Kunstministerin Theresa Bauer und OB Fritz Kuhn müssen im Verwaltungsrat der Staatstheater die Weichen stellen. Intendant Marc-Oliver Hendriks (im Hintergrund) ist gespannt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Kostenschätzung für die Sanierung und Erweiterung der Staatsoper ging weiter in die Höhe. Nun liegt die Prognose bei rund einer Milliarde Euro. Dennoch könnten Land und Stadt das wohl finanzieren – wenn sich die Stadträte und die Landtagsabgeordneten für diese Lösung entscheiden.

Stuttgart - Im Jahr 2014 schätzte man die Kosten noch vage auf gut 300 Millionen Euro – und jetzt drohen bei der Sanierung und Erweiterung der Staatsoper Kosten von rund einer Milliarde Euro. Ist das noch zu stemmen? Sprengt das nicht die finanziellen Möglichkeiten und die Haushalte von Land und Stadt? Wer sich das fragt, bekommt im Finanzministerium und im Rathaus Entwarnung signalisiert, wenngleich die vermutete Kostenbelastung – die das Land und die Stadt vertragsgemäß im Grundsatz je zur Hälfte übernehmen müssten – keineswegs verharmlost wird.

„Die Kosten werden sich zum Glück nicht kurzfristig in voller Höhe im Haushalt niederschlagen, sondern in Tran­chen“, erklärt Benjamin Hechler, Sprecher des Finanzministeriums. Und nach allem, was bekannt ist, dürfte die Wiedereröffnung der sanierten und erweiterten Staatsoper am Eckensee nicht vor 2030 oder 2032 möglich sein. Im Moment sind im Haushaltsentwurf des Landes für 2020 und 2021 insgesamt 27 Millionen Euro als Planungsmittel vorgesehen, die drinbleiben werden, falls der Landtag nicht anders entscheidet. Außerdem gibt es eine Rücklage von 140 Millionen Euro für Maßnahmen bei den Staatstheatern in Stuttgart und Karlsruhe. Die Finanzministerin hat soeben zur Debatte gestellt, diese Rücklage um 80 Millionen Euro zu erhöhen.

Bei der Stadt gibt es wie beim Land eine Rücklage

Die Rücklage könnte als Puffer dienen, wenn sich die Baukosten im einen oder anderen Jahr erhöhen. „Es geht bei solchen Rücklagen nie um die vollständige Abdeckung der Kosten“, sagt Hechler. Und er relativiert die jährlichen Ausgabeposten für die Oper auch ein wenig: „Das komplette Bauvolumen des Landes für alle Liegenschaften beträgt eine Milliarde Euro – pro Jahr.“

Ähnlich ist die Lage bei der Stadt. Sie hat für „kulturelle Infrastruktur“ 197 Millionen Euro zurückgelegt aus früheren Haushaltsüberschüssen. Auch ihr Aufwand verteilt sich über rund ein Jahrzehnt. Und noch gilt: Die Stadt ist nach guten Jahren sehr liquide. Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) ist eines besonders wichtig: dass nach Bestimmung des konkreten Aufwands ein „Kostendeckel“ erlassen wird. Und außerdem: dass eine Projektsteuerung in der Realisierungsphase die Erhöhung der Kosten verhindert.

Würde eine Neubaulösung für die Oper auch nicht günstiger?

Eine ganz andere Frage ist, ob man es für vernünftig hält, um die 1000 Millionen Euro in die Sanierung und Erweiterung der Staatstheater zu stecken – oder ob die Oper nicht vom angestammten Max-Littmann-Bau in einen Neubau umziehen sollte. „Günstiger wird so eine Variante eher nicht“, sagt dazu der Ministeriumssprecher, denn der Littmann-Bau und gegebenenfalls auch das heutige Kulissengebäude müssten dann für andere Nutzungen saniert oder umgebaut werden. Die Wissenschafts- und Kunstministerin Theresia Bauer und Oberbürgermeister Fritz Kuhn (beide Grüne), die im Verwaltungsrat der Staatstheater die Weichen für das Projekt stellen, haben für einen Plan B mit Neubau keine Vorliebe erkennen lassen. Bei den Stadträten und vielleicht auch bei den Landtagsfraktionen spielt das Thema Neubau aber eine gewisse Rolle.

Zunächst gehe es beim Land nun darum, sagt der Sprecher des Finanzministeriums, ob die 27 Millionen Euro für Vorplanungen und einen Architektenwettbewerb im Sinne der von den Staatstheatern gewünschten Lösung ausgegeben werden. Danach würde man konkrete Kosten kennen. Dann wäre zu entscheiden, ob für die Umsetzung dieser Pläne Geld in die Haushalte kommt.

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