Voith fertigt Teile mit gigantischen Ausmaßen – wie dieser Teil einer Wasserkraftturbine. Foto: dpa

Durch den Verkauf der Anteile am Roboterhersteller Kuka hat der Heidenheimer Maschinenbauer nun die Möglichkeiten, das weitere Wachstum zu finanzieren. Der neue Bereich Digital Solutions soll maßgeblich dazu beitragen.

Stuttgart - Der Verkauf der Anteile am Roboterhersteller Kuka hat dem Maschinenbaukonzern Voith einen Gewinnsprung beschert. Auf 566 Millionen Euro schnellte das Konzernergebnis im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres – es begann am 1. Oktober – in die Höhe. Im Jahr zuvor hatte das Heidenheimer Familienunternehmen noch einen Verlust von 48 Millionen Euro ausgewiesen. Auch bereinigt um den Kuka-Effekt hätte Voith schwarze Zahlen geschrieben, sagte Konzernchef Hubert Lienhard bei der Vorlage der Halbjahresbilanz. Allerdings hätte der Überschuss dann nur bei einer Million Euro gelegen.

Voith hatte sich Ende 2014 mit einem Anteil von 25,1 Prozent an dem Augsburger Roboterhersteller beteiligt; damals wurde darin der Einstieg in das Zukunftsthema Industrie 4.0 gesehen. Doch rund eineinhalb Jahre später sind die Heidenheimer bei Kuka wieder ausgestiegen – als dem chinesischen Midea-Konzern nach einem ausgesprochen attraktiven Angebot die Mehrheit am Roboterhersteller sicher war. Knapp 1,2 Milliarden Euro sind Voith dadurch zugeflossen. Nicht zuletzt dieses Geld hat nun dazu geführt, dass sich die Finanzausstattung des Maschinenbaukonzerns, der schwierige Zeiten einschließlich Personalabbau hinter sich hat, deutlich verbessert hat. Mit einer Eigenkapitalquote von 23,8 (Vorjahr: 14,9) Prozent und einem erheblich gewachsenen finanziellen Spielraum „ist Voith für neues Wachstum schlagkräftig aufgestellt“, so Lienhard.

100 Millionen Euro mehr für das Digitalgeschäft

Chancen rechnet sich der Konzern in dem neuen Bereich Digital Solutions aus. Voith mache substanzielle Fortschritte im Geschäft mit der digitalen Vernetzung. Erste Projekte seien bereits am Start – wie etwa die Plattform MerQbiz, über die in den USA Altpapier gehandelt wird. Zusätzlich 100 Millionen Euro will der Voith-Chef in den nächsten beiden Geschäftsjahren in die Entwicklung neuer digitaler Produkte und Lösungen investieren. Lienhard geht davon aus, dass dieser Bereich, im dem aktuell 1300 Mitarbeiter tätig sind, von 2019 an die Gewinnschwelle erreichen wird.

Wachsen will der Konzern aber auch in den angestammten Geschäftsbereichen; So hat Voith vor kurzem ein Werk in China eröffnet. Mit der Entwicklung im ersten Geschäftshalbjahr zeigte sich Lienhard zufrieden. Der Umsatz sei um knapp vier Prozent auf rund zwei Milliarden Euro gesunken. Verbessert haben sich die Betriebsergebnis in den Bereichen Hydro (Komponenten für Wasserkraftwerke) sowie Papier (Papiermaschinen). Gesunken ist das operative Ergebnis dagegen im Turbogeschäft, wo Antriebskomponenten für Branchen wie Bergbau, Schienenfahrzeuge oder Schiffstechnik angeboten werden.

Sechs Prozent mehr Aufträge

Nicht zuletzt durch den um sechs Prozent gestiegenen Auftragseingang ist Lienhard für den Verlauf des Geschäftsjahres positiv gestimmt: „Das laufende Geschäftsjahr verspricht ein gutes Jahr zu werden“. Er rechnet mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau. Das Betriebsergebnis werde deutlich positiv sein, aber wegen der Aufbaukosten des digitalen Geschäftes unter Vorjahresniveau liegen. Dank Kuka erwartet er einen Rekordüberschuss.

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