Ministerpräsident Kretschmann legt sich noch nicht fest, was seine Zukunft anbelangt. Foto: dpa

Wie stellt sich Ministerpräsident Kretschmann seine Zukunft vor? Der 69-Jährige macht noch keine klare Ansage – aber eine Andeutung.

Stuttgart - Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat eine mögliche Kandidatur für eine dritte Amtszeit angedeutet, sich aber noch nicht festgelegt. „Sie müssen damit rechnen, dass ich noch mal antrete“, sagte er am Dienstag in Stuttgart. Zugleich machte er klar, dass er sich noch nicht entschieden habe. Er wisse heute nicht, wie es ihm in zwei Jahren gehe, was dann mit der Bundespartei sei und wie ihn dann seine Enkel faszinierten. „Das Leben ist voller innerer und äußerer Reize.“ Er halte es für „Blödsinn“, zum jetzigen Zeitpunkt Debatten um seine Zukunft zu führen. Kretschmann regiert seit 2011, zunächst mit der SPD, seit 2016 mit der CDU als Juniorpartner. Die nächste reguläre Landtagswahl ist im Jahr 2021.

Die Landes-CDU dürfte über Kretschmanns Andeutung nicht erfreut sein. Denn bei der Landtagswahl 2016 hatte sie klar gegen die Grünen verloren - auch deshalb, weil Kretschmann als Regierungschef so beliebt ist und er seine Partei auf mehr als 30 Prozent hieven konnte. Damit wurde die Ökopartei erstmals stärkste Kraft überhaupt in einem Bundesland, während die CDU nur auf den zweiten Platz kam.

Die Nachfolgedebatte war auch deshalb wieder entflammt, weil für den aus Baden-Württemberg stammenden Cem Özdemir nun kein Spitzenposten im Bund frei ist. Als Bundesvorsitzender will er nach zehn Jahren im Amt nicht wieder antreten. Chef der Grünen-Bundestagsfraktion wäre er gerne geworden, doch da sieht Özdemir für sich keine Mehrheit.

Kretschmann stärkt Özdemir

Kretschmann bekräftigte, er halte Özdemir für einen der profiliertesten und beliebtesten Politiker, den die Grünen hätten. Dass er nun auf Bundesebene durchs Rost falle, halte er angesichts der derzeitigen Situation für die Grünen für sehr riskant. Die Grünen sind im Bundestag die kleinste Oppositionspartei. Kretschmann befürchtet, dass sie sich neben der lautstarken Alternative für Deutschland (AfD) und der FDP mit ihrem rhetorisch versierten Führungsmann Christian Lindner nur schwer Gehör verschaffen kann. „Aber ich bin sicher, dass er seinen Weg trotzdem finden wird, weil sich Qualität durchsetzt“, meinte Kretschmann zu Özdemir. „Die Berliner Bühne wird oft neu bespielt, da ist noch nicht alle Tage Abend.“

Özdemir sagte unserer Zeitung, dass er sich eine weitere Kandidatur Kretschmanns wünsche. Eigene Ambitionen, Regierungschef in Stuttgart zu werden, habe er nicht. „Ich kann nicht in die Zukunft schauen, aber diese Frage stellt sich für mich nicht.“

Kretschmann kritisierte, das Flügelschlagen der linken Grünen im Bund nehme wieder zu. Dies werde auch den realpolitischen Flügel dazu zwingen, sich wieder stärker zu profilieren. Diese Aufgabe komme vor allem den baden-württembergischen Bundestagsabgeordneten zu. Der Landesverband der Südwest-Grünen wird von Realpolitikern dominiert.

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