehörde Lippe gesandt worden, nachdem dort 155 Datenträger verschwunden waren. Der Sonderermittler schilderte dem „Stadt-Anzeiger“: „Wir haben alles auf den Kopf gestellt, vom Keller bis zur Damentoilette.“ Außerdem habe man 30 Befragungen durchgeführt. Die CDs tauchten aber nicht wieder auf.

Ermittler gehen bislang von 35 Opfern aus

In Lügde bei Detmold soll ein arbeitsloser Dauercamper mit einem Komplizen über Jahre hinweg Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Der 56-Jährige setzte dabei sein Pflegekind, ein kleines Mädchen, den Ermittlungen zufolge ein, um andere Kinder anzulocken. Bislang gehen die Ermittler von mindestens 35 Opfern aus.

Auch in Niedersachsen werden inzwischen Forderungen nach einem Sonderermittler laut. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Dirk Toepffer, dringenden Bedarf für einen Sonderermittler. Neben der strafrechtlichen Aufarbeitung sei eine unabhängige Instanz wegen des offensichtlichen Behördenversagens nötig. „Wir haben einen Skandal, der zwei Bundesländer betrifft: auf der einen Seite haben wir offensichtlich zu 99 Prozent Polizeiversagen, auf unserer Seite haben wir zu 99 Prozent offensichtliches Versagen der Jugendbehörde.“ Eine Entscheidung müsse nun aber auf Kreistagsebene getroffen werden.

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