Beschäftigte des nicht-ärztlichen Personals an der Uniklinik in Freiburg im April 2012 bei einem Warnstreik. Die Unikliniken im Südwesten fordern mehr Geld. Foto: dpa

Die Unikliniken im Südwesten schlagen Alarm: Die Anforderungen an die Hochleistungsmedizin wächst, mehr Geld oder Personal gebe es allerdings nicht.

Stuttgart - Volle Wartezimmer für Notfallpatienten, monatelange Terminvergabe in der Hochschulambulanz, überarbeitetes Personal - die Unterfinanzierung in der Hochschulmedizin schlägt sich auch in den Uniklinken im Südwesten nieder.

Auf ihrer Forderung, die besonderes Rolle der Universitätskliniken auch gesondert zu honorieren, haben die vier Häuser in Freiburg, Tübingen, Heidelberg und Ulm mit einer Aktionswoche „Wir leisten mehr: Die Deutsche Hochschulmedizin“ hingewiesen. Sie fürchten, in die roten Zahlen zu geraten, wie die Tübinger Kaufmännische Direktorin Gabriele Sonntag am Donnerstag in Stuttgart mitteilte. Ulm sei bereits in die Verlustzone abgerutscht. „Wir sind alle am Limit.“

An den Einrichtungen in Freiburg, Tübingen, Heidelberg und Ulm werden pro Jahr rund 250.000 Patienten stationär behandelt und rund 1,3 Millionen Patienten ambulant.

Der Generalsekretär des Verbandes der Universitätsklinika Deutschlands, Ralf Heyder, sagte: „Allen Unikliniken zusammen fehlt im Jahr insgesamt rund eine Milliarde Euro.“ Das Geld könne durch eine Pauschale von etwa zehn Prozent pro Fallpauschale eingespielt werden. Diese Forderung richtet der Verband der 33 Häuser an die Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Reform der Krankenhaus-Versorgung.

Bundesweit werden laut Verband zwei Drittel der Unikliniken das Jahr mit Defiziten abschließen. Besonders die Hochschulambulanz, auf die vor allem Patienten mit schweren und komplexen Erkrankungen angewiesen seien, kämpfe mit der Mittelknappheit, erläuterte Sonntag. Die Wartezeiten hätten sich in den vergangenen zehn Jahren auf derzeit durchschnittlich ein halbes Jahr verdoppelt - ebenso die Fallzahlen.

Manche Patienten wechselten dann in die ohnehin überfüllte Notfallambulanz, deren Ärzte zur Versorgung jedes Hilfesuchenden verpflichtet seien. Zwar habe der Entwurf eines Versorgungsstärkungsgesetz die Arbeit der Hochschulambulanzen stärker anerkannt, aber ob das die Krankenkassen in den Entgeltverhandlungen beeindrucke, sei eine zweite Frage, sagte Heyder.

Die Unikliniken verlangen auch für das Vorhalten von Kapazitäten für die Notfallversorgung Zuschläge. „Die Feuerwehr wird auch nicht pro Brand gezahlt“, sagte Heyder. Immer mehr Krankenhäuser schlössen oder zögen sich wegen Ärztemangels aus der Notfallversorgung zurück. Die Unikliniken seien mittlerweile die einzigen, die rund um die Uhr Spezialisten bereitstellten. Nur wenn die Notfallambulanz voll ausgelastet sei, könnten die Kosten gedeckt werden.

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