Die Opernhaus-Sanierung? Ist weit in den Hintergrund gerückt. Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat die milliardenschwere Opernhaus-Sanierung zur „Jahrhundertaufgabe“ ausgerufen – doch die Chaos-Tage bei den Stuttgarter Grünen bringen das Schweigen zurück, meint unser Autor Nikolai B. Forstbauer.

Stuttgart - Still ruht nicht nur der Eckensee zwischen Neuem Schloss, Landtag, Kunstgebäude und den Staatstheater-Spielstätten Opernhaus und Schauspielhaus. Still ist es auch um die geplante Sanierung des Opernhauses und die Erweiterung des Staatstheater-Areals um 10400 Quadratmeter Nutzfläche. Die durch den grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann ausgerufene „Jahrhundertaufgabe“, mit möglichen Kosten von einer Milliarde eben noch Anlass heftiger Diskussion, ist aus dem Blick geraten.

Was ist passiert? Nichts, beschwichtigen Stadt und Land, die nächsten Schritte würden vorbereitet. Stimmt, der Verwaltungsrat der Staatstheater, mit 1400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterinnen eines der größten Dreispartenhäuser (Oper, Ballett und Schauspiel) der Welt, soll im März über einen Vorschlag von Stadt und Land abstimmen, zudem der Gemeinderat der Stadt Stuttgart mit einem Grundsatzbeschluss den Weg für das Projekt freimachen.

Wo ist der positive Widerhall in Stuttgart?

Doch all dies braucht Rückenwind, braucht Begeisterung – und positiven Widerhall in der Bevölkerung. Von selbst aber wird die notwendige Positiv-Welle nicht entstehen. Dafür braucht es Köpfe und Stimmen. Die wichtigste Stimme aus der Landeshauptstadt Stuttgart selbst ist die des Oberbürgermeisters. Fritz Kuhn aber hat sich mit seiner Ankündigung, bei der OB-Wahl in diesem November nicht für eine zweite Amtszeit kandidieren zu wollen, selbst zu einem guten Stück aus dem Spiel genommen. Wohl in der Annahme, seine Partei würde den Marathonstab Opernsanierung offensiv weitertragen.

Die Realität: Landtagspräsidentin Muhterem Aras, zuvor als Kuhn-Nachfolgerin hoch gehandelt, will so wenig in den OB-Wahlkampf eingreifen wie Petra Olschowski, aufstrebende Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Die Opernhaus-Sanierung? Ist weit in den Hintergrund gerückt. Die Chaos-Tage bei den Stuttgarter Grünen bringen das Schweigen zurück.

Begeisterte Köpfe für neue Allianzen gesucht

Ist aber nicht gerade bei einem solchen Großprojekt Ruhe wohltuend? Das Argument geht fehl. Eine unaufgeregte Steuerung ist nicht zu verwechseln mit einer Stille, die vor allem Unsicherheit provoziert. Unsicherheit über den weiteren Kurs im Stuttgarter Rathaus. Unsicherheit damit auch über die notwendige offene Debatte über den Zuschnitt und die zeitliche Abfolge gleich mehrerer Wettbewerbe: für den Bau einer Ausweichbühne für Oper und Ballet bei den Wagenhallen, für die Sanierung des Opernhauses, für die Erweiterung des Staatstheater-Areals, für den städtebaulichen Gesamtblick auf das Szenario zwischen Königstraße, Hauptbahnhof und Adenauerstraße.

Nicht zu vergessen: Noch immer fehlt eine klare Positionierung der CDU-Fraktion im Stuttgarter Landtag, noch immer auch gilt der durch Alexander Kotz, Vorsitzender der CDU-Gemeinderatsfraktion für die Stadt ausgerufene Finanzierungsdeckel von 300 Millionen Euro. Heißt: Eine neue grüne Kandidatin, ein neuer grüner Kandidat für die OB-Wahl hat in Sachen Opernhaus einen ganzen Wald an offenen Fragen vor sich. Und wer für die CDU ins OB-Rennen geht, wird sich kaum zuvorderst für die städtebauliche Neuordnung in Stuttgarts Zentrum verkämpfen.

Gerade jetzt aber gilt es, die Flagge der „Jahrhundertaufgabe“ zu hissen, die Debatte um die Ausgestaltung zu führen. Dies könnte und müsste die Stunde der viel beschorenen Stadtgesellschaft sein. Die Stunde begeisterter Köpfe für neue Allianzen.

nikolai.forstbauer@stuttgarter-nachrichten.de

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