Ministerpräsident Kretschmann: Landesweit sterben die Wälder. Foto: dpa

Nach zwei trockenen Sommern ist der Wald im Land drastisch geschädigt. Ministerpräsident Kretschmann wird deutlich: „Wir sind in einer echten Krisensituation.“

Ühlingen-Birkendorf - Nach starken Schäden in den Wäldern durch Trockenheit und Borkenkäfer will die Landesregierung betroffenen Waldbesitzern mit millionenschweren Hilfen unter die Arme greifen. „Wir sind in einer echten Krisensituation“, sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) bei einer Waldbegehung am Dienstag in der Schwarzwaldgemeinde Ühlingen-Birkendorf (Kreis Waldshut). Geprüft werde, wie Waldbesitzern geholfen werden könne und wie Wälder langfristig gerettet werden könnten. Es gebe landesweit sterbende Wälder. Die Schadenshöhe lasse sich noch nicht beziffern, sagte der Regierungschef. Ein Ende der Krise sei nicht abzusehen.

Kretschmann unterbrach seinen Sommerurlaub, um sich im Schwarzwald ein Bild von den Schäden zu machen. Baden-Württemberg sei als waldreiches Bundesland von der Entwicklung besonders betroffen. Die Landesregierung müsse handeln, sagte er. Für Nothilfe müsse Geld bereitgestellt werden. „Wir müssen jetzt vor allem auch schauen, wie wir den privaten Kleinwaldbesitzern helfen können. Das ist ja für die oft eine Sparkasse im Schwarzwald gewesen“, sagte er. Die Holzpreise seien aber am Boden, für Waldbesitzer gehe es um die Existenz.

Notfallplan für geschädigte Wälder

Für Anfang September hat die Landesregierung schon einen baden-württembergischen „Waldgipfel“ angekündigt. Mit den Verbänden soll dann über die Lage und die nächsten Entscheidungen beraten werden.

Forstminister Peter Hauk (CDU) sprach von Schäden, die sich schon jetzt im dreistelligen Millionenbereich bewegten. Der Minister hatte vor rund einem Monat einen Notfallplan in Aussicht gestellt. Mit den Verbänden soll dann über die Lage und die nächsten Entscheidungen beraten werden. Zudem fordert er Hilfszahlungen vom Bund für den Schutz der Wälder. „Sehr viele Wälder der rund 240 000 Waldbesitzer im Land sind durch den Klimawandel stehend k.o.“, mahnte er in Ühlingen-Birkendorf. „Das Thema wird uns auf Jahre und Jahrzehnte hinaus beschäftigen.“

Bundeswehr soll nicht aushelfen

Nur mit neu gesetzten Bäumen lässt sich das Problem aus Sicht der Gewerkschaft IG Bau allerdings nicht lösen. „Um den Wald besser an den Klimawandel anzupassen, muss er großflächig angepasst und noch intensiver gepflegt werden“, sagte Martin Schwenninger von der Landesvertretung Forst und Naturschutz der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt in Bonndorf (Kreis Waldshut). „Dafür braucht es Menschen, die im und für den Wald arbeiten.“ Nötig seien als Sofortmaßnahme 100 zusätzliche Forstwirte. Außerdem müssten 150 zusätzliche Stellen finanziert werden, damit Waldbesitzer beraten werden können.

Die Bundeswehr soll im Kampf gegen Käfer und Klimakrise dagegen in Baden-Württemberg nicht aushelfen: „Das ist für uns kein Thema“, sagte eine Sprecherin Hauks. Aus anderen Regionen sollen dem Verteidigungsministerium dagegen Anfragen vorliegen, Amtshilfe zu leisten.

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