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Im Missbrauchsskandal nimmt die Staatsanwaltschaft auch das Jesuiten-Kolleg in Sankt Blasien ins Visier.

St. Blasien - Im Missbrauchsskandal um einen früheren Jesuiten-Pater nimmt die Staatsanwaltschaft auch das traditionsreiche Jesuiten-Kolleg in Sankt Blasien (Kreis Waldshut) ins Visier. Nach Bekanntwerden der Missbrauchsfälle wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Ziel sei es, den möglichen sexuellen Missbrauch der Schüler durch einen Geistlichen aufzudecken, teilte die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen am Dienstag mit.

Ein Jesuit, der mehrere Fälle sexuellen Missbrauchs am Berliner Canisius-Kolleg gestanden hat, war von 1982 bis 1984 in Sankt Blasien tätig. Zwei dortige Opfer haben sich bereits gemeldet. Die Schulleitung rechnet damit, dass weitere Fällen bekanntwerden.

Ob strafrechtlich gegen den früheren Jesuiten-Pater vorgegangen werden kann, ist unklar, sagte Oberstaatsanwältin Iris Janke. Da die Taten zeitlich schon sehr weit zurückliegen, könnten sie bereits verjährt sein. Dies werde nun geprüft. Hierzu müssten die Missbrauchsfälle genau ermittelt werden, insbesondere im Hinblick auf ihre Tatzeit, die Schwere des Missbrauchs und den mutmaßlichen Täter. Für eine Verjährung spreche derzeit einiges, hieß es.

Die Behörde sei aufgrund der Medienberichterstattung aktiv geworden, sagte Janke. Strafanzeigen habe es nicht gegeben.

Weitere Missbrauchsfälle hat es nach Angaben vom Montag neben Berlin und Sankt Blasien auch in Hamburg, Göttingen, Hildesheim, Chile und Spanien gegeben. Mehrere Staatsanwaltschaften ermitteln. Allein die Staatsanwaltschaft in Berlin geht 20 Fällen nach.

Die Taten ereigneten sich in den 70er und 80er Jahren. Zwei Jesuiten-Pater, die damals an verschiedenen Schulen als Lehrer tätig waren, haben den Missbrauch der Schüler gegenüber der Kirche den Angaben zufolge bereits vor vielen Jahren gestanden.

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