Die australische Band Midnight Oil ist derzeit auf Tournee. Foto: Music Circus/Tony Mott

Als wären sie nie weg gewesen: Die Rockband Midnight Oil hat auf der Freilichtbühne Killesberg eine fulminante Show abgeliefert.

Stuttgart - Zwischen Sydney und Stuttgart liegen ungefähr 16 500 Kilometer, 23 Stunden mit dem Flieger. Am Mittwochabend zoomen Peter Garrett und seine Musiker den fernen Kontinent Australien wie mit einem Fingerschnippen heran: Kaum sind auf der Freilichtbühne die ersten Takte ihres Ohrwurm-Hits „The Dead Heart“ erklungen, kaum hat der Frontman seinen kantigen Glatzkopf den Zuschauern zugewandt – schon ist man mitten im Outback. Wenige Songs später zieht zu Garretts markigem Mundharmonika-Spiel bei „Truganini“ roter Wüstensand über den grünen Killesberg-Rücken, und alle reiten mit ihm im Galopp durch die Ödnis, um sich über die Entrechtung der Aborigines zu empören.

Ja, Down Under ist weit, weit weg, und lang, lang mag es her sein, dass Midnight Oil mit ihrem knackigen Rock und ihren klaren Polit-Botschaften jede Land-Disco der Republik beschallten. Auf dem Killesberg fühlt es sich für die rund 2500 Fans an diesem Sommerabend so an, als ob sie nie damit aufgehört haben und es diese 15-jährige Bandpause zwischen 2002 und 2017 nicht gegeben hat. Dass ihre Message von damals, ihr röhrendes Aufbäumen gegen Krieg, Ausbeutung und Umweltzerstörung, die Zeitläufte unbeschadet überstanden hat, ist dabei eine traurige Erkenntnis.

Immer noch umwerfend mitreißend: „Beds are burning“

Traurigkeit hat an diesem Abend dennoch keine Chance; zwei Stunden lang zappelt der zwischenzeitliche Umweltminister Garrett wieder in seiner unvergleichlichen Art über die Bühne und liefert mit seinen ungemein präsenten Mitstreitern an Gitarre, Bass, Drums und Keyboards eine fulminante Rock-Show, alles hand-made, bestückt aus dem Fundus ihrer allein elf Studioalben umfassenden Band-Karriere. Das obligatorische und immer noch umwerfend mitreißende „Beds are burning“ und die Pazifismus-Hymne „Forgotten Years“ setzen den Schlusspunkt.

Zwischendrin überlässt der 66-jährige Charismatiker Garrett den Bühnen-Hauptplatz demokratisch immer wieder seinen Bandmitgliedern. Die beeindrucken allesamt mit einer brillanten Performance; bei „Short Memory“ etwa verblüfft Jim Moginie, die meiste Zeit des Abends an der Gitarre, mit einer umwerfenden Jazz-Improvisation an den Keyboards.

Nur ein Zugabenset mit drei Stücken dürfen sie liefern, mit „Warakurna“ ganz zuletzt noch einmal beseelt beweisen, wie sie sehr sie noch für ihre Ideale, ihren Rock brennen. Dann ist Punkt 22 Uhr Schluss, damit auf der schwäbischen Hauptstadt-Halbhöhe die Nachtruhe einkehrt – und Australien rückt wieder in weite, ja, in sehr weite Ferne.

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