Die Vorwürfe gegen den Mannheimer sind massiv. Foto: dpa/Patrick Pleul

Seine langjährige Freundin schien ihm zu alt. Da soll ein Mannheimer es auf Kinder abgesehen und wehrlosen Mädchen auf den Philippinen viel Leid zugefügt haben. Jetzt steht er dafür in Deutschland vor Gericht.

Mannheim - Ein 44-Jähriger soll in Südostasien auf der Suche nach einer neuen „Partnerin“ etliche Verbrechen an Mädchen unter 14 Jahren begangen haben. Auf der Liste seiner mutmaßlichen Straftaten stehen sexueller Missbrauch von Kindern, Besitz und Verbreitung von Kinderpornos sowie gefährliche Körperverletzung. Deswegen muss er sich seit Mittwoch vor dem Landgericht Mannheim verantworten. Der Angeklagte habe bei zwei Aufenthalten auf den Philippinen 2012 und 2013 Mädchen unter 14 Jahren gesucht, hieß es zu Prozessbeginn am Mittwoch von der Staatsanwaltschaft.

Um an 11- bis 13-Jährige heranzukommen, habe er im Darknet - einem abgeschirmten Bereich des Internets - ein inzwischen aufgeflogenes australisch-philippinisches Paar kontaktiert und diesem seine Wünsche unterbreitet. Er habe die beiden finanziell unterstützt - laut Anklage mit 7000 Dollar. Mit dem Geld wurden demnach auch Kinderpornos produziert.

Unscheinbares Äußeres

Zu den Vorwürfen gehört auch sexuelle Nötigung, weil er zwei Mädchen Valium verabreicht habe, um sich ohne Widerstand an ihnen vergehen zu können. Eines der Mädchen ist später im Haus des Paares tot aufgefunden worden. Zudem sei der Angeklagte auf dessen Idee eingegangen, Mädchen in einen Keller zu pferchen, um sie Männern zuzuführen.

Der Mittvierziger äußerte sich zu seinem Sexualleben nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Zuvor hatte er vor Gericht angegeben, jahrelang mit einer Frau zusammengelebt zu haben. Schuld am Ende der Beziehung 2014/15 sei er gewesen. „Ich wollte was Jüngeres“, sagte der unscheinbare Mann in Cargo-Hosen und hellblauem Hemd, der nach eigenen Angaben von Immobilienbesitz lebt. Sein Verteidiger verlas im Anschluss an die nicht-öffentliche Vernehmung ein Geständnis, das in nur wenigen Punkten von der Anklage abwich.

Film über Folterung von Kleinkindern

Neben der Verbreitung von Porno-Videos und -Fotos von zwei Mädchen finanzierte der Mannheimer der Anklage zufolge auch einen Film mit, in dem ein Kleinkind gefolterten wird. Er sollte im Darknet verkauft werden. Darin wird ein eineinhalb Jahre altes kopfüber hängendes Mädchen vergewaltigt, geschlagen und mit Wachs verbrannt. Laut Staatsanwältin Tina Haltrich wurde dem Angeklagten von dem australisch-philippinischen Paar ein Teil des 45 Minuten langen sadistischen Streifens übermittelt, ohne dass er daraufhin den Kontakt oder die Finanzierung der beiden aufgegeben hätte. Haltrich, die seit Jahren solche Fälle bearbeitet, sagte: „Hinsichtlich der kriminellen Energie ist das ein Fall, der heraussticht.“

Auch die Kinderschutzorganisation ECPAT stuft den Fall als einen der härtesten ein. Zur Zahl der Fälle von Sexualstraftaten an Kindern Deutscher im Ausland gebe es keine gesonderten Daten, sagte ECPAT-Geschäftsfüherin Mechtild Maurer. In der Kriminalstatistik werde sexueller Missbrauch ohne Kennung des Tatortes aufgenommen. Maurer forderte eine andere Erfassung, um einen besseren Blick auf die Opfer im globalen Süden zu haben. „In den Ländern Südostasiens sitzen aber mehr deutsche und europäische Täter wegen solcher Delikte in Haft als wir annehmen.“ Polizei und Zivilgesellschaft seien sensibilisiert und betreuten die Opfer gut. Maurer: „Die machen viel.“

Das Bild des Pauschaltouristen als Haupttäter bei der sexuellen Ausbeutung von Kindern in Südostasien müsse revidiert werden, sagte Maurer. Geschäftsreisende gehörten ebenso zur Tätergruppe wie etwa ausländische Berater, die in Entwicklungsländern arbeiteten - manche Täter suchten vorsätzlich einen Arbeitsplatz nah an Kindern, etwa an einer Schule. Auch „Sugardaddys“, die sich über Geldgaben in Familien hineinschlichen und dafür die Kinder zu „Ausflügen“ mitnähmen, seien zu finden. Arme Familien verschlössen Augen und Ohren vor solchen Machenschaften.

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