Kerem Arslan (r.) trainiert den Bezirksligisten Türkspor Stuttgart: Ein ausdrückliches Salut-Verbot gibt es für seine Spieler nicht. Foto: Yavuz Dural

Türkspor Stuttgart nennt sich selbst die schwäbisch-türkische Nationalmannschaft. Wie wird beim Bezirksligisten am Wochenende gejubelt? Der Trainer vertraut in dieser Frage auf seine Spieler.

Stuttgart - Der Militärgruß der türkischen Nationalmannschaft hat auch die Fußball-Plätze der Amateure im Südwesten erreicht. Dem Württembergischen Fußballverband (WFV) sind bereits zwei Nachahmer bekannt, derzeit werden Stellungnahmen der Spieler eingeholt. Erst danach wird entschieden, ob es zu Sanktionen kommt, so Verbandssprecher Heiner Baumeister. Für das Sportgericht stehen zwei Vergehen im Verdacht: Diskriminierung und unsportliches Verhalten.

Zieht die Handbewegung an die Stirn eine Strafe nach sich, wird der Jubel ihrer Spieler für die Fußballvereine der Region brisant. Insbesondere für jene, die viele Spieler mit türkischem Hintergrund auf dem Platz stehen haben.

Kein spezielles Jubel-Verbot bei Türkspor Stuttgart

Bei Trainer Kerem Arslan und seinem Kollegen Damir Bosnjak ist das der Fall. Das Duo steht gemeinsam an der Seitenlinie von Türkspor Stuttgart. Der Bezirksligist beschreibt sich selbst als schwäbisch-türkische Nationalmannschaft. Trainer Arslan betont die Offenheit des Klubs: „Bei uns spielen Serben und Kroaten, hier ist jeder willkommen. Und ob jemand bei uns mit kurdischen Wurzeln spielt, ist völlig irrelevant.“

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Der Militär-Gruß der türkischen Nationalspieler sei zwar medial unglaublich präsent gewesen – in der Kabine und den Chatverläufen der Türspor-Mannschaft habe der Salut jedoch keine Rolle gespielt. Am kommenden Samstag steht das Spiel gegen die Sportvereinigung Feuerbach an. Und die Türkspor-Trainer werden kein spezielles Jubel-Verbot für die Spieler verhängen.

Sanktionen des Vereins eher unwahrscheinlich

Kerem Arslan begründet das: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Jungs ihre politischen Ansichten auf dem Platz ausleben. Das machen sie privat. Fußball ist Fußball, politische Zeichen haben auf dem Platz nichts zu suchen. Aber das entscheidet jeder für sich.“ Und was passiert, wenn trotzdem zu Zuschauern oder Gegenspielern salutiert wird?

Arslan lässt durchblicken, dass Sanktionen seitens des Vereins eher unwahrscheinlich sind. „Sollte eine Diskriminierung vorliegen, werden wir natürlich darüber sprechen. Aber wir wollen eine Fußballmannschaft bleiben.“

Militärgruß wird unterschiedlich interpretiert

Bleibt noch die Frage nach seiner eigenen, ganz persönlichen Meinung. Er selbst war in Paris im Stadion, als die türkischen Nationalspieler in der EM-Qualifikation gegen Frankreich das Militär symbolisch grüßten. Für Arslan symbolisiert der Gruß eine Anteilnahme für gefallenen Soldaten und die Solidarität mit den Angehörigen. Es ist nicht die Zustimmung für einen kriegerischen Akt, betont der 25-Jährige. „Niemand will, dass Menschen sterben.“

Der WFV sieht das übrigens anders, wie einem Statement von Verbandssprecher Heiner Baumeister zu entnehmen ist: „Die Unterstützung kriegerischer Handlungen durch entsprechende öffentliche Bekundungen im Rahmen eines Fußballspiels sind mit unseren Verbandsgrundsätzen nicht in Einklang zu bringen.“ Der Verband will im Vorhinein mögliche Strafen für den umstrittenen Jubel verhindern. Im Moment werden Anschreiben vorbereitet, um die Vereine vor dem kommenden Spieltag zu sensibilisieren.

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