Franziskus gibt 60 000 Ministranten aus 19 Ländern auf dem Petersplatz in Rom eine Audienz. Foto: AP

Neben Pilgertüchern und Pilgerpins gibt es für die 12. internationale Ministranten-Wallfahrt auch eine eigens entwickelte App. Doch den 60 000 jungen Katholiken, die derzeit in Rom sind, scheint der reale Kontakt doch noch der liebste zu sein. Vor allem wenn es darum geht, den Papst zu treffen.

Rom - Kirche kann verwirrend sein: Nach dem Gottesdienst fällt dem Ministranten vor dem Kirchenportal ein altes Pergament auf den Kopf. Auch das noch! Nexx, der Schlägertyp der Stadt, will es sofort an sich reißen. Nach einem verbalen Gefecht vor der Kirche zerreißt er das Stück Papier. „Eine geheimnisvolle Auf­gabe“, so heißt das Spiel, das sich zur Einstimmung auf die ­Ministrantenwallfahrt nach Rom auf der extra dafür entwickelten App findet. Wie es weitergeht? Keine Ahnung. Die vom Spieler gewählten Antworten an den Schläger waren wohl die falschen. Doch die Zeit drängt, und mit ihr Tausende junge Katholiken, die zur Sonderaudienz von Papst Franziskus auf den Petersplatz strömen.

In Rom herrscht dieser ­Tage eine Stimmung wie bei einem Weltjugendtag: 60 000 Ministranten, von den Kirchenoberen liebevoll Minis genannt, aus 19 Staaten sind in dieser Woche in Rom auf Wallfahrt. 50 000 von ihnen kommen aus Deutschland. Allein aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart sind 6100 junge Katholiken angereist und haben am Dienstagabend auf dem Petersplatz dem Kirchenoberhaupt zugejubelt. Matthias Merath und seine Gruppe aus Ulm haben sich bereits um 13 Uhr in die Schlange gestellt, um Franziskus am Abend möglichst nah zu sein. „Complimenti ragazzi“, begrüßt dieser dann die Pilger auf Italienisch und fügt hinzu: „Ihr seid wirklich tapfer - bei dieser Hitze heute!“

Für Barmherzigkeit braucht es keinen Uniabschluss, sagt der Papst

Über die App gibt es einen Link, über den die Messdiener der Rede des Papstes in ihrer Sprache folgen können. Die 12. Internationale Pilgerfahrt der Ministranten steht unter dem Motto „Suche Frieden und jage ihm nach.“ Das nimmt auch Franziskus in seiner Ansprache an die Messdiener auf. In Anlehnung an sein kürzlich veröffentlichte Schrift „Gaudete et Exultate - Freut euch und jubelt“, wendet sich der Papst an die Jugendlichen. Es seien die kleinen Gesten im Alltag, die zum Frieden führten, sagt der Papst während der Audienz. „Zum Beispiel nach einem Streit: Verschließe ich mich da beleidigt in mich selbst oder mache ich einen Schritt in Richtung des anderen?“ Den jungen Katholiken rät Franziskus, sich immer zu fragen: „Was würde Jesus an meiner Stelle tun?“ Für Barmherzigkeit brauche man keinen Uniabschluss. „Doch es kostet Anstrengung, gut zu sein.“

„Es ist schon wirklich ein Erlebnis, wenn der Papst mit seinem Papamobil auf den Platz fährt“, sagt der 24-jährige Matthias Merath. „Man bekommt aber immer wieder eine Gänsehaut“, so Matthias, der nun schon seit 15 Jahren als Ministrant tätig ist. „Klar, in der heutigen Zeit gibt es mehr Freizeitangebote als früher und der eine oder andere entscheidet sich lieber für etwas anderes als für den Dienst an der Kirche“, sagt er über das Ministranten-Dasein. „Aber es schadet nicht, wenn man vor allem in der heutigen politischen Lage moralische Werte mitbekommt, die auf dem Christentum basieren.“ Seit 2007 ist Matthias in der Ulmer Gemeinde Mariä Himmelfahrt. Als er damals aus Burgrieden dorthin umgezogen ist, habe der Dienst in der Kirche ihm geholfen, schnell neue Leute kennenzulernen und Freunde zu finden.

Die Pilgertücher und -pins laden zum Tauschen ein

Kontakt knüpfen die Ministranten untereinander auch in Rom sehr schnell. Nicht zuletzt wegen der Pilgertücher und der Pilgerpins, die an einem braunen Lederarmband stecken und die zum Tauschen untereinander einladen. Jedes Land, in Deutschland sogar jede Diözese, hat ihr eigenes schlauchförmiges Tuch, das um den Kopf, um den Hals oder um das Handgelenk getragen wird. Die 17-jährige Lilian Merkle tauscht gerade ihr rot-blaues Tuch der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit dem grünen Tuch von Nico Hafner. Der 14-Jährige kommt aus Freudenberg aus dem Bistum Freiburg, aus dem 8500 Messdiener nach Rom gekommen sind.

Als Geschenk bekam auch der Papst ein Pilgertuch in Weiß, der Symbolfarbe des Friedens. „Wir wissen, wie viel Sie für den Frieden in dieser Welt tun. Wir bewundern Ihre mutigen und stets konkreten Schritte“, sagte Bischof Ladislav Nemet, Präsident des weltweiten Messdienerverbandes.

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