Schlägt sich tapfer mit der U19 der Blauen in der A-Junioren-Bundesliga: Trainer Marijan Kovacevic. Foto: Baumann

Die Stuttgarter Kickers messen sich im Nachwuchsbereich mit den ganz großen der Branche. An diesem Samstag kommt der FC Bayern nach Degerloch. Kickers-A-Junioren-Trainer Marijan Kovacevic äußert sich über die Schwierigkeit, mitzuhalten und die positive Entwicklung seines Teams.

Stuttgart - Der ehemalige Profi Marijan Kovacevic (45) ist bei Fußball-Oberligist Stuttgarter Kickers Sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) und Trainer der Bundesliga-A-Junioren. Mit der U19 ging es im Tabellenkeller zuletzt aufwärts, dennoch beträgt der Rückstand ans rettende Ufer vor dem Heimspiel gegen den FC Bayern München an diesem Samstag (14 Uhr/Bezirkssportanlage) sechs Punkte. Eine Überraschung würde den Blauen sechs Spieltag vor Saisonende gut tun. Mut macht das Hinspiel in München.

Herr Kovacevic, wie stehen die Chancen, dem großen FC Bayern München ein Bein zu stellen?

Bevor das Spiel losgeht, steht es 0:0. Wir müssen schnell unsere Nervosität ablegen und schauen, dass wir diesem übermächtigen Gegner Paroli bieten. Wenn sich die Chance bietet, wollen wir zuschlagen und auch punkten. Doch die Bayern dürften gewarnt sein.

Warum?

Sie sind im Heimspiel gegen uns über ein 1:1 nicht hinausgekommen. Das dürfte noch an ihnen nagen. Und sie haben auch sonst immer wieder einmal Punkte gegen schwächere Gegner gelassen. Wenn das Team von meinem Trainerkollegen Sebastian Hoeneß von seinem dritten Platz aus noch einmal ganz nach vorne kommen will, darf es nichts mehr liegen lassen.

Ihre Mannschaft hat als Tabellen-Vorletzter sechs Spieltage vor Schluss sechs Punkte Rückstand auf den rettenden viertletzten Platz. Sie brauchen doch eigentlich dringend etwas Zählbares gegen die Bayern.

Theoretisch ja. Eine Überraschung wäre Gold wert. Aber praktisch spielen wir gegen eine der besten Mannschaften der Liga. Wir haben auch danach noch fünf Spiele gegen den FC Ingolstadt, den FSV Frankfurt, den 1. FC Kaiserslautern, den SC Freiburg und den 1. FC Nürnberg. Drei davon sind direkte Konkurrenten, da lässt sich noch Boden gutmachen. Wir wollen gegen den FC Bayern ein gutes Spiel machen und unsere positive Entwicklung, unseren Aufwärtstrend fortsetzen. Wir haben die letzten vier Spiele nicht verloren.

Woran liegt es, dass das Erreichen dieser Stabilität so lange gedauert hat?

Ich hatte vor der Saison 14 Spieler aus der U17 in meinem Kader, acht davon standen in der Startelf. Die mussten sich in der U19 erst zurechtfinden. Das ist ein Prozess, kein einziger meiner Spieler hatte Bundesligaerfahrung bei den A-Junioren. Und eine Etage tiefer, in der Junioren-Oberliga, werden Fehler eben nicht auf Anhieb bestraft. In der U-19-Bundesliga klingelt es sofort.

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Die erste Mannschaft der Stuttgarter Kickers spielt in der Oberliga. Wie schwierig ist es, mit der U19 oder U17 ein wettbewerbsfähiges Team zu formen, das mit der Konkurrenz aus Nachwuchsleistungszentren von Bundesligisten mithält?

Wir haben bei den Kickers gute Strukturen, die man mit Leben füllen muss, und eine akzeptable Infrastruktur. Dennoch glaube ich, dass sich jeder vorstellen kann, dass es nicht einfach ist, mit der hochkarätigen Konkurrenz mitzuhalten. Der FC Bayern München zum Beispiel sucht seine Nachwuchsspieler in ganz Europa, wenn nicht sogar weltweit. Wir bei den Blauen versuchen Spieler im Umkreis von 50 Kilometer rund um Stuttgart zu bekommen…

…die bei größeren Clubs nicht im Fokus stehen.

Genau so ist es. Wir müssen den Spielern teilweise noch beibringen, wie das Spiel grundsätzlich funktioniert und können bei der Trainingsarbeit nicht gleich in die Details gehen. Aber es ist eine sehr große Auszeichnung für meine Mannschaft und den Verein, dass wir uns mit Topclubs wie dem FC Bayern messen dürfen.

Werden Ihre Assistenten Marco Calamita und Marcel Ivanusa über die Saison hinaus mit Ihnen weitermachen?

Es ist nichts anderes geplant. Marco und Marcel haben ihre Trainer-B-Lizenz gemacht und peilen demnächst die Trainer B-Elitelizenz an.

U-17-Cheftrainer Mustafa Ünal macht einen guten Job, er soll von anderen Vereinen umworben sein. Können ihn die Kickers halten?

Wir sind mit seiner Arbeit sehr zufrieden, und er hat einen gültigen Vertrag bis 2020 bei uns. Er hat sich um die Teilnahme am Lehrgang zur DFB-Fußball-Lehrer-Lizenz beworben. Mustafa hat dazu unsere Unterstützung. Wir wollen ihn fördern. Ich gehe davon aus, dass er bleibt.

Als Scout haben Sie den Ex-Profi Angelo Vaccaro verpflichten können.

Ja, er sichtet für uns in Baden-Württemberg. Angelo hat viel Erfahrung und einen guten Blick für Talente.

Die erste Mannschaft der Kickers spielt schon am Freitag beim 1. CfR Pforzheim. Hoffen Sie am Samstag (14 Uhr) bei Ihrem Spiel gegen den FC Bayern auf mehr Zuschauer als sonst?

Ja klar. Das hätten meine Spieler verdient , und es wäre eine zusätzliche Motivation für sie.

Ihr Tipp?

Beide Mannschaften sollen den Zuschauern ein gutes Spiel zeigen, aber natürlich hoffe ich auf einen Sieg von uns.

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