Freitagmorgen, Terminal 1: Passagiere warten vor der Sicherheitskontrolle. Foto: Lg/Julian Rettig

Die Warteschlangen vor den Sicherheitskontrollen in den Stuttgarter Flughafengebäuden sind am Freitagmorgen und -vormittag überschaubar geblieben. Bundespolizei und Flughafenbetreiber hatten sich für den Ansturm von bis zu 40 000 startenden und ankommenden Passagieren gerüstet.

Stuttgart - Riesenerleichterung bei der Betreibergesellschaft und bei der Bundespolizei, die für die Sicherheitskontrollen zuständig ist: Der Flughafen Stuttgart hat am Freitag die erste große Welle des Pfingstreiseverkehrs gut überstanden.

Am Morgen bildeten sich in den wichtigsten Terminals vor den Zugängen zu den Kontrollstellen zwar zeitweilig bis zu 40 Meter lange Schlangen, lange warten mussten die Fluggäste aber trotzdem nicht. Die Anzeigetafeln, die die ungefähren Wartezeiten anzeigen und mit denen die Flughafengesellschaft die Passagiere auf die Terminals verteilen will, vermeldeten meist zwei bis maximal sieben Minuten.

In der Spitze sei es während des ersten Andrangs im Zeitraum von 4 bis 6.30 Uhr zu maximal 15 Minuten Wartezeit gekommen, „doch das ist absolut in der Norm“, sagte Steffen Zaiser, Sprecher der Bundespolizei. Von „unakzeptablen“ Wartezeiten von bis zu einer Stunde, wie sie noch vor zwei Wochen aufgetreten waren, sei man jedenfalls weit entfernt. Dabei war der Freitag der wohl verkehrsreichste Tag der Pfingstreisesaison mit 357 geplanten Starts und Landungen sowie bis zu 40 000 Fluggästen. Das erste Flugzeug startete Schlag sechs Uhr. Vorher sind Starts nicht erlaubt.

Personell ist Vorsorge getroffen worden

Man hatte sich gewappnet. Die Flughafengesellschaft ließ die Check-in-Schalter schon eine Viertelstunde früher öffnen als üblich, nämlich um 3.45 Uhr. Außerdem setzte sie Freiwillige aus ihrer eigenen Belegschaft ein, um die Fluggäste an den Sicherheitskontrollen beim Ablegen von Handgepäck und Kleidungsstücken auf die Förderbänder zu den Kontrollgeräten zu unterstützen. „Bei den eigentlichen Kontrollen, die hoheitliche Aufgabe der Bundespolizei sind, wirken sie natürlich nicht mit“, sagte Flughafensprecherin Beate Schleicher. Hier hatte aber die Bundespolizei, die auf das private Sicherheitsunternehmen FraSec zurückgreift, reichlich Personal angefordert. Zu den wichtigsten Zeiten waren, abgesehen von einer Kontrollspur im lange Zeit gähnend leeren Terminal 4, alle 24 Kontrollstellen in Betrieb. FraSec habe aus Frankfurt und Berlin Mitarbeiter nach Stuttgart beordert und die Belegschaft auf 160 Leute aufgestockt, sagte Oezay Tarim, für die Luftfahrt zuständiger Gewerkschaftssekretär von Verdi in Nordrhein-Westfalen.

Passagiere sollen auch künftig zeitig zum Flughafen kommen

Polizei und Betreibergesellschaft wollen den guten Standard auch nach diesem Spitzentag aufrecht erhalten – allerdings auch ihren Appell an Reisende, möglichst zwei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein. „Wir werden uns jetzt nicht zurücklehnen, wir bleiben am Ball“, sagte Polizeisprecher Zaiser, „Szenen wie vor zwei Wochen sollen sich nicht wiederholen.“

Ob das Versprechen gehalten wird, ist eine Frage, die allen Fluggästen auf den Nägeln brennt. Kunden von Air Berlin haben noch ein Spezialproblem. Der Umbau der finanziell klammen Fluggesellschaft und ihres Flugbetriebs sorgt seit Wochen für eine Serie von Hiobsbotschaften in ganz Deutschland, besonders in Berlin. Auch die Zustände, was die Strecke Stuttgart-Berlin angehe, seien „katastrophal“, klagte ein Leser. Regelmäßig würden zwei Flüge pro Richtung und Tag annulliert, oft kurzfristig. Nach Informationen dieser Zeitung fielen im Mai 39 von 1081 An- und Abflügen von Air Berlin und der Schwestergesellschaft Niki in Stuttgart aus.

Air Berlin verspricht auch Besserung

Vor wenigen Tagen transportierte die Airline ihre Fluggäste einmal sogar per Bus von Berlin nach Stuttgart. Dazu sagte Air-Berlin-Sprecher Ralf Kunkel, es habe sich um einen Sonderfall gehandelt. Auf anderen Flügen habe man die Passagiere nicht unterbringen können. Und weil in Berlin so viele Veranstaltungen gewesen seien, habe man auch keine Hotelzimmer bekommen, um die Betroffenen bis zu einem Flug am nächsten Tag unterzubringen. Die Probleme stellte Kunkel nicht in Abrede. „Die letzten Wochen waren bedauerlich“, sagte er. Zuerst habe der neu verpflichtete Dienstleister Aeroground beim Gepäckhandling am Flughafen Berlin Anlaufschwierigkeiten gehabt. Er sei jetzt aber nicht mehr das Problem. Beim schmerzlichen Umbau von Air Berlin hätten ein Mangel an Piloten und Flugbegleitern sowie die Kapazitätsauslastung des Flughafens Berlin-Tegel ein Übriges zu Flugausfällen und instabilen Betriebsverhältnissen beigetragen. Inzwischen seien mehrere Maßnahmen ergriffen, die mit Beginn des Monats Juni Wirkung zeigen würden.

„Ende Mai war meines Erachtens der Kulminationspunkt“, sagte Kunkel, „inzwischen wird die Stabilität deutlich besser“. Air Berlin wolle das Angebot, das es im Stuttgarter Flugplan habe, „den ganzen Sommer über fliegen“.

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