In der Vergangenheit lag die Stärke von Voith in der Mechanik – wie dem Bau von Wasserkraftturbinen. Jetzt wird man digital. Foto: dpa

Die Kassen des Maschinenbauers Voith sin gut gefüllt, dank des Anteilsverkauf am Roboterhersteller Kuka. Das Geld soll nun unter anderem in den Ausbau des Bereichs digitale Lösungen gesteckt werden.

Stuttgart - Voith will sich den Markt für Elektroantriebe erschließen. Das Familienunternehmen stellte nun einen Stadtbus vor, der mit seiner Technik ausgestattet ist. „Wir werden kein Bushersteller“, betonte Voith-Chef Hubert Lienhard bei der Vorlage der Bilanz. Die Heidenheimer sehen sich vielmehr als Zulieferer: Voith steuere den Elektromotor, die Steuerung und die Batterien zu dem Bus bei und integriere alles. Dabei würden die Batterien bisher noch komplett zugekauft. Der Elektromotor sei gemeinsam mit einem Partner entwickelt worden. Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) für Nutzfahrzeuge im Herbst soll der Bus vorgestellt werden; 2019 könnten die erste E-Busse mit Voith-Technik in deutschen Städten unterwegs sein. Wo das sein wird, ließ Lienhard offen. Er sagte lediglich, dass man etwa mit der Stadt Heidenheim, aber auch dem Versorger EnBW in Gesprächen sei.

Das Interesse der Städte scheint groß zu sein, deutete der Voith-Chef an. Denn bislang gebe es kein vergleichbares Angebot auf dem Markt, höre er in den Stadtverwaltungen. Das Besondere an den Bussen von Voith sei, dass wichtige Daten über den Buszustand jederzeit über eine App abrufbar seien. So würde der tatsächliche Streckenverlauf – einschließlich Steigungen und Gefälle – angezeigt. Gleichzeitig sei abrufbar, ob diese Strecke mit der vorhandenen Batterieladung zu bewältigen sei oder ob die Akkus zuvor geladen werden müssen. Lienhard deutete an, dass Busse technisch auch unterschiedlich ausgestattet sein können – je nachdem, ob sie vor allem im flachen oder im hügeligen Land unterwegs seien. Was ein solcher Elektrobus kostet, wollte der Voith-Chef nicht sagen. Er verschwieg auch, wie hoch der Voith-Umsatzanteil ist. Nur so viel: Mittelfristig strebe das Unternehmen mit Elektromobilität einen Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe an.

14 digitale Initiativen

Aber nicht nur die E-Mobilität hat Voith für sich entdeckt, sondern laut Lienhard auch eine „digitale Agenda“ aufgelegt. Alle 14 Initiativen verliefen planmäßig. Dazu gehöre „Merqbiz“ in Manhattan Beach bei Los Angeles, der weltweit erste digitale Marktplatz für Altpapier. Voriges Jahr hat Voith zudem die Mehrheit an der Digitalagentur Ray Sono übernommen. Mit dieser Technik können Voith-Mitarbeiter künftig Maschinen und Anlagen aus der Ferne überwachen. Ray Sono sei „ein Teil von ­Voith, der ist richtig hip“, erklärt Lienhard, der Ende März altersbedingt den Vorsitz der Voith-Geschäftsführung abgeben wird.

Das Maschinenbauunternehmen will innerhalb von zwei Jahren rund 100 Millionen Euro in das digitale Geschäft investieren. Leisten können sich das die Heidenheimer. „Wir sind strategisch und finanziell gut aufgestellt“, fasst Lienhard die Lage zusammen. Der Verkauf der Anteile am Roboterhersteller Kuka hat den Gewinn deutlich in die Höhe schnellen lassen: 596 Millionen Euro hat Voith im vergangenen Geschäftsjahr (30. September) verdient, nach einem Überschuss von 29 Millionen Euro im Jahr zuvor. Alle Geschäftsbereiche hätten mit einem deutlichen Gewinn abgeschlossen – auch die Papiersparte, lange Jahre das Sorgenkind der Heidenheimer. Als Konsequenz ist die Eigenkapitalquote auf 27 Prozent (Vorjahr: knapp 15) geklettert. Die Nettoliquidität liege bei knapp 650 Millionen Euro und biete den Spielraum für Zukäufe. Der Umsatz ist leicht auf 4,2 Milliarden Euro gesunken. Im laufenden Jahr werde mit einem „spürbaren Wachstum“ gerechnet, so Lienhard. Darauf deuten nicht zuletzt die Auftragseingänge hin, die sechs Prozent über denen des Vorjahres liegen. Den stärksten Anstieg verzeichnet dabei die Papiersparte.

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