In katholischen Gottesdiensten sollen künftig auch evangelische Partner zur Kommunion gehen können. Foto: dpa

Katholikentag: Bischof Fürst zieht Bilanz – Kretschmann fordert mehr Dialogbereitschaft von oben.

Mannheim - Der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, will sich in der Bischofskonferenz für die Anliegen von konfessionsverschiedenen Paaren einsetzen. Er wolle erreichen, dass in katholischen Gottesdiensten künftig auch evangelische Partner zur Kommunion gehen können, kündigte er beim Katholikentag in Mannheim an. „Für die Paare, die ihren Glauben leben und den Sonntagsgottesdienst besuchen, bedeutet das jeden Sonntag die Erfahrung einer Trennung. Da sollten wir unter bestimmten Bedingungen und fallbezogen zu Lösungen kommen“, sagte Fürst unserer Zeitung. Das Thema müsse in der Bischofskonferenz besprochen werden, nötig sei eine gemeinsame Regelung. „Ein Ortsbischof alleine kann und sollte das nicht machen, weil verschiedene Regelungen in den Diözesen zu Verwirrung führen würden.“

In der Diözese Rottenburg-Stuttgart gehören bei 47 Prozent der kirchlich getrauten Paare die Partner unterschiedlichen Konfessionen an. Bereits zwischen 2001 und 2004 sei diese Frage mehrfach in der Bischofskonferenz besprochen worden. Viele Gespräche beim Katholikentag hätten ihm gezeigt, dass viele betroffene Paare unter der gegenwärtigen Situation litten.

Große Sorgen machten sich viele Gläubige auch um die Zukunft ihrer Kirchengemeinden, sagte Fürst. „Mich haben viele Menschen angesprochen, ob wir Gemeinden auflösen und zentralisieren.“ Weil die Zahl der Priester sinkt, bildeten die 1039 Kirchengemeinden in der Diözese in den vergangenen Jahren 280 Seelsorgeeinheiten. Von diesen hätten 266 einen Pfarrer, manche auch einen zusätzlichen Pfarrvikar. Die vakanten 14 Stellen würden wieder besetzt, so Fürst. „Es wird in unserer Diözese keine Zentralisierung und keine Auflösung von Kirchengemeinden geben. Wir werden diese Grundkonzeption sicher auf die nächsten 10 beziehungsweise 15 Jahre so weiterführen.“

„Es wird kein Priestertum light geben“

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, hatte vor dem Laientreffen in Mannheim Klerus und Laien zum Umdenken aufgerufen. Um eine gemeindenahe Pastoral sicherzustellen, sollten Laien offiziell mit der Übernahme kirchlicher Aufgaben betraut werden, sagte er. Auch Fürst will die Laien stärken. „Es ist für uns aber nicht anders denkbar, als dass der Priester eine zentrale Rolle spielt – es wird kein Priestertum light geben.“ In den Seelsorgeeinheiten gebe es bereits eine kooperative Leitung mit dem Pfarrvikar, Diakon, den Pastoral- oder Gemeindereferenten. „In den Gemeinden, in denen kein Pfarrer lebt, könnte aber ein Hauptamtlicher, etwa eine Gemeindereferentin, als Ansprechpartner beauftragt werden, die den Pfarrer beispielsweise bei der Leitung des Kirchengemeinderats vertrete und eigene Impulse gibt“, sagte Fürst.

Ob auch Ehrenamtliche mit der Leitung beauftragt werden können, ist für den Bischof noch nicht entschieden. „Das müssen wir noch überlegen. Wir haben über 10.000 ehrenamtliche Kirchengemeinderäte und -rätinnen, die viele Aufgaben in den Gemeinden übernehmen.“ Grundsätzlich sehe er kein Hindernis, einzelnen die Verantwortung für die Gemeindearbeit zu übertragen. „Aber wir dürfen die Ehren­amtlichen nicht überfordern. Das Ehrenamt ist uns ein großes Anliegen. Wir überlegen, wie wir sichtbar machen können, dass sie im Auftrag der Kirche ehrenamtlich arbeiten.“ Spätestens im nächsten Jahr soll eine Lösung vorliegen.

Ein wichtiges Thema in Mannheim war auch der Missbrauchsskandal

In einer Bibelarbeit hatte Minister­präsident Winfried Kretschmann (Grüne) den Bischöfen mangelnde Dialogbereitschaft vorgeworfen. „Streit und Kritik sind kein Ausdruck von Illoyalität, sondern von Besorgnis um wichtige Fragen“, sagte Kretschmann. Es könne nicht sein, dass Bischöfe es als „wenig förderlich“ bezeichneten, wenn die Laien erneut über strittige Themen wie das Diakonat der Frau sprechen wollten.

„Ich habe die Diskussionen sehr lebendig, engagiert erlebt und das Anliegen vieler Katholiken gespürt, dass sich Kirche weiterentwickelt, dass sie weiter in der Gesellschaft präsent ist und mitwirkt, dass das Glaubensleben nicht verloren geht“, sagte Fürst. Bei der Frühjahrskonferenz wird es einen Studientag zum Thema partnerschaftliches Miteinander von Frauen und Männern in der Kirche geben – da werde auch das Diakonat der Frau angesprochen. „Da ist allerdings keine Entscheidung zu erwarten, das ist keine alleinige Angelegenheit der deutschen Bischöfe. Beim Thema Priestertum der Frau wird es keine Bewegung geben, da sind wir lehramtlich festgelegt. Beim Diakonat der Frau ist es offener. Aber es wird Zeit brauchen.“

Ein wichtiges Thema in Mannheim war auch der Missbrauchsskandal. Anfang 2010 hatte der damalige Leiter des Canisiuskollegs in Berlin bekannt gemacht, dass es in der kirchlichen Schule in früheren Jahren sexuellen Missbrauch gegeben habe. Dies führte zu einer Vertrauenskrise, viele traten aus der Kirche aus. „Die von der Diözese eingerichtete Kommission hat Aufklärung geleistet und die Opfer unterstützt, auch finanziell. Um künftig solche schlimmen Taten zu vermeiden, muss die Prävention gestärkt werden – etwa durch Selbstverpflichtungen in den katholischen Verbänden.“ Das sei bereits geschehen. Um die Aufgabe der Prävention zu koordinieren, sei in der Diözese zudem eine neue Stelle für eine Präventionsbeauftragte geschaffen worden.

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