Die Musik auf dem Marktplatz zieht Passanten an. Foto: factum/Weise

Die Stadt testet spezielle Boxen und macht Lärmmessungen, um „Sindelfingen rockt“ doch noch in die Innenstadt zurückzuholen. Unterdessen ist eine neue Protestaktion geplant.

Sindelfingen - Auf dem Sindelfinger Marktplatz herrscht das übliche Treiben währen des Wochenmarktes. Doch die Passanten interessieren sich neben Obst und Gemüse auch für ein Gerüst, das am Rand des Platzes aufgebaut wird. Hannes Wandel sollte dabei helfen, dieses Gerüst aufzubauen. Doch immer wieder kommen Passanten auf ihn zu und halten ihn von der Arbeit ab. Sie wollen wissen, ob denn nun doch wieder die Bühne für die Konzertreihe „Sindelfingen rockt“ aufgebaut wird. Das muss er verneinen.

Geduldig erklärt er einem älteren Mann, dass es sich lediglich um einen Test handele. „Wir beschallen den Marktplatz mit speziellen Boxen und machen dann Messungen“, sagt er. Das zweite Konzert der Veranstaltungsreihe „Sindelfingen rockt“ wird aber nicht auf dem Marktplatz, sondern wie schon das Auftaktkonzert auf dem Hofmeister-Gelände stattfinden. Der ältere Herr ist enttäuscht. „So ein Aufwand wegen der paar Leute“, brummt er und wendet sich ab. Gemeint sind die Anwohner, die gegen „Sindelfingen rockt“ geklagt haben. Eine dieser Klagen hatte Erfolg – das Verwaltungsgericht untersagte die Konzertreihe auf dem Marktplatz. Doch die Stadtverwaltung und die Bewohner wollen so schnell nicht aufgeben.

Der Sindelfinger Oberbürgermeister kämpft für „Sindelfingen rockt“

Als erste Maßnahme hatte die Stadt Beschwerde beim Verwaltungsgericht eingelegt. Doch dabei will es der Sindelfinger Oberbürgermeister Bernd Vöhringer nicht bewenden lassen. Er hatte bereits bei einer Protestaktion am vergangenen Mittwoch versprochen, dass man um „Sindelfingen rockt“ in der Innenstadt kämpfen werde.

Die Stadt hat deshalb ein Unternehmen für Umweltakustik damit beauftragt, den Test am Marktplatz mit speziellen Boxen durchzuführen. Um Bedingungen wie bei einem Konzert zu simulieren, werden die Boxen an ein Gerüst gehängt. Von dort aus soll der Marktplatz beschallt werden. „Die Boxen haben ein spezielles System, mit dem die Beschallung nierenförmig nach vorne geht, aber nach hinten reduziert wird“, erklärt Hannes Wandel. Nun will man messen, ob durch die Boxen der Lärm so reduziert wird, dass „Sindelfingen rockt“ künftig wieder auf dem Marktplatz stattfinden kann. „Die Boxen sind derzeit die besten auf dem Markt“, bestätigt auch Thomas Heine von dem Ingenieurbüro, das die Messungen durchführt.

Bürger planen weitere Protestaktion

Parallel dazu planen auch die Sindelfinger Bürger ihren Kampf um „Sindelfingen rockt“ fortzusetzen. Wie schon in der Woche zuvor haben Jörg Mornhinweg und seine Mitstreiter zu einer Protestaktion aufgerufen. Nach dem Konzert von „Alex im Westerland“ auf dem Hofmeister-Gelände sollen sich auf dem Marktplatz wieder Demonstranten mit Trommeln, Trompeten und Musik einfinden, um eine Protestparty gegen die klagenden Anwohner zu feiern. Ursprünglich hatte Mornhinweg es bei der einen Aktion zum Auftaktkonzert belassen wollen. „Aber die Leute wollten weiter machen“, erklärt der Sindelfinger. Deshalb wollte er die Protestaktion lieber selbst veranstalten, aber in geordneten Bahnen. „Dieses Mal haben wir die Demonstration beim Ordnungsamt angemeldet“, sagt Mornhinweg. Außerdem will er dafür sorgen, dass das Fest zwar laut, aber friedlich bleibt.

Ähnlich laut wie es schon am Dienstagnachmittag auf dem Marktplatz wird. Gegen 16.15 Uhr dröhnt Applaus wie bei einem Livekonzert über den Platz und die ersten Gitarrentöne erklingen. Die Musik ist extra basslastig ausgewählt worden und auf die Lautstärke eingestellt, die bei „Sindelfingen rockt“ im vergangenen Jahr gemessen wurde. Zwei Kinder stürmen begeistert auf die Lautsprecher zu und beginnen zu tanzen. Eine ältere Frau will erfreut wissen, ob denn abends ein Fest gefeiert wird. Die Passanten, die von der Musik angezogen werden, hoffen offenbar alle, dass es nicht beim Test bleiben wird.

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