Ralph-Michael Hohenstein (links) und sein Partner Philipp Lauinger in der Lagerhalle Foto: factum/Simon Granville

Die Messe Sindelfingen gibt nicht auf. Ihr Geschäftsführer Ralph-Michael Hohenstein kämpft weiter um das Überleben der Firma.

Sindelfingen - Bis August würde die Messegesellschaft Sindelfingen durchhalten können, das hat der Geschäftsführer Ralph-Michael Hohenstein im März gesagt, als die Corona-Krise mit voller Wucht über sein Unternehmen hereinbrach. Er ging aber davon aus, dass sich bis August die wirtschaftlichen Bedingungen geändert haben würden. Doch das taten sie nicht. Ralph-Michael Hohenstein hält immer noch durch. Muss er ja.

Nachdem im März alle Maschinen und Fahrzeuge in der Sindelfinger Messe stillgelegt wurden, gab es zunächst den Plan, die Messehalle als Notkrankenhaus zu nutzen. Allerdings gab der Landkreis den Plan bald auf, als klar wurde, dass die Krankenhausbetten und die Beatmungsplätze in Deutschland ausreichen würden.

Finanzielle Ressourcen anzapfen

Wie es sich für ein schwäbisches konservatives Unternehmen gehört, hat Hohenstein die eine oder andere finanzielle Ressource noch anzapfen können. „Wir sind kein Unternehmen, das die Gewinne individualisiert und die Kosten sozialisiert“, lautet Hohensteins Motto. Mit dieser Einstellung hat er es auch geschafft, seine 45 Mitarbeiter durch die Zeit der Kurzarbeit zu führen: „Es sind fast alle an Bord geblieben“, sagt er.

In den letzten Monaten gab es für Hohenstein viel zu tun: Er musste Tilgungen stunden lassen, sich bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau einen Kredit beschaffen, über Mietreduktionen verhandeln und vieles mehr. Er hat sogar noch expandiert. Zum 1. Mai hat die Messegesellschaft die Peter Sauber Agentur Messen und Kongresse übernommen, die bisher ihren Sitz in Stuttgart hatte. Der Grund für die Übernahme war der altersbedingte Rückzug des Geschäftsführers Peter Sauber. Klar, sagt Hohenstein heute, „der Zeitpunkt in der Corona-Krise war suboptimal, aber strategisch war die Entscheidung goldrichtig gewesen“.

Nachdem er ebenfalls die Corona-Hilfen der Bundesregierung erhalten hat, hofft er, auch das zweite Halbjahr 2020 den Betrieb am Laufen zu halten. „Wir sind wie ein Flugzeug, das im Flug kurz betankt wurde und damit seine Reichweite vergrößern kann“, sagt Hohenstein. Noch immer ist die Messe also im freien Flug, aber noch lange nicht im freien Fall, um im Bild zu bleiben. Auch wenn Hohenstein die Messen des zweiten Halbjahres absagen musste. Die Zielgruppe seiner Briefmarkenbörse sei ein eher älteres Publikum, das bei allem, was man über das Virus weiß, besonders gefährdet gewesen wäre.

Zu wenig Publikum für den Wintermarkt

Seinen Wintermarkt hat er abgesagt aus Platzgründen: Er hätte die Messe so einrichten müssen, dass pro Person sieben Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen. Doch ein Markt lebt vom Verkauf vieler kleiner Artikel, es wäre für die Beschicker des Wintermarkts einfach nicht genügend Publikum da gewesen. Eine kleine Hoffnung hat Hohenstein, dass Fisch und Reptil im Dezember stattfinden kann, eine Messe, die früher als einer seiner Publikumsmagneten galt.

Das Internet hilft dem Messemacher in der Krise nicht weiter. Zwar hat er die Ausstellungsstücke seiner Kunstmesse teilweise in virtuellen Räumen präsentiert, doch ist das für ihn nur ein Zusatzgeschäft. Eine Messe lebe vom direkten Austausch, sagt Hohenstein. Wir müssen zur Normalität zurückkehren, sagt er. „Sonst ist nicht nur der deutsche Messebau am Boden, sondern die gesamte deutsche Wirtschaft.“

Fakt ist: „Im März, habe ich ein bisschen die Hoffnung gehabt, dass die weltweite Hysterie in ruhiges Fahrwasser abgleitet, doch ich habe mich getäuscht“, sagt er. „Wir sind gerade in einer Situation, in der die Medizin gefährlicher für den Patienten ist als die Krankheit selbst.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: