„Alte Bande“ spielt in einer fiktiven Stadt im Südwesten Deutschlands. Foto: Lukas Jenkner

Markus Bundi hat mit „Alte Bande“ einen Schwabenkrimi vorgelegt, wie es ihn öfter geben sollte: Mit knorrigen Figuren, einem komplexen Fall und ganz ohne schwäbische Klischees.

Stuttgart - In Jedastedt, einer fiktiven Stadt in Baden-Württemberg, wird an einem Stauwehr die ramponierte Leiche eines illustren Kneipiers der Stadt gefunden. Frieda hieß früher einmal Friedrich, kokettierte mit dem Changieren zwischen den Geschlechtern und hatte sich im Laufe der Jahre zu einem Original in der Stadt entwickelt. Entsprechend war Frieda vernetzt, die Kontakte reichten vom Rotlichtmilieu bis in die besseren Kreise.

Hauptkommissar Walle Troller beginnt zu ermitteln. Er muss feststellen, dass ein langjähriger Kollege von der Sitte seine mörderischen Hände im Spiel und alles so arrangiert hat, dass Trollers Zwillingsbruder Jo ins Gefängnis einfährt. Warum das auf dem Buchrücken als grober Spoiler erzählt wird, wird wohl für immer das Geheimnis des Verlags bleiben, schließlich wird dem Leser damit eine krasse Wendung vorweg genommen.

Sympathisch-knorrige Ermittler

Aber sei’s drum, „Alte Bande“ bleibt allemal lesenswert. Denn auch wenn der Roman im Ländle verortet ist, kommt er ohne gängige Schwabenklischees aus und wirft das Panorama einer Stadtgesellschaft aufs Papier, die den Leser an Ulm, Freiburg oder Karlsruhe denken lässt: Groß genug, dass es sich „lohnt“, seine kriminelle Energie auszuleben, aber nicht so groß, dass Jedastedt der Nabel der Welt wäre.

Die sympathisch-knorrigen Ermittler Walle Troller und seine Kollegin Jette Hagen haben ihre persönlichen Dramen laufen, wie es sich für moderne Krimis seit Henning Mankells Kurt Wallander gehört, treiben aber die Ermittlungen in einer Mischung aus solider Polizeiarbeit und gelegentlicher Geistesblitze voran – bis zur Auflösung.

Reale Fälle der deutschen Kriminalgeschichte

Markus Bundi bedient sich in „Alte Bande“ munter in der bundesrepublikanischen Kriminalgeschichte: Er greift den Fall des Kunstsammlers Cornelius Gurlitt auf, in dessen Schwabinger Wohnung 2012 Hunderte Kunstwerke gefunden wurden, die teilweise seit 1945 als verschollen galten oder gar bis dahin gänzlich unbekannt gewesen sind. Erinnert wird der Leser an die Entführung des Bankiersohns Jakob von Metzler 2002, in deren Verlauf der Täter dem Täter Magnus Gäfgen vom Frankfurter Vizepolizeipräsidenten bei der Vernehmung Gewalt angedroht wurde, um den Aufenthaltsort des Elfjährigen zu erfahren.

Das alles verpackt Bundi in eine originelle Sprache, die die Gedankenwelten von Hagen und Troller stimmig aufnimmt und wiedergibt. Der Leser hat zwar nicht immer den Überblick über den aktuellen Ermittlungsstand, angesichts des vielfältigen Personaltableaus stört das aber nicht weiter.

Markus Bundi: Alte Bande. Kriminalroman. Septime Verlag Wien 2019. 480 Seiten, 25 Euro, auch als E-Book.

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