Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisiert auf dem Katholikentag in Münster US-Präsident Donald Trump. Foto: dpa

Kanzlerin Merkel kritisierte Donald Trump für seinen Alleingang beim Atomabkommen. Die katholischen Bischöfe positionierten sich derweil in ihrem internen Streit um die Kommunion für Protestanten.

Münster - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Aufkündigung des Iran-Atomabkommens durch US-Präsident Donald Trump kritisiert. Das Abkommen sei zwar alles andere als ideal, sagte sie am Freitag beim Katholikentag in Münster. „Trotzdem glaube ich, dass es nicht richtig ist, ein Abkommen, das verabredet wurde, über das man dann im UN-Sicherheitsrat abgestimmt hat, einstimmig es gebilligt hat, dass man ein solches Abkommen einseitig aufkündigt. Das verletzt das Vertrauen in die internationale Ordnung.“

Die CDU-Chefin sprach vor rund 4000 Menschen. Der Präsident des Zentralrats der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, lobte sie dafür, dass sie das Schicksal der Flüchtlinge nicht als Sachfrage, sondern als eine Frage von Humanität betrachtet. „Dafür bleiben wir Ihnen dankbar.“

Der dritte Tag des Glaubenstreffens wurde daneben vom innerkirchlichen Kommunionsstreit geprägt. Die beiden Hauptkontrahenten - der Chef der Bischofskonferenz, Reinhard Marx, und der Kölner Kardinal Rainer Woelki - trafen zwar nicht direkt aufeinander, nahmen aber jeweils in Podiumsdiskussionen Stellung. In dem Streit geht es darum, dass die Bischofskonferenz mit Drei-Viertel-Mehrheit dafür gestimmt hat, protestantische Ehepartner im Einzelfall zur katholischen Kommunion zuzulassen. Sieben Konservative haben dagegen unter Federführung von Woelki im Vatikan protestiert.

Streit um Sakramentenlehre

Marx zeigte sich „überrascht“ darüber, dass die Reformdebatte teilweise so „ängstlich“ gesehen werde. „Da müssen wir Lösungen finden und nicht ständig überlegen: „Was geht nicht?“, sondern: „Was geht?““, sagte Marx. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, bezeichnete den Beschluss der Bischofskonferenz als „Riesenzeichen“.

Woelki wehrte sich gegen die Darstellung, er habe den Vatikan „heimlich oder hinterrücks“ informiert. Sofort nachdem das Thema in der Bischofskonferenz diskutiert worden sei, habe er deren Vorsitzendem Marx einen Brief geschrieben und darin eine universalkirchliche Lösung angemahnt. Woelki sagte: „Es hat der Vorsitzende nach der Abstimmung zu mir gesagt: „Du wirst dich ja jetzt nach Rom hinwenden.“ - „Ja, habe ich gesagt.“

Mit Unverständnis reagierte das ZdK auf Aussagen des Regensburger Bischofs Rudolf Voderholzer. Dieser hatte in einer Predigt gesagt, er weise jeden Versuch zurück, den Katholikentag zu nutzen, um Druck in der Debatte um den Empfang der Kommunion für evangelische Ehepartner aufzubauen. Es sei nicht Aufgabe der Laien, laute Forderungen in Fragen der Sakramentenlehre zu erheben.

Seehofer kritisiert Marx

In der Debatte um die Kreuz-Verordnung der bayerischen Landesregierung wurde Marx von CSU-Chef Horst Seehofer angegriffen. „Ich habe keinerlei Verständnis dafür, dass der Kardinal es kritisiert, wenn Kreuze in unseren bayerischen Behörden aufgehängt werden“, sagte Seehofer dem „Spiegel“. „Das Kreuz ist ein religiöses Symbol und gleichzeitig Ausdruck der christlichen Prägung Bayerns.“

Marx hatte gesagt, wer das Kreuz nur als kulturelles Symbol sehe, habe es nicht verstanden. Woelki sagte beim Katholikentag, man solle das Kreuz zwar „nicht von oben herunter vorschreiben“. Gleichzeitig sei aber auch richtig, dass das Kreuz in Deutschland nicht nur ein Religionssymbol sei, sondern auch ein Ausdruck staatlichen Selbstverständnisses.

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