Michael Schulte hat durch den vierten Platz beim ESC im Jahr 2018 seinen Durchbruch gehabt. Beim ersten Steillagen-Festival in Weinstadt ist er mit seiner Band der Topact.Foto:Markus Haner Foto:  

Viel Schwung mit neuen Songs verspricht Michael Schulte seinem Publikum beim Steillagen-Festival in Weinstadt. Dieser feiert in diesem Jahr Premiere, soll dann jährlich im Ortsteil Großheppach stattfinden. Vor dem Auftritt am 9. August haben wir mit Michael Schulte gesprochen.

Weinstadt - Michael Schulte ist der Headliner bei der Festivalpremiere Anfang August. Im Interview blickt er auf seinen steilen Aufstieg zurück und verrät, was ihn auf dem Boden hält.

Herr Schulte, Sie sind beim Eurovision Song Contest 2018 Vierter geworden. Sind Sie enttäuscht, dass es nicht für mehr gereicht hat?

Nö, da kann ich nicht enttäuscht sein. Die Erwartungen in Deutschland und bei mir waren deutlich drunter. Mein persönliches Ziel war es beim ESC unter die Top Ten zu kommen, auch wenn ich wusste, dass das nicht so einfach ist. Platz vier ist da ein tolles Ergebnis, gerade wenn man daran denkt, wie Deutschland in der Vergangenheit abgeschnitten hat. Dann ist das das zweitbeste Ergebnis in den letzten 30 Jahren. Da kann man schon stolz sein.

Würden Sie sagen, dass Ihr Auftritt in Lissabon Ihr endgültiger Durchbruch war, um auch als eigenständiger Künstler wahrgenommen zu werden?

Ja, das hat echt das nächste Level gebracht nach meinen Youtube-Geschichten und meiner Teilnahme bei „The Voice of Germany“. Ich war zuvor schon ein bisschen bekannt, habe viele Konzerte und tolle Tourneen gespielt. Aber durch den ESC ist es schon noch einmal etwas anders geworden. Ich spiele noch mehr Konzerte vor viel mehr Leuten. Der breiten Masse bin ich jetzt wahrscheinlich auch noch mehr bekannt.

Ihren ESC-Song „You Let Me Walk Alone“ haben Sie bei einem Berliner Song-Writing-Camp ja gemeinsam mit den Komponisten Thomas Stengaard, Nisse Ingwersen und Katharina Müller geschrieben. Wie viel Persönliches steckt darin?

Da steckt sehr viel Persönliches drin. Das ist meine Geschichte, der Verlust meines Vaters als ich 14 Jahre alt war. Das ist bei allen meinen Songs so, dass sie eine persönliche Geschichte haben. Für mich ist das wichtig. Denn das Publikum merkt, ob jemand nur über irgendetwas singt oder über etwas sehr Persönliches.

Haben Sie das Lied ein Stück weit auch Ihrer Mutter gewidmet?

Es geht zwar vor allem um den Verlust meines Vaters, aber natürlich ist meine Mutter auch ein Teil der Geschichte. Sie haben mich zu zweit großgezogen. Und ich singe ja nicht nur über den Verlust, sondern auch über sehr schöne Seiten gemeinsam mit Mutter, Vater und Geschwistern.

Wann haben Sie mit dem Singen angefangen?

So genau kann ich das nicht sagen, vermutlich im Alter von fünf Jahren, auf jeden Fall sobald ich singen konnte. Und ich habe ziemlich viel gesungen, auch schon als junger Bursche. Den ganzen Tag habe ich gesungen bis ich meine Familie genervt habe. Denn zwölf Stunden am Tag war das schon anstrengend, auch für meine Geschwister. Gesangsunterricht habe ich nie gehabt. Daher hat mich wahrscheinlich das viele Singen vorangebracht. Noch heute ist es für mich Learning by Doing. Denn Talent allein reicht nicht, man muss auch etwas daraus machen.

Sie haben etwas daraus gemacht und in jüngster Zeit einen ziemlich kometenhaften Aufstieg hingelegt. Da muss man aufpassen nicht abzuheben. Was hilft Ihnen dabei?

Da hilft mir meine nordische, entspannte Art, meine Familie und, dass ich weiß, wo ich herkomme und, dass es schnell auch wieder zu Ende sein kann. Denn ich hatte auch meine Tiefpunkte als Musiker. Ich bin nicht von null auf hundert gekommen. Bis zum großen Erfolg hat es gedauert, mehr als zehn Jahre als professioneller Musiker.

Nicht mehr lange dauern wird es, bis Sie beim Steillagenfestival am 9. August auftreten. Was erwartet die Konzertbesucher in Weinstadt?

Sie erwarten viele Songs von meinen Alben, eine grandiose Band und eine gemischte Show mit ruhigen Songs und neueren tanzbaren. Der ein oder andere wird überrascht sein, dass das Konzert gar nicht so ruhig wird wie der ESC, sondern auch Schwung drin ist, eine coole Show mit für jeden etwas.

Haben Sie als Nordlicht schon einmal vor einem solchen schwäbischen Publikum gesungen?

Ja, ich war schon öfter hier im Raum. Ich war schon in ganz Deutschland.

Wie ist das schwäbische Publikum?

Das Publikum im Norden ist teilweise etwas ruhig und nordisch kühl. Im Süden wiederum sind die Menschen euphorischer, leidenschaftlicher. Das ist echt ein tolles Publikum. Ich erwarte, dass die Leute voll mitgehen und Stimmung machen werden.

Premiere zur Gartenschau

Festival
Die Stadt Weinstadt organisiert das Steillagen-Festival in Kooperation mit der Pop-Akademie Baden-Württemberg. Die Open-Air-Veranstaltung findet am Wochenende 9. und 10. August erstmalig im Rahmen der Remstal-Gartenschau statt, soll jedoch zu einem alljährlichen Event werden. Bei seiner Premiere steigt sie auf dem Gartenschaugelände Mühlwiesen an der Brückenstraße in Großheppach. Der künftige Veranstaltungsort wird indes ein in dem Weinstädter Stadtteil am Fuße von Weinbergen sich befindender Sportplatz sein, von dessen Lage abgeleitet ist bereits der Name des Festivals.

Programm
Als Headliner tritt am 9. August Michael Schulte von 21 Uhr an auf. Zuvor als Co-Headlinerin steht von 19.45 Uhr an Lotte auf der Gartenschau-Bühne am Remsufer. Charlotte Rezbach, wie die 23-Jährige aus Ravensburg mit bürgerlichem Namen heißt, hat schon für viele prominente Kollegen wie etwa Max Giesinger, Benne oder Johannes Oerding mit ihrem Vorprogramm die Konzertbesucher in Stimmung gebracht. Zudem spielen an den beiden Festivaltagen jeweils drei Absolventenbands der Pop-Akademie beziehungsweise Gruppen aus dem Spitzenförderprogramm der Mannheimer Talentschmiede. So treten vor Lotte und Michael Schulte die Bands Yunus, Kind Kaputt und Fullax auf. Am zweiten Festivaltag sorgen Indieboy, Marspol und Fibel für Unterhaltung, bevor um 20.502 Uhr die Kölner Pop-Band OK KID als Headliner kommt. Das musikalische Programm startet jeweils um 16 Uhr. Einlass ist beides Mal bereits von 14 Uhr an. Die Veranstaltungen sind jeweils um 23 Uhr zu Ende.

Eintritt
Ein Tagesticket für das Steillagen-Festival kostet im Vorverkauf 32 Euro, an der Abendkasse 39. Für ein an beiden Veranstaltungstagen gültiges Kombiticket zahlt man 56 Euro.

Anfahrt
Von den Haltestellen der S-Bahnlinie S2 in Endersbach und Beutelsbach sowie vom Parkplatz Birkelstraße ist das Festivalgelände in rund 15 bis 25 Minuten zu erreichen. Zudem gibt es einen Busshuttle von der Birkelstraße zum Festivalgelände. Weitere Informationen zum Steillagen-Festival findet man hier.

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